Sven Väth hat innerhalb weniger Tage gleich zweimal öffentlich gegen prominente Vertreter der Melodic-Techno-Szene ausgeteilt. Erst kommentierte er einen Beitrag über Anyma und das Closing seiner ÆDEN-Residency mit „Clowns“, wenig später attackierte er Argy noch wesentlich direkter. Was genau die Techno-Legende an den Künstlern stört, lässt sie bislang offen.
Erst trifft es Anyma und seine ÆDEN-Gäste
Den ersten Kommentar hinterließ Sven Väth unter einem Instagram-Beitrag vom 17. September. Der Account „Nightlife In Ibiza“ blickte darin auf das Closing von Anymas ÆDEN-Residency im [UNVRS] zurück. Neben Anyma waren an dem Abend auch Cassian und Kevin de Vries, Colyn und Innellea sowie Agents Of Time aufgetreten. Väth reagierte auf den Beitrag mit nur einem Wort, einem Emoji und drei Ausrufezeichen:
„Clowns 🤡!!!“
Wen genau er damit meinte, führte der 61-Jährige nicht aus. Da sich der Beitrag auf das komplette Closing und mehrere Acts bezog, lässt sich der Kommentar zumindest nicht eindeutig nur Anyma zuordnen. Unbemerkt blieb die Spitze jedenfalls nicht. Sein Kommentar wurde bis jetzt mehr als 1.500 Mal gelikt und mehr als 100 Mal kommentiert.
Bei Argy wird Sven Väth noch deutlicher
Wenige Tage später folgte die nächste Attacke. Diesmal richtete sie sich unmissverständlich gegen Argy. Auslöser war ein kurzer Clip des Accounts „Pulse Of Pharaohs“. Darin steht der griechische DJ hinter dem Pult und schwingt sein Kopfhörerkabel wie ein Lasso. Der Account kommentierte die Szene scherzhaft mit den Worten: „Wenn Argy zu 50 Prozent DJ und zu 50 Prozent Cowboy ist.“ Väth fand daran offenbar wenig lustig. In der Kommentarspalte schrieb er:
„The worst and biggest clown wannabe DJ 🤮“
Auf Deutsch bezeichnete er Argy damit als den „schlimmsten und größten Clown-Möchtegern-DJ“. Der Kommentar wurde später wieder gelöscht. Zu diesem Zeitpunkt hatten Nutzer jedoch bereits Screenshots angefertigt und in den sozialen Netzwerken verbreitet.
Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus. Während einige Nutzer Väth zustimmen und Argys Auftreten ebenfalls für übertrieben halten, kritisieren andere den persönlichen Angriff als respektlos. Eine öffentliche Antwort von Argy gibt es bislang nicht.
Der „Wannabe DJ“ veröffentlichte einst bei Cocoon
Besonders bemerkenswert ist Väths Wortwahl mit Blick auf die gemeinsame Vergangenheit der beiden Künstler. Argy ist keineswegs ein Newcomer, der erst durch kurze Social-Media-Clips bekannt geworden ist. Der Grieche veröffentlicht seit mehr als zwei Jahrzehnten elektronische Musik. Bereits 2007 erschien seine EP „Unreliable Virgin“ ausgerechnet auf Cocoon Recordings, dem von Sven Väth gegründeten Label.
Seitdem folgten Veröffentlichungen bei Afterlife, Crosstown Rebels, Armada Music und zahlreichen weiteren Labels. In den vergangenen Jahren entwickelte sich Argy mit Songs wie „Tataki“ und seiner NEWORLD-Show zu einem der erfolgreichsten Namen des aktuellen Melodic Techno. Als sachliche Beschreibung ist „Wannabe DJ“ deshalb kaum haltbar. Es handelt sich um eine gezielte Beleidigung – und durch die gemeinsame Cocoon-Vergangenheit um eine mit besonderer Schärfe.
Rechnet Sven Väth mit einer ganzen Generation ab?
Zwei kurze Instagram-Kommentare sind noch kein ausführliches Statement. Dass Sven Väth innerhalb weniger Tage erst einen Beitrag über Anyma und mehrere seiner ÆDEN-Gäste und anschließend Argy angreift, wirkt dennoch kaum wie ein zufälliger Ausrutscher. Beide Beiträge stehen für eine Spielart elektronischer Musik, bei der Musik, visuelle Inszenierung und bewusst für Social Media produzierte Momente eng miteinander verbunden sind. Anyma hat seine Shows mit riesigen Visuals und aufwendigen Bühnenproduktionen zu einem weltweiten Phänomen gemacht. Auch Argy setzt bei NEWORLD auf große Schauplätze, visuelle Welten und eine stark inszenierte Bühnenpräsenz.
Väth steht dagegen für einen anderen Ansatz. Seine Karriere basiert auf langen DJ-Sets, Vinyl und einer Clubkultur, bei der die Musik und der Dancefloor im Mittelpunkt stehen sollen. Seine Kommentare lassen sich deshalb durchaus als Frontalangriff auf den immer stärker inszenierten Teil der heutigen Szene lesen. Mehr als eine Interpretation ist das bislang aber nicht. Väth hat weder erklärt, was ihn konkret an Argy stört, noch ob sich sein „Clowns“-Kommentar gegen die Musik, die Shows, das Auftreten der Künstler oder etwas völlig anderes richtete.
Genau diese Erklärung wäre nach derart deutlichen Worten allerdings angebracht. Denn solange sie ausbleibt, stehen dort keine inhaltliche Kritik und keine Debatte über die Entwicklung der DJ-Kultur, sondern zunächst einmal zwei öffentliche Beleidigungen.
Trotzdem hat Sven Väth damit einen alten Konflikt neu entfacht: Wie viel Show braucht ein moderner DJ und wann wird aus der Person hinter den Decks ein Entertainer, der vor allem für die nächste virale Aufnahme spielt?
Fotocredit: Daniel Woeller

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




