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Nach Macklemore-Aus: Alle Support-Acts verlassen Ed Sheerans Tour

Nach Macklemore-Aus: Alle Support-Acts verlassen Ed Sheerans Tour

Der Ausschluss Macklemores löst auf Ed Sheerans Tour eine beispiellose Solidaritätswelle aus. Aaron Rowe, Lukas Graham und Finneas haben ihre geplanten Auftritte abgesagt, auch die irische Tourband Beoga zieht sich zurück. Ed Sheeran selbst sagt, Veranstalter und Spielstätten hätten die Entscheidung gegen Macklemore getroffen – nicht er.

Aus einem Ausschluss wird eine Tourkrise

Eigentlich sollte Macklemore bei acht der zehn noch ausstehenden Konzerte von Ed Sheerans US-Stadiontour als Support-Act auftreten. Dazu wird es nicht kommen. Nachdem der Rapper bei einem Konzert Anfang September unter anderem „Free Palestine“ gerufen hatte, wurde er aus dem Line-up gestrichen.

Macklemore hatte den Satz bei der Ankündigung seines Protestsongs „Hind’s Hall“ gerufen und sich anschließend ausführlich zur Situation im Gazastreifen und im Westjordanland geäußert. Wenige Tage später teilte der Tourveranstalter Messina Touring Group mit, mehrere Spielstätten würden die Konzerte nicht stattfinden lassen, solange Macklemore Teil der Tour sei. Einer der Veranstaltungsorte ist das Gillette Stadium in Massachusetts, das dem Unternehmer Robert Kraft gehört. Dieser begründete die Entscheidung nicht nur mit Macklemores jüngsten Aussagen, sondern auch mit dessen angeblicher Vorgeschichte antisemitischer Äußerungen und Darstellungen.

Macklemore weist diesen Vorwurf zurück. Kritik an der israelischen Regierung dürfe nicht mit Kritik an jüdischen Menschen gleichgesetzt werden, erklärte er. Gegen Ed Sheeran hege er keinen Groll. Seine persönliche Verbindung zu dem Sänger könne ihn jedoch nicht davon abhalten, öffentlich für seine Überzeugungen einzustehen.

Mehrere Künstler solidarisieren sich mit Macklemore

Aus dem Ausschluss eines einzelnen Support-Acts ist inzwischen eine Krise für die gesamte Tour geworden. Aaron Rowe und Lukas Graham, die bei den verbleibenden US-Terminen auftreten sollten, sagten ihre Teilnahme ab. Auch Finneas, der Ed Sheeran später im Jahr auf dessen Südamerika-Tour begleiten sollte, zog sich zurück.

Finneas erklärte, Künstler dürften nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie sich für Unterdrückte einsetzten. Lukas Graham fand noch deutlichere Worte: „Geld gibt dir nicht das Recht, die Debatte zu kontrollieren.“ Auch die irische Band Beoga, die während Ed Sheerans Konzerten mehrere Songs gemeinsam mit ihm spielte, verlässt die Tour. Die Musiker verwiesen in ihrer Begründung auf die irische Geschichte und die eigenen Erfahrungen des Landes mit Kolonialismus. Damit haben sich sämtliche noch angekündigten Support-Acts und Begleitmusiker zurückgezogen.

Ed Sheeran weist die Verantwortung zurück

Ed Sheeran äußerte sich am Dienstag ausführlich zu der Situation. Die Entscheidung, Macklemore aus dem Line-up zu entfernen, sei allein vom Veranstalter und den betroffenen Spielstätten getroffen worden. Mehrere Hallen und Stadien hätten damit gedroht, die Konzerte vollständig abzusagen, sollte der Rapper weiterhin auftreten. Ed Sheeran erklärte, er habe persönlich mit den Beteiligten gesprochen und versucht, eine Lösung zu finden. Die Entscheidung sei jedoch endgültig gewesen. Gleichzeitig wolle er weder die Fans enttäuschen, die ihre Reisen bereits geplant hätten, noch die Tourcrew und weitere Beschäftigte im Stich lassen, die mit den Konzerten ihren Lebensunterhalt verdienen.

