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Universal baut offizielle KI-Remix-Plattform: Artists müssen zustimmen

Universal baut offizielle KI-Remix-Plattform: Artists müssen zustimmen

Fans sollen bekannte Songs künftig neu mischen, mit anderen Tracks verbinden und mithilfe künstlicher Intelligenz völlig neu interpretieren können. Dafür schließen die Universal Music Group und ElevenLabs eine mehrjährige Partnerschaft. Hinter dem großen Versprechen bleiben allerdings entscheidende Fragen zu Vergütung, Veröffentlichung und Kontrolle offen.

Fans sollen selbst zu Produzenten werden

Aus einem Pop-Hit einen Club-Remix bauen, zwei Songs zu einem Mashup verbinden oder eine vollkommen neue Version eines bekannten Tracks erschaffen: Genau das soll eine neue KI-Musikplattform der Universal Music Group und ElevenLabs ermöglichen. Die beiden Unternehmen haben dafür eine mehrjährige Lizenzvereinbarung geschlossen. ElevenLabs soll die derzeit noch in Entwicklung befindliche Plattform starten und gemeinsam mit Universal weitere KI-Produkte für Artists und Songwriter entwickeln.

Geplant sind Remixe, Mashups, neue Interpretationen bestehender Tracks und sogenannte personalisierte Vocal-Erlebnisse. Was sich genau hinter dem letzten Punkt verbirgt, erklären die Unternehmen bislang nicht. Angesichts der Technologien von ElevenLabs könnten damit jedoch individuell erzeugte Versionen mit den Stimmen teilnehmender Acts gemeint sein.

Die neue Plattform soll unabhängig von den bisherigen ElevenLabs-Angeboten betrieben werden. Dazu gehören ElevenMusic, mit dem Nutzer komplette Songs generieren und bearbeiten können, sowie eine Schnittstelle, über die andere Unternehmen die Musikmodelle von ElevenLabs in ihre eigenen Produkte integrieren können.

Universal gibt nicht einfach seinen gesamten Katalog frei

Entscheidend ist eine Einschränkung, die in vielen Berichten über die Partnerschaft schnell untergeht: Universal öffnet nicht automatisch seinen vollständigen Musikkatalog für die KI. Verwendet werden soll ausschließlich lizenzierte Musik von Artists und Songwritern, die sich für eine Teilnahme entscheiden. Die Zustimmung erfolgt damit nach dem Opt-in-Prinzip. Wer seine Songs oder seine Stimme nicht für das Projekt freigeben möchte, soll auch nicht auf der Plattform auftauchen.

Universal und ElevenLabs versprechen außerdem, dass die beteiligten Artists und Songwriter am entstehenden Wert beteiligt und fair vergütet werden sollen. Wie dieses Vergütungsmodell konkret aussieht, ist allerdings nicht bekannt. Auch bei anderen entscheidenden Punkten bleibt die Ankündigung auffällig vage. Weder ein Name noch ein Starttermin oder ein Preis für die Plattform wurden genannt. Ebenso ist unklar, welche Artists teilnehmen, ob einzelne Songs oder vollständige Kataloge freigegeben werden können und wie weit die kreativen Möglichkeiten tatsächlich reichen.

Offen bleibt außerdem, wem die fertigen KI-Remixe gehören. Dürfen Nutzer ihre Versionen herunterladen, öffentlich teilen oder sogar auf Streamingplattformen veröffentlichen? Oder bleiben sämtliche Ergebnisse innerhalb eines geschlossenen Systems? Antworten darauf gibt es bislang nicht.

Ausgerechnet ein Spezialist für künstliche Stimmen

Die Wahl von ElevenLabs als Partner macht das Projekt besonders brisant. Das 2022 gegründete Unternehmen wurde vor allem durch seine realistisch klingenden synthetischen Stimmen und seine Technologien zum Klonen von Stimmen bekannt.

Inzwischen ist ElevenLabs längst auch im Musikgeschäft angekommen. Mit ElevenMusic lassen sich anhand einfacher Texteingaben vollständige Songs mit Gesang, Instrumenten und unterschiedlichen Arrangements erzeugen.

