Pete Tong reagiert erstmals ausführlich auf John Summits Vorwürfe. Eine E-Mail vom Mai soll zeigen, dass eine Version mit Franky Rizardo und ein gemeinsames Release mit John Summit parallel geplant waren. Der eigentliche Streit dreht sich damit vor allem um Absprachen, Prioritäten und eine offenbar gründlich misslungene Kommunikation.
Pete Tong widerspricht John Summits Darstellung
Der Streit um den „Missing“-Remix geht in die nächste Runde. Nachdem John Summit Pete Tong öffentlich vorgeworfen hatte, ihn bei einer geplanten gemeinsamen Veröffentlichung übergangen zu haben, erzählt der britische DJ nun seine Seite der Geschichte.
In einem Gespräch mit Alex Tripi, dem CEO der Pete Tong DJ Academy, erklärt Tong, es sei nie nur eine einzige neue Version des Everything-But-The-Girl-Klassikers geplant gewesen. Vielmehr habe er parallel mit John Summit und Franky Rizardo über unterschiedliche Interpretationen gesprochen. Bei einem Song wie „Missing“ seien mehrere Fassungen nichts Ungewöhnliches. Im Raum standen eine orchestrale Pete-Tong-Version, eine gemeinsame Version mit John Summit sowie Franky Rizardos bereits in dessen Sets gespielter Remix.
Was John Summit Pete Tong tatsächlich vorwirft
John Summit hatte Pete Tong in seinem öffentlichen Post vorgeworfen, ihm zunächst ein gemeinsames Release seines „Missing“-Remixes versprochen und anschließend eine andere Version mit Franky Rizardo vorangetrieben zu haben. Dabei benutzte er die Formulierung, Tong habe seinen Remix „gejacked“.
Konkrete Audioelemente, die aus seiner Produktion übernommen worden sein sollen, nannte Summit allerdings nicht. Auch seine veröffentlichten Chat-Screenshots belegen in erster Linie, dass er und Tong über eine Zusammenarbeit und eine orchestrale Weiterentwicklung seiner Version gesprochen hatten. Der Kern seines Vorwurfs war damit weniger ein nachgewiesenes Kopieren einzelner Sounds als das Gefühl, nach einer vermeintlichen Zusage durch eine andere Veröffentlichung ersetzt oder zumindest übergangen worden zu sein.
Tong stellt dennoch klar, dass Franky Rizardos Remix unabhängig entstanden sei. Laut einer Stellungnahme seines Teams wurden dafür sämtliche musikalischen Elemente einschließlich des Gesangs neu aufgenommen. Summits Produktion sei nicht verwendet worden.
Eine E-Mail vom 13. Mai soll Tongs Darstellung stützen
Als zentralen Beleg zeigt Pete Tong eine E-Mail, die sein Team nach eigenen Angaben am 13. Mai an John Summits Management schickte. Darin werden beide Versionen ausdrücklich erwähnt. Franky Rizardos Remix sollte demnach innerhalb der folgenden sechs Wochen erscheinen und nur wenige orchestrale Elemente enthalten. John Summits Version war für einen späteren Zeitpunkt im Sommer vorgesehen. Über den konkreten Zeitplan sei man weiterhin gesprächsbereit gewesen.
Laut Tong antwortete John Summits Manager am 23. Mai, dass er den Vorschlag noch nicht mit seinem Künstler habe besprechen können. Weitere Nachfragen seines Teams, darunter eine vom 17. Juni, seien anschließend unbeantwortet geblieben. Daraufhin habe Tong die Arbeiten an der Version mit Franky Rizardo fortgesetzt.
Das Dokument stützt Tongs Darstellung, dass John Summits Management über beide geplanten Veröffentlichungen informiert wurde. Es zeigt allerdings auch, dass John Summit selbst den Vorschlag zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht kannte. Ob es zuvor eine eindeutige Zusage für ein gemeinsames Release gab, bleibt zwischen beiden umstritten.
„Wenn du ein Problem hast, greif zum Telefon“
Pete Tong zeigt sich enttäuscht darüber, dass John Summit den Konflikt direkt öffentlich gemacht hat. Er lasse sich nicht gerne Dinge vorwerfen, die aus seiner Sicht nicht den Tatsachen entsprächen. „Wenn du ein Problem hast, greif zum Telefon“, sagt Tong. Er habe mehrfach versucht, John Summit anzurufen und ihm zu schreiben. John Summit habe sich jedoch entschieden, nicht zu antworten. Deshalb wolle er nun öffentlich erklären, wie es aus seiner Sicht zu der Situation gekommen sei.
An Franky Rizardos Entscheidung ändert Tongs Reaktion zunächst nichts. Der Niederländer hatte die Veröffentlichung gestoppt, nachdem er mehr über die Vorgeschichte erfahren hatte. Sein Remix soll vorerst ausschließlich in seinen Sets zu hören sein.
John Summit hat auf Tongs Darstellung bislang nicht öffentlich reagiert. Nach der vorgelegten E-Mail geht es in dem Streit nun weniger um mutmaßlich kopierte Produktionselemente als um die Frage, was John Summit tatsächlich zugesagt wurde – und warum offenbar niemand mehr direkt miteinander gesprochen hat.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




