Das Amsterdam Dance Event hat Komplott und Overgave sämtliche offizielle ADE-Zugehörigkeit entzogen. Auslöser war der Umgang der Veranstalter mit der umstrittenen Buchung von Shlømo, gegen den schwere Vorwürfe erhoben werden. Wenig später wurde die für den 21. Oktober geplante Party im Amsterdamer Club Panama vollständig abgesagt.
Hinweis: Dieser Artikel behandelt Vorwürfe sexualisierter Gewalt.
Mehrere Acts ziehen sich von der Party zurück
Eigentlich sollte „Komplott x Overgave“ am 21. Oktober im Club Panama stattfinden und Teil des offiziellen Programms zum Amsterdam Dance Event sein. Auf dem Line-up stand auch der französische Techno-DJ Shlømo. Das Booking löste innerhalb der niederländischen Szene deutliche Kritik aus. Mehrere Artists, darunter Xamuel und Within, zogen sich daraufhin von der Veranstaltung zurück.
Komplott und Overgave verteidigten ihre Entscheidung zunächst öffentlich. Nach eigener Darstellung hätten sie die zu diesem Zeitpunkt bekannten Informationen sorgfältig geprüft. An Shlømos Auftritt hielten die Veranstalter zunächst fest. Genau diese Haltung führte schließlich zur Reaktion des Amsterdam Dance Event.
ADE entzieht Veranstaltern die offizielle Zugehörigkeit
In einem öffentlichen Statement erklärte das ADE, die Position der Veranstalter widerspreche direkt den eigenen Werten. Zudem sei sie nicht mit der Rolle und Mission vereinbar, die elektronische Musikszene, das Nachtleben und ihre Communitys zu unterstützen. Daraufhin entzog das ADE Komplott und Overgave sämtliche offizielle Zugehörigkeit. Die Veranstaltung wurde aus dem Festivalprogramm entfernt.
Das ADE stellte gleichzeitig klar, dass es sich um ein dezentral organisiertes Festival handelt. Die einzelnen Veranstalter sind grundsätzlich selbst für ihre Programme verantwortlich. Komplott und Overgave hätten die Party deshalb weiterhin unabhängig durchführen können – allerdings ohne Namen, Status und Unterstützung des ADE. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Noch am selben Wochenende zog sich Overgave aus der Zusammenarbeit zurück. Wenig später teilte Komplott mit, dass die gesamte Veranstaltung abgesagt werde.
Die Diskussion um die Party habe sich deutlich weiterentwickelt, als es zu Beginn des Projekts absehbar gewesen sei. Das ursprüngliche Ziel sei gewesen, Menschen durch Musik zusammenzubringen und nicht zu Spaltung oder Feindseligkeit beizutragen. Damit verschwand die Veranstaltung nicht nur aus dem offiziellen ADE-Programm. Sie findet auch unabhängig davon nicht statt.
Gegen Shlømo wurde Strafanzeige gestellt
Hintergrund der Kontroverse sind schwere Vorwürfe gegen Shlømo. Im Februar wurden ihm und mehreren weiteren Künstlern aus der Hard-Techno-Szene öffentlich sexuelle Übergriffe vorgeworfen.
Im Juni wurde am Pariser Gericht eine Strafanzeige gegen Shlømo eingereicht. Sie bezieht sich nach Angaben der Initiative METOODJS auf mutmaßliche Vergewaltigung, psychische Gewalt und Todesdrohungen. Eine Strafanzeige ist keine Anklage und erst recht keine Verurteilung. Nach Angaben der Anwältin der betroffenen Frau gegenüber der niederländischen Zeitung „Het Parool“ läuft inzwischen ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren. Öffentlich bekannte Ergebnisse liegen bislang nicht vor.
Shlømo weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Bereits im Februar bezeichnete er die Anschuldigungen als Teil einer Kampagne aus Verleumdung und Falschinformationen. Nach der Bekanntgabe seines geplanten ADE-Auftritts erklärte er erneut, sein Schweigen dürfe nicht als Schuldeingeständnis verstanden werden.
Für Shlømo gilt die Unschuldsvermutung.
ADE setzt eine klare Grenze für seine Partner
Mit seiner Entscheidung fällt das Amsterdam Dance Event kein juristisches Urteil über Shlømo. Die Organisation macht jedoch deutlich, welche Haltung sie von Veranstaltern erwartet, die unter dem Namen des ADE auftreten. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Konsequenz: Erst zogen sich Artists zurück, dann entzog das ADE den offiziellen Status und schließlich wurde die gesamte Party abgesagt.
Der für den 21. Oktober geplante Auftritt von Shlømo in Amsterdam findet damit nicht statt.
Fotocredit: Niels de Vries

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




