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„Wenn du dich veränderst, mögen sie dich nicht mehr“: Tiësto über die Kritik an seinem Stilwechsel

„Wenn du dich veränderst, mögen sie dich nicht mehr“: Tiësto über die Kritik an seinem Stilwechsel

Tiësto wurde mit Trance zu einem der größten DJs der Welt und ließ den Sound später weitgehend hinter sich. In einem neuen Interview spricht er über „Sellout“-Vorwürfe, enttäuschte Puristen und erklärt, warum seine aktuelle Rückkehr kein Schritt zurück sein soll.

„Es ist sehr schwer, die Puristen zufriedenzustellen“

Mehr als ein Jahrzehnt lang schien das Verhältnis zwischen Tiësto und Teilen seiner früheren Trance-Fans ziemlich festgefahren. Während der Niederländer mit House, Dance-Pop und großen Festivalproduktionen ein noch breiteres Publikum erreichte, warfen ihm manche langjährigen Anhänger vor, seine musikalischen Wurzeln für den kommerziellen Erfolg aufgegeben zu haben. Im aktuellen RA-Exchange-Interview spricht Tiësto ungewöhnlich offen über diese Kritik. Ein kurzer Ausschnitt des Gesprächs wird derzeit vielfach geteilt. Mit „Puristen“ meint Tiësto dabei jene Fans, die ausschließlich seinen früheren Trance-Sound akzeptieren und seine späteren Stilwechsel ablehnen.

„Es ist sehr schwer, die Puristen zufriedenzustellen“, sagt der 57-Jährige darin. Viele hätten ein festes Bild davon, wie ein bestimmter Artist klingen müsse. Sobald dieser seinen Stil verändere, werde ihm schnell die Unterstützung entzogen. „Sie sind nicht besonders loyal“, fügt Tiësto hinzu. Besonders deutlich habe er das innerhalb der Trance-Community gespürt. Als er sich Ende der 2000er-Jahre musikalisch neu orientierte, sei er von einigen Fans als „Sellout“ bezeichnet worden. Den Vorwurf weist er bis heute zurück.

Tiësto betont, dass er auf seine Entwicklung und die vergangenen 15 Jahre stolz sei. Diese Zeit habe ihm eine außergewöhnliche Reise als DJ ermöglicht – auch wenn besonders hartnäckige Puristen das vermutlich nie akzeptieren würden.

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Die Rückkehr soll kein Blick zurück werden

Dass Tiësto inzwischen wieder deutlich mehr Trance spielt, wirkt vor diesem Hintergrund beinahe wie eine späte Aussöhnung. Eine vollständige Rückkehr zu seinem früheren Sound plant er allerdings nicht. Bereits 2018 hatte Tiësto in einem Interview erklärt, dass er nicht zum Trance zurückkehren werde. Auch heute hält er die damalige Aussage nicht grundsätzlich für falsch. Ihm gehe es nicht darum, seine Musik aus den frühen 2000er-Jahren einfach wiederzubeleben. Stattdessen wolle er die damaligen Einflüsse mit einem modernen Sound verbinden.

Inspiriert habe ihn dabei auch eine neue Generation niederländischer Artists. Im Interview nennt er unter anderem KI/KI und Benwal, die Trance schneller, frischer und anders interpretieren als noch vor 20 Jahren. Diese Richtung zeigte sich bereits bei seinen aktuellen Auftritten. Bei seinem Set im Londoner Silverworks spielte Tiësto Klassiker wie seinen Remix von Paul Oakenfolds „Southern Sun“ und Karen Overtons „Your Loving Arms“, kombinierte diese aber mit neueren Produktionen. Ende Juli folgte ein dreistündiges Set am Atomium in Brüssel, das verschiedene Phasen seiner Karriere zusammenführte.

Tiësto - Live from Atomium Brussels

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Auch bei seiner derzeitigen Residency im [UNVRS] auf Ibiza nimmt Trance wieder deutlich mehr Platz ein. Dabei geht es offenbar nicht um eine reine Nostalgie-Show. Tiësto greift zwar auf Songs zurück, mit denen er seine Karriere aufgebaut hat, möchte daraus aber etwas Neues entwickeln.

Seine heutigen Sets sollen deshalb von Trance inspiriert sein, ohne ausschließlich daraus zu bestehen. Ein neues Album in dieser musikalischen Richtung ist ebenfalls angekündigt. Nach all den Jahren scheint Tiësto damit nicht zu seinem alten Sound zurückzukehren – sondern erstmals wieder daran anzuknüpfen.

Fotocredit: Christopher DeVargas

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de