Das Amsterdam Dance Event macht aus seinem Nachwuchsprogramm eine dreitägige Academy. Ausgewählte Producer und Performing Artists erhalten Masterclasses, Studio-Sessions, Mentoring und direktes Feedback von Szenegrößen aus mehreren Generationen.
Aus einem Talentprogramm wird eine Academy
Ein guter Track allein macht noch keine Karriere. Wer dauerhaft von seiner Musik leben will, muss Labels überzeugen, ein eigenes Profil entwickeln, Auftritte bekommen und ein Netzwerk aufbauen, das über den nächsten viralen Moment hinaus Bestand hat. Genau an dieser Schnittstelle setzt ADE Lab On Track an. Zum 30-jährigen Jubiläum des Amsterdam Dance Events wird das bisherige Nachwuchsangebot zu einer dreitägigen Academy ausgebaut. Vom 21. bis 23. Oktober arbeiten ausgewählte Talente im ADE Lab Village im Westerpark an ihrer Musik und ihrer beruflichen Entwicklung.
WestWeelde bildet den Mittelpunkt des Programms, weitere Sessions finden im Het Ketelhuis und im Radio Radio statt. In der Regel läuft das Programm täglich von 10:30 bis 18 Uhr. Anders als bei einer klassischen Konferenz können sich die Teilnehmer nicht nur einzelne interessante Panels herauspicken. Wer angenommen wird, verpflichtet sich für alle drei Tage.
Geplant sind Masterclasses, Coachings, Mentoring, Studio-Sessions, Performances und Demo-Drops. Welche der bislang angekündigten Speaker welche Programmpunkte übernehmen, hat das ADE noch nicht im Detail veröffentlicht.
Detroit trifft Drumcode und UK Garage
Die erste Welle umfasst 19 Namen und führt durch mehrere Generationen elektronischer Musik. Kevin Saunderson gehört als Mitglied der Belleville Three zu den prägenden Figuren des Detroit Techno. Moodymann hat mit seinem eigenwilligen Sound und Labels wie KDJ Records und Mahogani Music die Verbindung zwischen Detroit House, Soul und Techno entscheidend mitgestaltet. Adam Beyer steht wiederum seit mehr als drei Jahrzehnten für europäischen Techno. Sein Label Drumcode feiert 2026 ebenfalls sein 30-jähriges Bestehen und gehört bis heute zu den einflussreichsten Marken des Genres.
Am anderen Ende des Spektrums steht Sammy Virji. Der Brite zählt zu den Artists, die UK Garage in den vergangenen Jahren zurück auf die großen Bühnen gebracht haben. Dass diese unterschiedlichen Karrierewege in einem Programm zusammenkommen, ist mehr als eine möglichst prominente Namensliste. Nachwuchs-Artists erhalten Einblicke in eine Branche, die sich zwischen Detroit-Pioniergeist, etablierten Labelstrukturen und neuen Hypes grundlegend verändert hat.
Ein besonders spannender Name arbeitet normalerweise eher hinter den Kulissen. Timofey Reznikov ist seit Jahren eng an zahlreichen Produktionen von David Guetta beteiligt. Er wirkte unter anderem an den Grammy-nominierten Songs „I’m Good (Blue)“ und „One In A Million“ mit und arbeitete außerdem für Artists wie Armin van Buuren, Steve Aoki, OneRepublic und RAYE.
Zur ersten Ankündigung gehören außerdem Jyoty, DJ Bone, Grace Dahl, Nene H, LYZZA, Peven Everett, Rooléh, Rossi., Zack Fox, Paige Tomlinson, Armana Khan, Conrad Taylor, Julia Borelli und State OFFF.
Zwei Wege in die professionelle Musikwelt
ADE Lab On Track teilt sich in zwei Bereiche. Der Producer Track richtet sich an Talente, die bereits eigene elektronische Musik produzieren und aus ihren Fähigkeiten eine professionelle Laufbahn entwickeln wollen. Neben der Arbeit an der Musik sollen sie unter anderem Vertreter von Labels, Agenturen und A&R-Abteilungen treffen und direktes Feedback erhalten.
Der Performing Artist Track richtet sich an DJs und elektronische Live-Artists, die bereits auftreten und den nächsten Schritt machen möchten. Hier geht es verstärkt um Artist-Identität, Performance, Branding, Bookings und Management.
Damit greift das Format einen entscheidenden Punkt auf: Eine starke Produktion hilft wenig, wenn niemand weiß, wie sie das richtige Label erreicht. Umgekehrt lässt sich eine Karriere nicht dauerhaft auf Branding aufbauen, wenn der musikalische Kern fehlt. ADE Lab On Track behandelt beide Seiten getrennt, bringt sie innerhalb der Academy aber immer wieder zusammen.
Die Frage nach nachhaltigen Strukturen, die ADE Green für die gesamte Dance-Kultur stellt, wird hier auf die einzelne Karriere übertragen. Junge Artists sollen nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern lernen, daraus langfristig etwas aufzubauen.
Eine Bewerbung war Pflicht
Ein reguläres Ticket reicht für ADE Lab On Track nicht aus. Interessierte mussten sich vorab bewerben, die Frist endete am 6. September. Die ersten Zusagen werden seit dem 9. September verschickt, weitere sollen bis zum 16. September folgen; wer die Bewerbungsphase verpasst hat, kann sich weiterhin auf die Warteliste setzen lassen.
Wer angenommen wird, kann anschließend ein Ticket für 149 Euro erwerben. Darin enthalten sind die drei Academy-Tage sowie der Zugang zum ADE Culture Hub am Samstag, 24. Oktober. Der reguläre ADE-Pro-Bereich ist nicht eingeschlossen. Wer die Bewerbungsphase verpasst hat, kann sich derzeit noch auf eine Warteliste setzen lassen.
Keine dreitägige Academy macht aus einem Talent automatisch den nächsten Headliner. Sie kann aber Zugang zu Wissen, ehrlichem Feedback und Kontakten schaffen, an denen eine junge Karriere sonst häufig scheitert. Zum 30-jährigen Jubiläum blickt das ADE damit nicht nur auf die eigene Geschichte zurück, sondern gibt einen Teil dieser Erfahrung an die nächste Generation weiter.
Fotocredit: Tom Doms

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




