Hardwell hat einen Vertrag mit Armada Music Publishing geschlossen. Das klingt zunächst nach einem Abschied von Revealed Recordings, ist aber etwas völlig anderes. Bei dem Deal geht es nicht darum, wo seine Tracks erscheinen, sondern um die Rechte hinter seiner Musik.
Hardwell unterschreibt beim Verlag, nicht beim Label
Wer nur die Meldung „Hardwell unterschreibt bei Armada“ liest, könnte zunächst denken, dass der Niederländer seine kommenden Tracks bei Armada Music veröffentlicht. Genau das wurde allerdings nicht angekündigt. Hardwell hat bei Armada Music Publishing unterschrieben. Dabei handelt es sich um den Musikverlag der Armada Music Group und nicht um das gleichnamige Plattenlabel.
Die Unterscheidung klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, ist für die Bedeutung des Deals aber entscheidend: Revealed Recordings, das von Hardwell gegründete Label, bleibt davon nach aktuellem Stand unberührt.
Ein Track besteht rechtlich aus zwei Teilen
Vereinfacht gesagt entstehen bei einem Track zwei unterschiedliche Arten von Rechten. Da ist zunächst die eigentliche Komposition: also unter anderem Melodie, Harmonien und mögliche Songtexte. Um diesen Teil kümmert sich ein Musikverlag. Daneben gibt es die konkrete Aufnahme, häufig als Master bezeichnet. Das ist die fertige Audiodatei, die später bei Spotify, Beatport oder auf einer CD landet. Für deren Veröffentlichung und Vermarktung ist üblicherweise ein Plattenlabel zuständig.
Bei Hardwells neuem Vertrag geht es um die erste Ebene. Armada Music Publishing übernimmt Aufgaben rund um seine Arbeit als Komponist und Songwriter. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das Unternehmen auch die fertigen Aufnahmen veröffentlicht oder deren Masterrechte besitzt.
Was Armada künftig für Hardwell tun kann
Ein internationaler Musikverlag sorgt unter anderem dafür, dass Kompositionen korrekt registriert werden und die beteiligten Urheber ihre Tantiemen erhalten. Das betrifft beispielsweise Einnahmen aus Streams, Radioeinsätzen, öffentlichen Aufführungen oder der Verwendung von Musik auf anderen Plattformen. Darüber hinaus kann Armada Music Publishing Hardwells Musik für Werbung, Filme, Serien oder Games anbieten. Auch die Vermittlung neuer Kollaborationen, gemeinsame Songwriting-Sessions und Writing Camps gehören zum möglichen Aufgabenbereich des Unternehmens.
Für Hardwell bedeutet der Deal damit vor allem mehr Unterstützung im Hintergrund: Seine Kompositionen können international verwaltet, Nutzungen überwacht und neue Möglichkeiten für die Verwertung seiner Musik erschlossen werden. Welche Werke der Vertrag konkret umfasst, wurde allerdings nicht bekannt gegeben. Offen ist unter anderem, ob Armada den gesamten bisherigen Publishing-Katalog, nur ausgewählte Kompositionen oder zusätzlich sämtliche zukünftigen Werke betreut. Auch zur Laufzeit, Exklusivität und finanziellen Ausgestaltung gibt es bislang keine Angaben.
Warum Armada von einer Rückkehr spricht
In der offiziellen Ankündigung bezeichnet Armada Music Publishing die Zusammenarbeit ausdrücklich als Rückkehr. Das hat einen historischen Hintergrund: Bereits frühere Veröffentlichungen von Hardwell und Revealed Recordings waren mit dem niederländischen Unternehmen Cloud 9 Music verbunden. In den Credits älterer Tracks tauchte unter anderem Cloud 9 Holland Music Publishing auf. 2024 übernahm der zur Armada Music Group gehörende BEAT Music Fund das Verlagsgeschäft von Cloud 9 Music. Anschließend wurden Cloud 9 Music Publishing und Armada Publishing unter dem Namen Armada Music Publishing zusammengeführt.
Hardwell kehrt damit in ein Umfeld zurück, das Teile seiner Musik bereits aus früheren Jahren kennt. Ob der neue Vertrag auch sämtliche damals verwalteten Kompositionen einschließt, lässt sich aus der Ankündigung jedoch nicht ableiten.
Revealed Recordings bleibt Hardwells Label
Für Fans ist deshalb vor allem wichtig, was der Deal nicht bedeutet: Hardwell hat keinen Abschied von Revealed Recordings angekündigt. Das 2010 gegründete Label bleibt seine eigene Plattform und veröffentlicht weiterhin Musik von ihm sowie von zahlreichen weiteren Acts. Auch Armin van Buuren, der Armada Music 2003 gemeinsam mit Maykel Piron und David Lewis gründete, wird dadurch nicht zu Hardwells neuem Labelchef. Ebenso wenig bestätigt der Vertrag eine kommende Zusammenarbeit der beiden DJs.
Der Deal spielt sich größtenteils hinter den Kulissen ab. Er kann zu neuen Kollaborationen, zusätzlichen Platzierungen und einer breiteren internationalen Verwertung von Hardwells Kompositionen führen. Ein Armada-Logo auf jedem kommenden Hardwell-Release ist damit aber nicht verbunden.
Fotocredit Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




