Anymas ÆDEN-Show in Istanbul findet nicht statt. Die zuständige Behörde stoppte das für den 12. September geplante Event wegen angeblich „satanistischer Elemente“ in den Visuals. Der Veranstalter hat die Absage inzwischen bestätigt, prüft rechtliche Schritte und kündigt die automatische Erstattung der Tickets an.
Behörde bestätigt das Verbot
Eigentlich sollte Anyma am 12. September mit seiner ÆDEN World Tour in der Ataköy Marina Arena auftreten. Für Istanbul war keine gewöhnliche Clubshow geplant, sondern eine große Open-Air-Produktion mit Anyma, Kevin de Vries, Stephan Bodzin, Dimitri Vangelis & Wyman, Henri Bergmann und Gaia Ekho. Im Mittelpunkt sollte Anymas neue audiovisuelle Show ÆDEN stehen, die Musik, digitale Kunst, Technologie und eine filmische Erzählung miteinander verbindet. Ihre Premiere feierte die Produktion bei seinem Coachella-Auftritt im Frühjahr.
Die ersten Meldungen über eine Absage sorgten zunächst für Verwirrung. Weder von Anyma noch vom Veranstalter Only You Live oder der Istanbuler Verwaltung lag eine öffentliche Erklärung vor. Gleichzeitig wurden die Show auf Anymas Internetseite und der Ataköy Marina Arena weiterhin angekündigt und zeitweise sogar noch Tickets verkauft.
Inzwischen besteht an der Absage jedoch kein Zweifel mehr. Die türkische Faktencheck-Plattform Teyit kontaktierte den Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Istanbuler Verwaltung direkt. Dieser bestätigte nicht nur die Entscheidung, sondern nannte auch angebliche „satanistische Elemente“ in Anymas Shows als Grund. Eine ausführliche schriftliche Begründung der Behörde wurde bislang allerdings nicht veröffentlicht.
Aus Visuals wird ein angebliches Ritual
Der Entscheidung war eine Kampagne in den sozialen Netzwerken vorausgegangen. Dort verbreiteten verschiedene Accounts Ausschnitte aus Anymas bisherigen Shows und behaupteten, auf der Bühne seien satanistische Symbole und Rituale zu sehen. Zugleich wurde öffentlich die Absage des Konzerts gefordert.
Bei den geteilten Aufnahmen handelt es sich um die futuristischen und teilweise düsteren Visuals, für die Anyma seit Jahren bekannt ist. Riesige digitale Figuren treffen darin auf Glaswände, biomechanische Körper oder menschenähnliche Maschinen. Inhaltlich kreisen die Inszenierungen vor allem um Technologie, künstliche Intelligenz, Bewusstsein und die zunehmende Verschmelzung von Mensch und Maschine.
Dass diese Bilder tatsächlich ein religiöses Ritual darstellen oder als satanistische Botschaft gedacht sind, ist nicht belegt. Anyma selbst beschreibt ÆDEN als audiovisuelle Welt, in der Musik, visuelle Kunst und filmisches Storytelling zusammenkommen.
Trotzdem reichten die Vorwürfe offenbar aus, um die geplante Show zu stoppen. Ein ähnlicher Fall hatte sich in Istanbul bereits im Frühjahr ereignet: Damals wurde ein Konzert der irischen Post-Rock-Band God Is An Astronaut am selben Veranstaltungsort kurzfristig abgesagt, nachdem auch gegen sie Satanismusvorwürfe erhoben worden waren.
Veranstalter prüft rechtliche Schritte
Mittlerweile hat Only You Live die Absage von Anymas Show offiziell bestätigt. Die Entscheidung sei durch Umstände zustande gekommen, die außerhalb der Kontrolle des Veranstalters und des Künstlers lägen. In seinem Statement verteidigt der Veranstalter zugleich das künstlerische Konzept. Anymas Shows verbänden Musik, visuelle Kunst, Technologie und eine filmische Erzählweise zu einem besonderen Erlebnis. Nun würden die rechtlichen Möglichkeiten geprüft. Gleichzeitig bestehe weiterhin die Hoffnung, ÆDEN zu einem späteren Zeitpunkt nach Istanbul bringen zu können. Die bereits gekauften Tickets sollen ab dem 8. September automatisch über die Plattform Passo erstattet werden. Anyma selbst hat sich bislang nicht persönlich zu der Entscheidung geäußert.
Besonders ungewöhnlich ist das Verbot auch deshalb, weil der DJ erst 2024 mit seiner GENESYS-Produktion in derselben Arena aufgetreten war. Zwei Jahre später wird die nächste Entwicklungsstufe seiner Show nun ausgerechnet wegen der Bilder gestoppt, die zu ihrem festen Bestandteil gehören.
Fotocredit: [UNVRS] Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




