SoundCloud testet einen Direktverkauf, über den Künstler ihre Tracks direkt auf der Plattform anbieten können. SoundCloud selbst verlangt dafür keine Provision. Vorerst steht die Funktion allerdings nur rund 200 Artist-Pro-Mitgliedern in den USA zur Verfügung.
Kaufbutton statt externer Weiterleitung
Wer einen Track auf SoundCloud kaufen wollte, wurde bislang meistens zu Bandcamp, Beatport oder einem anderen Shop weitergeleitet. Diesen Umweg will die Plattform nun beseitigen. Seit Mittwoch, 26. August, testet SoundCloud eine neue Verkaufsfunktion. Teilnehmende Künstler können ausgewählte Tracks direkt über ihr Profil anbieten. Fans müssen die Plattform für den Kauf nicht mehr verlassen und können die Musik anschließend in dem Format herunterladen, das der jeweilige Artist bereitstellt. Möglich sind beispielsweise MP3- oder WAV-Dateien.
Den Preis legen die Künstler selbst fest. Auch die Verkäufe lassen sich direkt über Artist Studio und das Fan Support Dashboard verfolgen. Zum Start ist die Funktion stark begrenzt. Teilnehmen können rund 200 Künstler aus den USA, die über ein Artist-Pro-Abonnement verfügen und Fan Support aktiviert haben. SoundCloud will die kleine Gruppe bewusst nutzen, um Rückmeldungen zu sammeln und mögliche Probleme beim Kaufprozess zu erkennen. Im Laufe der Beta soll der Zugang schrittweise erweitert werden. Noch im Herbst sollen schließlich alle Künstler teilnehmen können, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.
Ob die Funktion dann bereits in Deutschland verfügbar sein wird, hat SoundCloud nicht mitgeteilt. Auch zu möglichen regionalen Unterschieden oder weiteren Bedingungen gibt es bislang keine Angaben.
SoundCloud nimmt keine Provision
Der größte Unterschied zu bestehenden Musikshops liegt bei der Beteiligung der Plattform. SoundCloud will keinen eigenen Anteil von den Verkäufen einbehalten. Der festgelegte Kaufpreis geht vollständig an den Künstler. Kosten für die Zahlungsabwicklung sowie anfallende Steuern werden allerdings weiterhin abgezogen. Die häufig verwendete Formulierung, Künstler würden „100 Prozent“ behalten, stimmt deshalb nur mit dieser Einschränkung. SoundCloud verlangt keine Provision, der tatsächlich ausgezahlte Betrag kann durch Gebühren und Steuern trotzdem niedriger ausfallen.
Bei Bandcamp werden für digitale Verkäufe zunächst 15 Prozent fällig. Sobald ein Künstler innerhalb von zwölf Monaten mindestens 5000 US-Dollar umgesetzt hat, sinkt der Anteil der Plattform auf zehn Prozent. Gebühren der Zahlungsdienstleister kommen dort ebenfalls hinzu. SoundCloud unterbietet diesen Satz deutlich. Dafür befindet sich die eigene Verkaufsfunktion erst in einer kleinen Beta und ist an ein kostenpflichtiges Artist-Pro-Abonnement gebunden. Ob SoundCloud den provisionsfreien Verkauf dauerhaft beibehält, bleibt abzuwarten.
Mehr als eine halbe Million Fans verlassen SoundCloud zum Kaufen
Dass auf der Plattform Interesse an direkten Musikverkäufen besteht, zeigen SoundClouds eigene Zahlen. Mehr als 250.000 Künstler haben demnach bereits über 2,4 Millionen Tracks mit externen Shops verknüpft. Jedes Jahr verlassen mehr als eine halbe Million Nutzer SoundCloud über solche Links, um Musik auf einer anderen Plattform zu kaufen. Genau diese Transaktionen möchte das Unternehmen künftig im eigenen Angebot halten.
Auch unter den Künstlern soll die Nachfrage vorhanden sein. In einer SoundCloud-Umfrage gaben 14 Prozent der Befragten an, bereits digitale Downloads zu verkaufen. Weitere 14 Prozent würden ihre Musik gerne auf diesem Weg anbieten.
Für unabhängige Künstler kann der Direktverkauf deutlich mehr einbringen als ein einzelner Stream. Gleichzeitig entsteht ein direkterer Kontakt zu jenen Fans, die einen Track nicht nur hören, sondern tatsächlich besitzen und den Artist gezielt unterstützen möchten.
SoundCloud rückt näher an Bandcamp heran
Der Verkauf von Downloads ist nicht SoundClouds erster Schritt in diese Richtung. Künstler können über die Plattform bereits Fan-Powered Royalties erhalten, finanzielle Unterstützung von Fans annehmen, Tickets anbieten und Musik auf Wunsch als Vinyl pressen lassen.
Im Juli übernahm SoundCloud außerdem Nina Protocol. Die unabhängige Musikplattform hatte sich auf direkte Beziehungen zwischen Künstlern und Fans konzentriert und ebenfalls provisionsfreie Musikverkäufe angeboten.
SoundCloud wird durch die neue Funktion nicht sofort zum direkten Bandcamp-Konkurrenten. Dafür ist der Test mit 200 US-Künstlern noch viel zu klein. Die Richtung ist dennoch klar: Die Plattform will nicht länger nur der Ort sein, an dem Musik entdeckt und gestreamt wird. Künstler sollen ihre Community dort aufbauen und anschließend auch direkt mit ihr Geld verdienen können.
Ob das gelingt, entscheidet sich erst nach der breiteren Einführung. Für Künstler ist der aktuelle Ansatz trotzdem attraktiv: Wenn ein Fan einen Track kaufen möchte, muss er SoundCloud künftig nicht mehr verlassen – und die Plattform verdient an diesem Verkauf zunächst nicht mit.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




