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Bei den ersten AI Music Awards sollen Künstler auftreten, die gar nicht existieren

Bei den ersten AI Music Awards sollen Künstler auftreten, die gar nicht existieren

Am 13. November findet in Los Angeles die erste Awardshow speziell für KI-Musik statt. Besonders ungewöhnlich: Virtuelle Acts wie Xania Monet sollen „live“ auftreten, obwohl es sie als reale Menschen gar nicht gibt. Auf die Bühne bringen sollen sie ihre Schöpfer, eine Liveband und immersive Visuals.

Wie tritt ein Künstler auf, der keinen Körper hat?

Roter Teppich, Live-Auftritte und Preise für die erfolgreichsten Künstler des Jahres: Auf den ersten Blick erinnern die AI Music Awards an eine gewöhnliche Awardshow. Ein entscheidender Unterschied lässt sich allerdings nicht übersehen. Einige der Stars, die am 13. November im historischen The Mayan in Los Angeles auftreten sollen, existieren ausschließlich als digitale Identitäten.

Angekündigt sind unter anderem Xania Monet, Sheena Taylor, Olivia B Moore, Godfellow, Aries Ivory, Chaisen Hale und EJ Rogers. Ihre Stimmen, Bilder und öffentlichen Persönlichkeiten wurden vollständig oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erschaffen. Wie ein solcher Auftritt konkret funktionieren soll, ist bislang nur in Grundzügen bekannt. Veranstalter SIQA spricht von „hybriden Shows aus Mensch und KI“. Die menschlichen Schöpfer hinter den virtuellen Acts sollen die Inszenierung leiten, begleitet von einer Liveband und immersiven Visuals.

Ob die künstlichen Stimmen als fertige Aufnahmen abgespielt, in Echtzeit erzeugt oder von realen Sängern übernommen werden, verrät SIQA nicht. Die Anführungszeichen rund um das Wort „live“ sind deshalb mehr als nur redaktionelle Skepsis: Was das Publikum tatsächlich auf der Bühne erleben wird, bleibt eine der spannendsten Fragen des Abends.

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Die Show soll weltweit per Livestream übertragen werden. Vor Ort ist sie auf 600 Plätze begrenzt, weniger als 100 Tickets gehen nach Angaben des Veranstalters überhaupt in den freien Verkauf. Der reguläre Eintritt kostet 250 Dollar.

Xania Monet zeigt, wie groß das Geschäft bereits ist

Der bekannteste angekündigte Act ist Xania Monet. Hinter der virtuellen R&B-Sängerin steht die amerikanische Songwriterin Telisha „Nikki“ Jones. Sie schreibt die Texte selbst und nutzt den KI-Musikgenerator Suno, um daraus Songs mit Gesang und Instrumental entstehen zu lassen.

Mit „How Was I Supposed to Know?“ gelang Xania Monet als erstem bekannten KI-Act der Einstieg in eine Billboard-Radiochart. Für das Projekt schloss Jones anschließend einen Vertrag mit Hallwood Media ab, dessen Wert Medienberichten zufolge bei rund drei Millionen Dollar liegen soll. Der Fall zeigt, weshalb die AI Music Awards mehr als eine kuriose Technikveranstaltung sind. Hinter den virtuellen Gesichtern stehen längst reale Reichweiten, Verträge und Millionenbeträge. Was bislang vor allem auf Streamingplattformen und in sozialen Netzwerken stattfand, soll nun den nächsten klassischen Bestandteil einer Musikkarriere erobern: die Bühne.

Nicht jede KI-Musik landet in derselben Kategorie

Veranstaltet werden die Awards von der Sonic Intelligence Academy, kurz SIQA. Die Organisation betreibt eigene KI-Musikcharts und ein Register, in dem offengelegt werden soll, wie stark künstliche Intelligenz an einem Song beteiligt war. Dabei unterscheidet SIQA zwischen drei Stufen. Als „AI-assisted“ gelten Songs, bei denen Menschen und KI wesentliche kreative Aufgaben übernehmen. Die Kategorie „Human + AI Hybrid“ umfasst Projekte, bei denen Künstler ihre eigene Stimme mithilfe künstlicher Intelligenz klonen. Bei vollständig KI-generierten Songs entstehen laut Definition Melodie, Text, Produktion und Arrangement durch die Software. Der Mensch gibt in diesem Fall die Anweisungen, wählt Ergebnisse aus und bestimmt die Richtung.

Ausgezeichnet werden unter anderem der beste KI-Song, Künstler, Produzent und das beste Album. Hinzu kommen Preise für Gruppen, Musikvideos, Kollaborationen und verschiedene Genres. Eigene Kategorien gibt es außerdem für KI-unterstützte sowie hybride Produktionen. Teilnehmen dürfen nur Projekte, die im SIQA-Register erfasst wurden. Die Einordnung beginnt allerdings mit den Angaben der jeweiligen Schöpfer und basiert damit auf Offenlegung statt automatischer Erkennung. SIQA überprüft diese Angaben, kann damit aber grundsätzlich nur sichtbar machen, was die Beteiligten tatsächlich offenlegen.

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Über die Gewinner stimmen die verifizierten Mitglieder des Registers ab. Für das eigene Projekt darf niemand voten. Lediglich der sogenannte „Off the Charts Spotlight Award“ wird öffentlich vergeben.

Während die Musikbranche Grenzen zieht, baut SIQA eine eigene Bühne

Die Awardshow kommt zu einem Zeitpunkt, an dem große Teile der Musikindustrie ihren Umgang mit KI deutlich verschärfen. Beatport hat vollständig oder überwiegend KI-generierte Tracks verbannt, während Spotify und Apple Music entsprechende Künstlerprofile oder Songs sichtbar kennzeichnen wollen.

Besonders umstritten ist Suno, also genau jener Dienst, mit dem auch Xania Monet entsteht. Ende Juli entschied das Landgericht München I in erster Instanz zugunsten der GEMA und gegen den KI-Musikgenerator. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In den USA verklagen Universal und Sony das Unternehmen wegen 60.202 weiterer Aufnahmen.

Das SIQA-Register beantwortet dabei nur die Frage, wie künstliche Intelligenz in einem Song eingesetzt wurde. Ob das zugrunde liegende Modell rechtmäßig trainiert wurde und ob die ursprünglichen Künstler dafür vergütet wurden, lässt sich daraus nicht ableiten.

Die ersten AI Music Awards werden diesen Konflikt nicht lösen. Sie markieren aber den Moment, in dem virtuelle Künstler nicht länger nur zwischen Millionen menschlicher Acts auf Streamingplattformen auftauchen. Sie erhalten ihre eigenen Charts, ihre eigenen Preise und nun sogar ihre eigene Bühne. Ob daraus tatsächlich ein überzeugender Live-Auftritt entsteht oder lediglich eine aufwendige Präsentation vom Band, wird sich am 13. November zeigen.

Fotocredit: Tyler Witkin

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de