Zum Hauptinhalt springen

Wasserman Music unter Druck: Elektronische Szene reagiert geschlossen auf Epstein-Veröffentlichungen

Wasserman Music unter Druck: Elektronische Szene reagiert geschlossen auf Epstein-Veröffentlichungen

Eine der einflussreichsten Talentagenturen im internationalen Musikgeschäft gerät ins Wanken. Nach der Veröffentlichung von E-Mails zwischen CEO Casey Wasserman und Ghislaine Maxwell distanzieren sich zahlreiche Künstler – darunter prägende Namen der elektronischen Szene – öffentlich von der Agentur.

Veröffentlichte Dokumente sorgen für branchenweite Reaktionen

Im Zuge neuer Veröffentlichungen aus dem Umfeld der sogenannten Epstein-Files wurden E-Mails aus dem Jahr 2003 publik, die einen Austausch zwischen Casey Wasserman und Ghislaine Maxwell, einer verurteilten Vertrauten von Jeffrey Epstein, zeigen.

Laut Berichten von US-Medien wie AP und Reuters enthalten einzelne Nachrichten sexualisierte Formulierungen. Wasserman erklärte in einem öffentlichen Statement, die Korrespondenz habe lange vor Maxwells später bekannt gewordenen Verbrechen stattgefunden. Eine persönliche oder geschäftliche Beziehung zu Epstein habe es nicht gegeben. Er bedauerte die damalige Kommunikation und verwies zudem auf eine humanitäre Delegationsreise im Jahr 2002.

Strafrechtliche Vorwürfe gegen Wasserman liegen nicht vor. Dennoch lösten die Veröffentlichungen unmittelbare Reaktionen in der Musikbranche aus.

Von John Summit bis REZZ: Die elektronische Szene positioniert sich

Aus einzelnen Statements entwickelte sich innerhalb weniger Tage eine breite Bewegung. Mehrere elektronische Künstler meldeten sich öffentlich zu Wort – teils mit klaren Rücktrittsforderungen, teils mit der Ankündigung, die Zusammenarbeit zu beenden.

Zu den prominentesten Stimmen zählt John Summit, der ankündigte, die Agentur zu verlassen, sollte Wasserman nicht zurücktreten. Das Grammy-nominierte Duo ODESZA erklärte öffentlich seinen Abschied von der Agentur. Auch Lane 8 kündigte an, nicht länger von Wasserman Music vertreten werden zu wollen. Das britische Trance-Trio Above & Beyond stellte klar, dass eine weitere Zusammenarbeit mit einer Agentur unter Wassermans Führung für sie nicht infrage komme. Der in Manchester lebende österreichische DJ salute kündigte ebenfalls an, die Agentur verlassen zu wollen.

X/Twitter Post blockiert

Um diesen Inhalt zu sehen, erteile bitte deine Zustimmung für Marketing-Cookies.

Besonders deutlich fiel die Reaktion aus der nordamerikanischen Festival- und Bass-Szene aus. REZZ und Seven Lions positionierten sich gegen eine weitere Zusammenarbeit. Seven Lions betonte dabei, dass die Verantwortung nicht bei einzelnen Mitarbeitern, sondern auf oberster Führungsebene liege. Subtronics forderte darüber hinaus offen personelle Konsequenzen und stellte klar, dass er sich nicht länger mit einem Unternehmen identifizieren wolle, dessen Führung derart in der Kritik steht.

Damit zieht sich eine klare Linie von Melodic House über Trance bis hin zu Bass Music. Es geht nicht um einzelne Abgänge, sondern um eine spürbare Verschiebung innerhalb eines wichtigen Künstlernetzwerks.

Interner Druck und strukturelle Fragen

Wasserman Music ist eine der größten Entertainment-Agenturen der USA und vertritt internationale Stars aus den Bereichen Musik, Sport und Film. Entsprechend hoch ist die Signalwirkung der aktuellen Entwicklungen.

Folge uns

Um keine News mehr zu verpassen

Neben den öffentlichen Statements berichten US-Medien über interne Gespräche innerhalb der Agentur. Demnach soll die Möglichkeit diskutiert werden, Wasserman aus dem Unternehmen herauszukaufen und die Agentur umzubenennen. Dies wurde bislang jedoch nicht offiziell bestätigt.

Auffällig ist jedoch, dass die Künstlerliste inzwischen von der offiziellen Website entfernt wurde. Anstelle des bisherigen Rosters ist aktuell lediglich ein Kontaktformular sichtbar – ein deutliches Zeichen für Krisenmanagement.

Mehr als ein Reputationsproblem

Der Fall zeigt, wie sensibel die Themen Führung, Verantwortung und öffentliche Wahrnehmung im globalen Musikgeschäft geworden sind. Für viele Künstler geht es dabei nicht um eine juristische Bewertung, sondern um Vertrauen, Integrität und strukturelle Konsequenzen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es bei symbolischen Abgängen bleibt oder ob sich die Machtverhältnisse hinter einer der einflussreichsten Agenturen der Branche nachhaltig verschieben.

Fotocredit: The White House, President Donald Trump Signs an Executive Order Creating a Task Force for the 2028 Los Angeles Olympics (54702622778), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

DJ Mag Germany Logo