Nur zwei Tage vor dem geplanten Auftritt hat das Glücksgefühle Festival den Auftritt von Alphaville abgesagt. Die Band spricht von einem „Maulkorberlass“ und einer Einschränkung der Kunstfreiheit. Der Veranstalter weist die Vorwürfe zurück – lässt aber offen, ob und wie seine Vorgabe zu politischen Bühnenäußerungen bei anderen Acts des Line-ups angewendet wird.
Alphaville reagieren empört auf kurzfristige Absage
Eigentlich sollten Alphaville am Freitag, 4. September, beim Glücksgefühle Festival auf dem Hockenheimring auftreten. Nun wurde die Synthie-Pop-Band um Frontmann Marian Gold kurzfristig aus dem Programm genommen.
In einem öffentlichen Statement erklären Alphaville, der Veranstalter habe das Konzert mit einer Begründung abgesagt, die sie „einigermaßen fassungslos“ gemacht habe. Die Band zitiert aus dem Schreiben: Auf den Bühnen des Festivals würden „keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art“ geduldet. Deshalb wolle man von einem Auftritt von Alphaville Abstand nehmen.
Welche konkreten Äußerungen oder geplanten Inhalte zu dieser Entscheidung führten, ging aus dem Statement der Band zunächst nicht hervor.
Marian Gold reagiert deutlich auf die Absage. Die Begründung gleiche aus Sicht der Band einem „Maulkorberlass“, wie man ihn aus Diktaturen kenne. Eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit bei einem der größten deutschen Festivals sei „absolut untragbar und erschütternd“.
Alphaville betonen außerdem, weiterhin für Meinungsfreiheit, Toleranz und Demokratie eintreten zu wollen. Die Entscheidung des Veranstalters bezeichnet die Band als einen „feindseligen und vollkommen unnötigen Akt“, der tief in das Demokratie- und Weltverständnis der Verantwortlichen blicken lasse.
Glücksgefühle Festival weist Vorwürfe zurück
Gegenüber DJ Mag Germany hat das Glücksgefühle Festival die Vorwürfe von Alphaville zurückgewiesen. Das Verhalten der Band und ihres Frontmanns Marian Gold sei „inakzeptabel“. Man lasse sich nicht in eine politische Ecke drängen und werde sich dagegen „mit allen Mitteln wehren“.
Das Festival betont, seine Bühnen seien keine Plattform für politische Äußerungen. Diese Vorgabe gelte unabhängig davon, ob sich ein Künstler politisch rechts, links oder in eine andere Richtung positioniere. Das Festival sei „komplett unpolitisch“, die Bühne solle ausschließlich der Musik gehören.
Nach Darstellung des Veranstalters waren Alphaville in diesem Jahr bereits bei zwei weiteren Veranstaltungen zu Gast. Beim ersten Auftritt sei es zu „zahlreichen politischen Äußerungen“ von der Bühne gekommen. Vor dem zweiten Konzert habe man der Band deutlich mitgeteilt, dass solche Äußerungen nicht erwünscht seien. Alphaville hätten sich bei diesem Auftritt an die Vorgabe gehalten.
Vor dem Glücksgefühle Festival habe der Veranstalter erneut an diese Regelung erinnert. Dabei gehe es nicht um die persönliche politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville, sondern ausschließlich um den Rahmen, den der Veranstalter für seine Bühnen festlege. Auf diesen Rahmen habe man sich mit der Band letztlich nicht einigen können, weshalb der Auftritt abgesagt worden sei.
Entscheidende Fragen bleiben offen
Das Festival macht in seiner Stellungnahme deutlich, dass nicht die persönliche politische Haltung eines Künstlers entscheidend sei, sondern ausschließlich dessen Äußerungen auf der Bühne. Nicht konkret beantwortet wird jedoch, ob diese Vorgabe allen auftretenden Künstlern gleichermaßen mitgeteilt wurde und wie sie bei Acts angewendet werden soll, deren Musik oder öffentliche Auftritte selbst politische Inhalte umfassen.
Diese Frage ist mit Blick auf das Line-up durchaus relevant. Ski Aggu hatte sich mehrfach öffentlich gegen die AfD positioniert. Im Februar sagte er zudem ein nahezu ausverkauftes Konzert in New York mit Verweis auf die politische Lage in den USA ab und erklärte: „Ich kann nicht einfach leise bleiben.“ Nura thematisiert in ihrer Musik Rassismus, Sexismus und die AfD. Culcha-Candela-Mitglied Mateo Jasik trat zur Bundestagswahl 2025 für die Partei des Fortschritts an. Auch Andreas Gabalier äußert sich seit Jahren öffentlich zu gesellschaftspolitischen Fragen. Alle vier Acts sollen beim Glücksgefühle Festival weiterhin auftreten.
Ebenfalls offen bleibt, weshalb Alphaville die Vorgabe nach Angaben des Veranstalters bei ihrem zweiten vorherigen Auftritt eingehalten hatten, vor dem Glücksgefühle Festival jedoch keine erneute Einigung möglich gewesen sein soll.
DJ Mag Germany hat den Veranstalter deshalb erneut gefragt, wie die Vorgabe bei anderen politisch aktiven Künstlern angewendet wird. Eine Antwort auf diese erneute Nachfrage steht derzeit noch aus.
Das Glücksgefühle Festival findet vom 3. bis 6. September 2026 am Hockenheimring statt. Zum Line-up gehören unter anderem Ayliva, Mark Forster, Marteria, David Guetta, Hardwell, Scooter, Boris Brejcha, BUNT., Felix Jaehn und Dimitri Vegas & Like Mike.
Fotocredit: Sven Mandel, Alphaville – 2026220 210231 2026-08-08 Die 80er live – Sven – 1D X MK II – 1521 – AK8I4453, CC BY-SA 4.0

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




