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Zehn Jahre, elf Tracks, so persönlich wie nie: Amelie Lens veröffentlicht „AURA“

Zehn Jahre, elf Tracks, so persönlich wie nie: Amelie Lens veröffentlicht „AURA“

Seit fast einem Jahrzehnt steht Amelie Lens auf den größten Techno-Bühnen der Welt, ein eigenes Album fehlte bislang jedoch. Mit „AURA“ holt die Belgierin das nun nach und erzählt in elf Tracks von Clubnächten, dem Leben als Mutter und jener Verbindung, die ihre Karriere bis heute antreibt: der zum Publikum.

Das Album, das in ihrer Diskografie noch fehlte

Man muss sich das kurz klarmachen: Amelie Lens hat beim Awakenings, Tomorrowland, Sónar und bei der Time Warp gespielt, zwei eigene Labels aufgebaut und EXHALE von einer Clubnacht zu einer international tourenden Marke gemacht. Singles, EPs und Kollaborationen gab es reichlich. Nur ein Album hatte die 36-Jährige bisher nie veröffentlicht. „AURA“ schließt diese Lücke nun zehn Jahre nach ihrer Debüt-EP „Exhale“. Dabei klingt das Projekt nicht nach einem weiteren Haken auf der Karriere-To-do-Liste. Amelie Lens versteht die elf Tracks vielmehr als Rückblick auf den Weg, der sie an diesen Punkt gebracht hat.

„AURA ist meine Geschichte“, erklärt sie. Dazu gehören die ersten kleinen Clubshows und nächtliche Autofahrten zum nächsten Auftritt ebenso wie riesige Festivalbühnen, der Aufbau von EXHALE und die Frage, wie sich all das mit ihrem Leben als Mutter vereinbaren lässt.

Der Ursprung dieser Geschichte liegt noch weiter zurück. Als Amelie Lens 2005 im Alter von 15 Jahren das Dour Festival besuchte, entdeckte sie dort die elektronische Musik für sich. In Clubs habe sie zum ersten Mal ein Gefühl von Zugehörigkeit und Freiheit erlebt, das ihr zuvor gefehlt habe. 2014 gab sie schließlich ihre Karriere als Model auf, um sich vollständig der Musik zu widmen.

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Zwischen 150 BPM und vier Uhr morgens im RSO

Auch musikalisch versucht „AURA“, diese verschiedenen Stationen zusammenzubringen. Amelie Lens wollte ein Album produzieren, das emotional und kraftvoll, euphorisch und gleichzeitig roh sein kann. Entsprechend wechseln sich große Festivalmomente mit trippigeren Tracks ab, die eher in eine dunkle Nacht im Berliner RSO passen.

Schon Titel wie „4am at RSO“ oder das herrlich direkte „a track at 150bpm“ lassen erkennen, dass sich Amelie Lens dabei nicht plötzlich in übertriebener Konzeptkunst verliert. Der Dancefloor bleibt der Mittelpunkt. Stücke wie „our frequency“, „falling into acid dreams“ und „the energy is us“ drehen sich gleichzeitig um jenes Gefühl gemeinsamer Energie, das sich durch das gesamte Album zieht.

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Zehn der elf Tracks hat Amelie Lens allein produziert. „AURA“ ist also keine Gästeliste, die sich als Album verkleidet. Die einzige Ausnahme ist „run“ mit der belgischen Sängerin Angèle. Deren zerbrechliche, melodische Stimme trifft auf einen druckvollen Techno-Unterbau und sorgt für den deutlichsten Popmoment der Platte.

Gerade bei dieser Zusammenarbeit schließt sich ein Kreis: Amelie Lens und Angèle präsentierten „run“ erstmals gemeinsam beim Dour Festival – also an jenem Ort, an dem für Amelie Lens mehr als zwei Jahrzehnte zuvor alles begonnen hatte. Auf mehreren weiteren Tracks ist zudem ihre eigene Stimme zu hören, was in ihren bisherigen Produktionen eher die Ausnahme war.

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Von kleinen Clubs zu 14.000 Menschen in Antwerpen

Wie weit der Weg seit diesen ersten Clubnächten geführt hat, zeigte sich direkt nach dem Release. Einen Tag nach der Veröffentlichung stellte Amelie Lens „AURA“ bei einer Open-Air-Show vor dem Königlichen Museum der Schönen Künste in Antwerpen vor. 14.000 Menschen kamen auf den Platz vor dem KMSKA, um das Album erstmals live zu erleben.

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Am 2. Oktober bringt sie die dazugehörige „AURA“-Show auch nach Deutschland. Austragungsort ist die Uber Eats Music Hall in Berlin. Danach folgen unter anderem zwei Auftritte beim Amsterdam Dance Event: eine gemeinsame EXHALE-Nacht mit Audio Obscura und ein Set beim AMF.

„AURA“ erfindet Amelie Lens nicht neu. Das Album lässt nur erstmals so viel von der Person hören, die hinter der kompromisslosen Bühnenfigur steht. Genau deshalb ist dieses Debüt nach zehn Jahren mehr als nur überfällig.

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Fotocredit: Daniil Lavrovski/Press Pic

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de