Weiße Laborkittel, historische Bücherregale und Fatboy Slim hinter den Decks: Zum 30. Geburtstag von „Better Living Through Chemistry“ hat der Brite in der Londoner Royal Society of Chemistry aufgelegt. Selbst für Norman Cook war das ein besonderer Abend.
Ein Dancefloor zwischen Chemiebüchern
Wer sein Debütalbum „Better Living Through Chemistry“ nennt, hat für dessen Geburtstag eigentlich schon die passende Location vorgegeben. Fatboy Slim hat die Idee nun umgesetzt: Am 23. September legte er in der Bibliothek der Royal Society of Chemistry in London auf.
Im historischen Burlington House trafen damit Chemiebücher auf elektronische Musik. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft hatte den Auftritt im Vorfeld für rund 100 Gäste angekündigt. Fans konnten über Instagram kostenlose Tickets gewinnen und ihrem sonst auf großen Festivalbühnen auftretenden Idol in einem deutlich kleineren Rahmen begegnen.
Den Abend eröffnete Joshua James, Resident der Londoner Partyreihe Feel It. Anschließend übernahm Fatboy Slim selbst die Decks. In der Bibliothek waren eine kleine Bühne und eine Tanzfläche aufgebaut worden, die Gäste erschienen passend zum Anlass in weißen Laborkitteln.
Auch für Fatboy Slim war die Kulisse offenbar alles andere als Routine. Er beschrieb die Bibliothek anschließend als einen der verrücktesten Orte, an denen er je gespielt habe. Besonders gefreut habe ihn, sein Debütalbum nach Jahren wieder bewusst und gemeinsam mit anderen zu hören. Der Abend habe sich dabei eher wie ein verschwitztes Familientreffen als wie ein normaler Gig angefühlt.
Eine musikalische Vorgeschichte hat das Burlington House durchaus. Wie die Royal Society of Chemistry anlässlich des Auftritts erzählte, lebte Georg Friedrich Händel im 18. Jahrhundert drei Jahre lang dort. Mit Fatboy Slim kam nun ein ziemlich anderer Sound ins Haus.
30 Jahre „Better Living Through Chemistry“
Der Anlass für die ungewöhnliche Party liegt genau drei Jahrzehnte zurück. 1996 veröffentlichte Norman Cook auf Skint Records sein erstes Album als Fatboy Slim. „Better Living Through Chemistry“ enthielt unter anderem „Everybody Needs A 303“ und „Going Out Of My Head“ und war eng mit der Clubszene in Brighton sowie seinen Big Beat Boutique-Partys verbunden.
Zum Jubiläum erscheint das Album in einer erweiterten Neuauflage. Die digitale Ausgabe ist seit dem 25. September erhältlich, besondere Vinyl- und CD-Editionen folgen am 2. Oktober. Zu den Extras zählen je nach Format B-Seiten, Raritäten und neue Remixe. Musikjournalist Alexis Petridis hat außerdem neue Begleittexte beigesteuert.
Für Fans gibt es damit einiges wiederzuentdecken. Die Gäste in London konnten das schon gemeinsam mit dem Mann tun, der die Platte damals gemacht hat – im Laborkittel zwischen Chemiebüchern. Näher lässt sich ein Albumtitel wohl kaum an eine Geburtstagsparty herantragen.
Fotocredit: Rukes

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




