Wie viel Wasser darf ein Festival verbrauchen, was landet auf dem Teller – und wem gehören Clubs und Events, wenn immer mehr Konzerne einsteigen? ADE Green bringt beim 30-jährigen Jubiläum des Amsterdam Dance Event die großen Zukunftsfragen der Musikbranche auf den Tisch.
Wenn Nachhaltigkeit beim Wasserhahn beginnt
ADE Green beschäftigt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Wandel in der Musikbranche. 2026 kehrt die eintägige Konferenz mit Panels, Workshops und Networkingformaten ins Felix Meritis zurück.
Einer der ersten Programmpunkte widmet sich einer Ressource, ohne die kein Festival auskommt: Wasser. Technische Lösungen allein reichen nach Ansicht der Veranstalter längst nicht mehr aus. Gefragt sei ein grundsätzlicher Wandel im Umgang mit Wasser und dessen Wert. Maarten van ’t Veld von ID&T zeigt anhand des Decibel Outdoor, wie ein großes Festivalgelände schrittweise zu einem kreislauforientierten Versuchsfeld werden kann. Artur Mendes vom portugiesischen Boom Festival spricht wiederum über netzunabhängige Lösungen und darüber, wie Veranstalter ihr Publikum stärker für den Wasserverbrauch sensibilisieren können.
Was künftig auf dem Festivalteller landet
Auch das Essen auf Veranstaltungen wird bei ADE Green zum Thema. In einer interaktiven Session geht es darum, wie Festivalmenüs schmackhaft und attraktiv bleiben können, gleichzeitig aber einen geringeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Geleitet wird der Programmpunkt von Maartje Nelissen, Gründerin von Plant FWD und niederländische „Food Hero of the Year“ 2025, sowie Lyke Poortvliet. Die Mitgründerin von Buro Nuvo beschäftigt sich im Rahmen des Green Deal Circular Festivals mit kreislauforientierter Gastronomie bei Großveranstaltungen.
Dabei soll es nicht nur um theoretische Konzepte gehen. Die Teilnehmer hinterfragen auch ihr eigenes Wissen, ihre Vorlieben und die üblichen Annahmen darüber, welches Essen bei einem Festival vermeintlich unverzichtbar ist.
Wem gehören Festivals, Clubs und Kultur?
Der politischste Programmpunkt setzt bei der zunehmenden Konzentration innerhalb der Musikbranche an. Immer mehr Festivals, Clubs, Agenturen und Plattformen werden Teil größerer Unternehmensgruppen oder landen in den Portfolios von Investoren. Das kann mehr Kapital, Reichweite und professionelle Strukturen bringen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was mit Unabhängigkeit, kultureller Identität und langfristigen Zielen passiert, wenn sich die Eigentumsverhältnisse verändern.
Bei ADE Green werden deshalb alternative Modelle diskutiert. Stiftungen, Genossenschaften sowie Unternehmen im Besitz ihrer Mitarbeiter könnten Wege bieten, kulturelle Werte und den ursprünglichen Zweck einer Organisation besser zu schützen. Im Mittelpunkt steht damit eine Frage, die weit über einzelne Festivals hinausgeht: Kann die Eigentumsform darüber entscheiden, ob Kultur langfristig Kultur bleibt?
15 Experten, fünf Runden, eine Stunde
Direkter Austausch ist beim Format „Meet the Experts“ vorgesehen. Innerhalb einer Stunde treffen die Teilnehmer in fünf Runden auf insgesamt 15 Fachleute aus den Bereichen Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wandel.
Die Namen der Experten sollen gegen Ende des Sommers bekannt gegeben werden. Anders als bei klassischen Panels geht es hier ausdrücklich um kurze Gespräche, konkrete Fragen und neue Kontakte. Wegen der begrenzten Plätze empfiehlt das ADE eine frühzeitige Teilnahme.
ADE Green findet am Freitag, 23. Oktober 2026, im Felix Meritis statt. Die Nachhaltigkeitskonferenz ist Teil des Amsterdam Dance Event, das vom 21. bis 25. Oktober sein 30-jähriges Bestehen feiert. Zugang gibt es ausschließlich mit einem ADE Pro Pass, separate Tagestickets werden nicht angeboten. Weitere Programmpunkte sollen in den kommenden Monaten folgen. Alle bisherigen Informationen gibt es auf der offiziellen ADE-Green-Seite.
Fotocredit: Jasper ten Tusscher

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




