Millionen kennen seine Stimme, kaum jemand sein Gesicht: Jim Cummings prägt seit den Anfängen die Tomorrowland-Mainstage – und ist nun auf Aloks „Rave The World“ zu hören.
Jim Cummings erzählt die Geschichten des Tomorrowland
Wer Jim Cummings hört, dürfte je nach Generation an einen honigliebenden Bären, einen hüpfenden Tiger oder eine maskierte Ente denken. Tomorrowland-Fans verbinden ihn dagegen mit den größten Momenten der Mainstage. Seit mehr als zwei Jahrzehnten erzählt der US-Amerikaner die Geschichten des Festivals und kündigt die Stars an – ohne dabei selbst im Rampenlicht zu stehen.
Jede Tomorrowland-Ausgabe steht unter einem eigenen Thema. Bevor auf der Mainstage der erste Beat läuft, führt eine aufwendig produzierte Sequenz in die jeweilige Fantasiewelt ein. Die Stimme dahinter gehört Jim Cummings. In drei- bis fünfminütigen Intros erzählt er von geheimnisvollen Welten, neuen Abenteuern und den „People of Tomorrow“. Auch zahlreiche vorproduzierte Künstlerankündigungen stammen von ihm. Seine tiefe, theatralische Stimme ist damit längst ebenso Teil des Tomorrowland wie die spektakulären Mainstage-Kulissen.
Cummings steht dafür nicht selbst mit einem Mikrofon in Boom. Er nimmt seine Texte im Studio auf, während Millionen Besucher und Livestream-Zuschauer am Festivalwochenende seine Stimme hören. Dass die meisten davon bislang nicht wussten, wer hinter ihr steckt, gehört zu den ungewöhnlichsten Details der Tomorrowland-Geschichte.
Tomorrowland hat genau genommen zwei Stimmen
Wer nach der „Stimme des Tomorrowland“ sucht, stößt allerdings auch auf MC Stretch. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Aufgabe: MC Stretch moderiert die Mainstage live, begrüßt die DJs und treibt das Publikum zwischen den Sets an. Tomorrowland bezeichnet ihn deshalb als offizielle Stimme der Mainstage.
Cummings ist dagegen der Erzähler der vorproduzierten Geschichten und Intros. Vereinfacht gesagt: MC Stretch ist der Mann mit dem Mikrofon auf der Bühne, Jim Cummings die filmreife Stimme aus dem Hintergrund. Beide prägen den Sound des Festivals auf völlig unterschiedliche Weise.
Von Winnie Puuh bis Darkwing Duck
Außerhalb der elektronischen Musik gehört Cummings zu den bekanntesten Sprechern der Animationsgeschichte. Seit den 1980er-Jahren übernahm er mehr als 1500 Rollen. In der englischen Originalfassung spricht er unter anderem Winnie Puuh, Tigger, Darkwing Duck, Kater Karlo und den Tasmanischen Teufel. „Star Wars“-Fans kennen ihn außerdem als Hondo Ohnaka.
Auch in einigen der größten Animationsfilme ist Cummings zu hören. Für „Der König der Löwen“ übernahm er einen Teil von Scars Gesang in „Be Prepared“, nachdem Jeremy Irons während der Aufnahmen Probleme mit seiner Stimme bekommen hatte.
Gerade dieser Kontrast macht seine Tomorrowland-Rolle so bemerkenswert: Derselbe Mann, der Generationen als gutmütiger Winnie Puuh begleitet hat, verleiht den monumentalen Mainstage-Intros ihre dramatische Wucht.
Mit Alok wird aus dem Erzähler ein Feature-Gast
Nun ist Cummings gemeinsam mit einem der von ihm angekündigten Tomorrowland-Stars auf einem Track zu hören. Am 17. Juli veröffentlichte Alok seine neue EP „Rave The World“. Der gleichnamige Titeltrack ist mit Jim Cummings entstanden und verbindet Aloks Festival-Sound mit einer filmreifen Ansprache des Tomorrowland-Erzählers.
Für Cummings schließt sich damit ein Kreis. Als Alok 2015 erstmals beim Tomorrowland spielte, war der Sprecher bereits seit Jahren Teil des Festivals. Seitdem kündigte er den Brasilianer immer wieder an. Nun stehen ihre Namen erstmals gemeinsam auf einer Veröffentlichung. Die EP markiert zugleich den Start von Aloks neuem Label Rave The World Records, das mit Tomorrowland Music zusammenarbeitet. Auch das dazugehörige Showkonzept brachte der Brasilianer 2026 auf die Mainstage.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten erzählt Jim Cummings damit nicht mehr nur die Geschichte des Tomorrowland – er ist nun selbst Teil seines Soundtracks. Und wer seine Stimme einmal mit Winnie Puuh verbunden hat, wird sie bei der nächsten Mainstage-Eröffnung garantiert nicht mehr überhören.
Fotocredit: Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America, Jim Cummings (52112903259), CC BY-SA 2.0

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




