Erst lässt Suno komplette Songs per Texteingabe erzeugen, nun sollen sie als Schallplatten im Regal landen. Nur wenige Tage nach seiner Niederlage im Rechtsstreit mit der GEMA kündigt das KI-Unternehmen einen eigenen Vinyl-Service an.
46 Minuten KI-Musik für rund 45 Dollar
Mit Suno Vinyl will das US-Unternehmen den Weg von der digitalen Musikgenerierung bis zum physischen Tonträger abdecken. Nutzer sollen dafür Songs aus ihrer persönlichen Suno-Bibliothek auswählen und zu einer Tracklist mit einer Gesamtlänge von bis zu 46 Minuten zusammenstellen können. Auch die Gestaltung liegt bei ihnen: Für Cover, Innenhülle und Plattenlabels können entweder eigene Bilder hochgeladen oder über Suno erstellte Motive verwendet werden. Anschließend soll die fertige Platte gepresst, einer Qualitätskontrolle unterzogen und direkt an die Käufer verschickt werden.
Geplant ist eine schwarze 12-Inch-Platte aus PETG, das Suno als umweltfreundliches Material bewirbt. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um eine tatsächlich gepresste Schallplatte und nicht um einen lediglich einzeln geschnittenen Dekorationsartikel. Der geschätzte Preis liegt bei 45 US-Dollar zuzüglich Versandkosten. Einen konkreten Starttermin gibt es bislang nicht. Interessierte können sich derzeit lediglich für die erste Produktionsrunde anmelden.
Vom Geburtstagslied zum eigenen Album
Suno vermarktet den neuen Service ausdrücklich nicht nur an angehende Musiker. Auch Geburtstagslieder, musikalische Insiderwitze oder persönliche Songs für Jahrestage sollen künftig auf Vinyl verewigt und verschenkt werden können. Damit erweitert das Unternehmen sein bisher vollständig digitales Angebot um ein physisches Produkt. Wer über die Plattform einen Song generiert, kann daraus künftig eine individuell gestaltete Platte machen – inklusive eigener Tracklist und vollständigem Artwork.
Der Schritt ist bemerkenswert, weil Vinyl wie kaum ein anderes Format für die greifbare Verbindung zwischen Künstlern, Musik und Hörern steht. Ausgerechnet generative KI, deren Verhältnis zu menschlicher Kreativität weiterhin heftig diskutiert wird, drängt nun ebenfalls in dieses Geschäft.
Niederlage gegen die GEMA wirkt nach
Das Timing der Ankündigung ist brisant. Erst am 31. Juli entschied das Landgericht München I in weiten Teilen zugunsten der GEMA. Wie wir berichteten sah das Gericht durch das Training, die Speicherung und die Wiedergabe geschützter Musikwerke Urheberrechte verletzt.
In dem Verfahren ging es unter anderem um „Forever Young“, „Atemlos“, „Mambo No. 5“, „Rasputin“, „Big in Japan“ und „Daddy Cool“. Nach Auffassung des Gerichts hätte Suno für die Nutzung der Werke Lizenzen erwerben und die Rechteinhaber vergüten müssen. Das Unternehmen soll zudem Auskunft über seine damit erzielten Einnahmen erteilen und Schadenersatz zahlen.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Suno widerspricht der Entscheidung und prüft nach eigenen Angaben weitere Schritte einschließlich einer Berufung. Auch in den USA ist das Unternehmen weiterhin mit Klagen aus der Musikindustrie konfrontiert.
KI-Musik bekommt ein physisches Zuhause
Der Vinyl-Service löst die offenen Urheberrechtsfragen nicht. Er macht sie jedoch noch sichtbarer: KI-generierte Musik bleibt nicht länger nur ein digitaler Output, der zwischen Millionen Streams verschwindet, sondern kann künftig als vermeintlich vollwertige Veröffentlichung im Plattenregal stehen.
Unklar ist bislang, ob Suno kontrolliert, welche Songs tatsächlich gepresst werden dürfen. Das Unternehmen hat zudem noch nicht erklärt, wie es mit Produktionen umgeht, die geschützten Werken stark ähneln, welche Rechte Käufer an den Platten besitzen oder welches Presswerk die Herstellung übernimmt.
Genau darin liegt der Widerspruch des neuen Angebots: Suno verwandelt KI-Musik in ein dauerhaftes physisches Produkt, während vor Gericht weiterhin darum gestritten wird, auf wessen kreativer Arbeit diese Musik überhaupt beruht.
Fotocredit: Maxence Godefroid

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