Der britische Sänger schrieb außerdem, er habe eigene Ansichten zu dem Konflikt, wolle seine Konzerte jedoch nicht zu einem politischen Forum machen. Macklemores Entschlossenheit, öffentlich für seine Überzeugungen einzustehen, respektiere er dennoch. Beide würden sich Frieden wünschen, auch wenn sie unterschiedliche Wege dorthin wählten.

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Nach bisherigem Stand soll die Tour am Samstag in Philadelphia fortgesetzt werden. Wer Ed Sheeran bei den kommenden Konzerten begleiten wird und wie der Ablauf angepasst werden soll, ist noch offen.

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Mit Martin Garrix führte Sheerans Weg auch in die Dance-Musik

Dass Ed Sheeran auch für die elektronische Musikszene kein Unbekannter ist, zeigte sich zuletzt im Mai. Nach mehr als zehn Jahren Wartezeit veröffentlichte er gemeinsam mit Martin Garrix den Track „Repeat It“. Die erste Version hatten die beiden bereits 2014 aufgenommen. Garrix spielte sie im März 2015 erstmals beim Ultra Music Festival in Miami. Vertragliche und labelbezogene Schwierigkeiten verhinderten anschließend jahrelang eine Veröffentlichung, ehe der Song überarbeitet und 2026 schließlich offiziell herausgebracht wurde.

Martin Garrix & Ed Sheeran - Repeat It (Official Video)

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Die aktuelle Kontroverse reicht allerdings weit über Pop, Rap oder elektronische Musik hinaus. Wie aktuell die Debatte über politische Äußerungen auf großen Bühnen auch in Deutschland ist, zeigte zuletzt das Glücksgefühle Festival.

Der Fall erinnert an Alphavilles Ausladung beim Glücksgefühle Festival

Wie schnell der Wunsch nach einer vermeintlich „unpolitischen Bühne“ zum Problem werden kann, zeigte sich erst Anfang September auch in Deutschland. Das Glücksgefühle Festival hatte Alphaville kurz vor dem geplanten Auftritt ausgeladen. Zuvor war der Band mitgeteilt worden, politische Themen und Äußerungen jeglicher Art seien auf den Bühnen des Festivals nicht erwünscht. Frontmann Marian Gold bezeichnete die Vorgabe öffentlich als „Maulkorberlass“.

Die Reaktionen fielen heftig aus. Unter dem Statement des Festivals sammelten sich mehr als 1.000 überwiegend kritische Kommentare. Gleichzeitig blieb zunächst unbeantwortet, ob dieselben Vorgaben auch für andere politisch positionierte Acts im Line-up gelten sollten – darunter Ski Aggu, Nura, Culcha Candela und Andreas Gabalier. Festivalchef Markus Krampe entschuldigte sich schließlich, räumte einen Fehler ein und lud Alphaville wieder ein. Die Band lehnte eine Rückkehr jedoch ab. Über den vollständigen Verlauf des Falls berichteten wir hier.

Die beiden Fälle sind nicht vollständig miteinander vergleichbar. Bei Macklemore begründen einzelne Spielstätten ihre Haltung zusätzlich mit Antisemitismusvorwürfen und früheren Kontroversen. Beim Glücksgefühle Festival stand dagegen ein pauschales Verbot politischer Äußerungen im Mittelpunkt.

Am Ende führen beide Geschichten dennoch zur gleichen Frage: Wie frei können Künstler auf großen Bühnen tatsächlich sprechen, wenn Veranstalter, Spielstätten und wirtschaftliche Interessen darüber entscheiden, welche Haltung noch akzeptiert wird?

Fotocredit: Patrick Cristiano, Ed Sheeran in Philadelphia 01, CC BY-SA 4.0

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de