Fast neun Jahre nach ILLENIUMs Remix von „Silence“ haben die beiden erstmals einen eigenen Track zusammen produziert. Auf „Close My Eyes“ leiht ihnen SACHA ihre Stimme – für einen Song über Verlust, Träume und den Wunsch, der Wirklichkeit wenigstens für einen Moment zu entkommen.
Von der Ultra-Mainstage bis Red Rocks
Ganz neu ist „Close My Eyes“ für aufmerksame Fans nicht. ILLENIUM spielte den Track bereits Ende März während seines Mainstage-Sets beim Ultra Music Festival in Miami. Für die Premiere holte er Marshmello überraschend zu sich auf die Mainstage, während die noch namenlose ID anschließend in zahlreichen Videos durchs Netz ging.
Im August standen die beiden im Red Rocks Amphitheatre erneut gemeinsam hinter den Decks. Spätestens nach diesem Auftritt war klar, dass die Veröffentlichung nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. Am 9. September erschien „Close My Eyes“ schließlich über Marshmellos Label Joytime Collective.
Wenn nur im Traum alles wieder gut ist
Inhaltlich geht es um einen Menschen, der der Realität nicht mehr standhält und deshalb Zuflucht im Schlaf sucht. Denn nur dort, in seinen Träumen, kann er die verlorene Person noch einmal sehen und für einen kurzen Moment so tun, als wäre sie noch da.
SACHA trägt diese Geschichte mit einer Stimme, die zunächst fast zerbrechlich wirkt. Der Track beginnt zurückhaltend mit luftigen Gitarrenklängen und lässt ihr viel Raum, bevor sich nach und nach die großen Synthesizer öffnen. Im Drop übernimmt schließlich jener emotionale Future-Bass-Sound, den viele Fans von dieser Kombination erwartet haben dürften.
Überraschend ist der Aufbau nicht. Die Stärke des Songs liegt woanders: Die Produktion darf groß und euphorisch werden, ohne das traurige Thema darunter zu begraben. Selbst im hellsten Moment bleibt dieses Gefühl, dass die Wirklichkeit nach dem Aufwachen wieder wartet.
Für SACHA ist „Close My Eyes“ der nächste große Dance-Release. Die Sängerin war zuvor unter anderem auf „HIGHER“ von Nathan Dawe und Joel Corry, „Guestlist“ von cassö sowie „Set Me Free“ von Armin van Buuren zu hören.
Die erste eigene Collab nach fast neun Jahren
Dass ILLENIUM und Marshmello musikalisch gut zusammenpassen, ist bereits seit 2017 bekannt. Damals veröffentlichte ILLENIUM seinen Remix von „Silence“, Marshmellos Welthit mit Khalid. Er verwandelte die ohnehin emotionale Vorlage in eine noch größere Melodic-Bass-Hymne und machte den Remix zu einem festen Bestandteil seiner Sets.
Eine echte gemeinsame Originalproduktion war das allerdings nicht. Obwohl beide seit Jahren zu den größten Namen ihrer jeweiligen Szene gehören und regelmäßig auf denselben Festivals auftreten, mussten Fans bis heute auf einen eigenen Track warten.
„Close My Eyes“ liefert nun ziemlich genau das, was man sich von dieser Verbindung erhoffen durfte: ILLENIUMs Gespür für große emotionale Momente, Marshmellos Pop-Instinkt und eine Stimme, die dem Song seine eigentliche Schwere gibt.
Am Ende bleibt deshalb vor allem eine Frage: Warum hat diese Zusammenarbeit eigentlich fast neun Jahre gedauert?
Fotocredit: ILLENIUM, Marshmello

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