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Die Partnerschaft mit Universal ist nun die erste Vereinbarung des Unternehmens mit einem Major-Label. ElevenLabs erhält dadurch Zugang zu offiziell lizenzierter Musik und wichtigen Strukturen für die Verwaltung von Rechten. Universal wiederum bekommt die Technologie, um KI-Versionen bekannter Songs innerhalb eines kontrollierten Systems anzubieten.

Gerade die angekündigten personalisierten Vocal-Erlebnisse dürften dabei besonders genau beobachtet werden. Schließlich könnte künstlicher Gesang einen Artist theoretisch Dinge singen lassen, die er selbst niemals aufgenommen hat. Universal versucht deshalb, die Nutzung von Beginn an an Zustimmung, Lizenzierung und Bezahlung zu binden.

Die Musikindustrie wechselt ihre Strategie

Noch vor wenigen Jahren trafen sich Major-Labels und KI-Unternehmen vor allem vor Gericht. Universal, Sony und Warner warfen Anbietern wie Suno und Udio vor, geschützte Musik ohne Erlaubnis für das Training ihrer Modelle verwendet zu haben. Inzwischen zeichnet sich jedoch ein Strategiewechsel ab. Universal legte seinen Rechtsstreit mit Udio 2025 bei und kündigte anschließend eine gemeinsam entwickelte, lizenzierte KI-Plattform an. Im Mai 2026 folgte eine Vereinbarung mit Spotify über kostenpflichtige KI-Cover und -Remixe. Hinzu kommen weitere Partnerschaften rund um offiziell lizenzierte Fan-Inhalte.

Nur einen Tag vor der ElevenLabs-Ankündigung stellte Suno außerdem neue Musikmodelle vor, die in Zusammenarbeit mit Warner Music Group, BMG und Believe entstanden sind. Die großen Musikkonzerne kämpfen damit längst nicht mehr grundsätzlich gegen KI-Musik. Sie kämpfen darum, wer die Technologie kontrolliert, welche Musik verwendet werden darf und wer an den Ergebnissen verdient.

Das Versprechen der fairen Vergütung muss sich erst beweisen

Dass die Frage nach der Bezahlung keineswegs geklärt ist, zeigt ein laufender Konflikt in den USA. Die American Federation of Musicians verklagte Universal und weitere Plattenfirmen im Juni 2026. Die Gewerkschaft wirft ihnen vor, Musiker bei früheren Lizenzvereinbarungen mit Udio und Suno nicht ausreichend informiert und vergütet zu haben. Die Klage betrifft nicht unmittelbar die neue ElevenLabs-Plattform. Sie macht jedoch deutlich, dass eine Lizenzvereinbarung zwischen zwei Unternehmen nicht automatisch bedeutet, dass alle an einer Aufnahme beteiligten Menschen von den Einnahmen profitieren.

Ob die neue Plattform tatsächlich zu einem fairen Modell für KI-Musik wird, entscheidet sich deshalb erst mit den Details. Welche Artists machen mit? Wie werden sie bezahlt? Was dürfen Nutzer mit ihren Kreationen tun? Und wie verhindert Universal, dass aus einem kontrollierten Remix-Tool doch eine Maschine für beliebig austauschbare Künstlerstimmen wird?

Sollten große Acts teilnehmen und die fertigen Versionen tatsächlich geteilt werden dürfen, könnte die Plattform eine bislang weitgehend unkontrollierte Remix-Kultur in einen legalen Rahmen überführen. Bleiben die bekannten Namen und klaren Regeln aus, wäre sie dagegen kaum mehr als eine technisch beeindruckende Spielerei.

Die Richtung der Musikindustrie ist trotzdem eindeutig: Künstliche Intelligenz steht nicht länger nur vor den Toren der Major-Labels. Universal holt sie nun gezielt hinein – allerdings zu den eigenen Bedingungen.

Fotocredit: Franck V.

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de