Ende 2024 gingen im Watergate nach 22 Jahren die Lichter aus. Nun bekommt die legendäre Location an der Oberbaumbrücke eine neue Identität: Der Pariser Kulturclub Silencio, dessen ursprüngliches Interieur David Lynch gestaltete, eröffnet dort am 30. Oktober einen temporären Berliner Ableger. Die ersten Techno-Größen haben die umgebauten Räume bereits getestet.
Silencio Berlin öffnet am 30. Oktober
Wenn sich die Türen in der Falckensteinstraße wieder öffnen, kehrt zwar das Nachtleben an den früheren Watergate-Standort zurück – der geschlossene Berliner Club feiert allerdings kein Comeback. Stattdessen zieht mit Silencio ein eigenständiges Projekt in die Räume ein. Der temporäre Berliner Ableger soll am 30. Oktober eröffnen und bis Mai 2027 bestehen. Anlass ist das 15-jährige Bestehen des Pariser Originals.
Das vollständige Programm soll im Oktober vorgestellt werden. Bereits bekannt ist, dass jedes Wochenende ein anderes Kollektiv die Räume übernehmen soll. Neben elektronischer Musik sind auch visuelle Kunst und Performances vorgesehen. Damit folgt Silencio Berlin dem interdisziplinären Ansatz, der den Club bereits in Paris geprägt hat.
„Ein Club ist eine Form, die neu erfunden werden muss, nicht bewahrt“, erklärt Silencio-Mitgründer Arnaud Frisch. Berlin habe dieses Prinzip früher als jede andere Stadt verstanden und besonders konsequent weitergedacht.
Richie Hawtin und Ben Klock testen die neuen Räume
Streng genommen hat Silencio Berlin seine erste Nacht bereits hinter sich. Am 9. September fand in den ehemaligen Watergate-Räumen ein Pre-Opening statt. Hinter den Decks standen mit Richie Hawtin, Ben Klock und BASHKKA gleich mehrere bekannte Namen der elektronischen Musik. Valentina Magaletti ergänzte den Abend mit einem Live-Set.
Das Pre-Opening war Teil des Reference Festivals und fiel mit der Eröffnung von Maurizio Cattelans Ausstellung „Night“ in der Neuen Nationalgalerie zusammen. Bereits dieser erste Abend zeigte, dass Silencio nicht einfach versucht, das frühere Watergate zu kopieren. Musik, bildende Kunst und Performance sollen von Beginn an miteinander verbunden werden.
Auch optisch wurde der Club deutlich verändert. An der Neugestaltung waren unter anderem der Künstler und Architekt Marc Leschelier sowie Studio Karhard beteiligt, das bereits das Interieur des Berghains mitgestaltet hat. Studio Raito verantwortet das Lichtdesign, während Bureau Borsche die visuelle Identität entwickelte.
Teile des früheren Bodenbelags wurden entfernt und darunterliegende rote Ziegel freigelegt. Neue DJ-Pulte aus Betonsteinen unterstreichen die bewusst rohe Ästhetik. Auf dem oberen Floor stehen die Decks nun an der Fensterfront, während das DJ-Pult des ehemaligen Waterfloors in die Mitte des Raums gerückt ist. Das frühere Watergate-Logo an der Fassade wurde schwarz übermalt.
Was Silencio mit David Lynch verbindet
Silencio eröffnete 2011 in der Pariser Rue Montmartre. Das ursprüngliche Konzept und die Innenräume wurden von Regisseur David Lynch gestaltet. Auch der Name geht auf dessen Film „Mulholland Drive“ und den darin vorkommenden Club Silencio zurück.
Anders als ein klassischer Nachtclub versteht sich Silencio als kultureller Treffpunkt zwischen Musik, Film, Kunst, Mode und Gastronomie. In den vergangenen Jahren traten dort unter anderem Prince, Björk, Kendrick Lamar und Lana Del Rey auf.
Berlin ist zudem nicht das erste zeitlich begrenzte Projekt des Clubs. Zuvor entstanden bereits Silencio-Pop-ups in New York und Venedig sowie im Umfeld der Filmfestspiele von Cannes und der Art Basel in Miami.
Das Watergate selbst kehrt nicht zurück
Das Watergate eröffnete 2002 und entwickelte sich mit seinem Blick auf die Spree, dem Waterfloor und der markanten LED-Decke zu einem der bekanntesten Clubs Berlins. In der Silvesternacht 2024 endete der reguläre Betrieb nach 22 Jahren.
Als Gründe nannten die Betreiber damals unter anderem den enormen finanziellen Druck, gestiegene Energie- und Betriebskosten sowie ein verändertes Ausgehverhalten. Die Marke Watergate verschwand allerdings nicht vollständig. Mit Open-Air-Veranstaltungen im SAGE Berlin führte das Team seine Geschichte auch 2026 an anderen Orten weiter. Silencio übernimmt somit die frühere Location, nicht aber das Watergate selbst. Auch musikalisch und kulturell soll keine bloße Kopie des alten Clubs entstehen.
Ob der Pariser Kulturclub eine eigene Verbindung zur Berliner Szene aufbauen kann oder vor allem vom Mythos seines neuen Standorts lebt, wird sich mit der Bekanntgabe des Programms zeigen. Fest steht schon jetzt: An einem Ort, der fast zwei Jahre lang für das Berliner Clubsterben stand, wird ab Oktober wieder getanzt.
Fotocredit: foldscheap, Watergate Nightclub Berlin 2007, CC0 1.0

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de



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