Nachdem Tita Lau Ende Juni ihre Fehlgeburt öffentlich gemacht hatte, spricht nun auch James Hype über den gemeinsamen Verlust. In einem emotionalen Video erzählt er, warum er wochenlang schwieg, welche Rolle Musik in seiner Trauer spielt und was hinter der Fassade auf der Bühne wirklich in ihm vorgeht.
„Ich habe mich überhaupt nicht authentisch verhalten“
Vor wenigen Wochen wollten Tita Lau und James Hype eigentlich die schönste Nachricht ihres Lebens teilen. Nach zwei Jahren mit unerfülltem Kinderwunsch war Tita Lau überraschend schwanger geworden. Bei einer späteren Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass sich das Baby nicht weiterentwickelt hatte.
Während Tita Lau bereits kurz darauf offen über die Fehlgeburt und ihre körperliche wie emotionale Belastung sprach, fand James Hype zunächst keine Worte. Nun erklärt er in einem Video, warum.
Er versuche online immer, ehrlich und authentisch zu sein. In den vergangenen Wochen sei ihm jedoch bewusst geworden, dass ihm genau das nicht gelungen sei: „Ich habe so getan, als wäre alles in Ordnung, obwohl sich für mich überhaupt nichts in Ordnung angefühlt hat.“ Den Verlust beschreibt er als die schwerste Erfahrung, die beide bislang durchmachen mussten. Gleichzeitig falle es ihm grundsätzlich schwer, Emotionen zuzulassen und über sie zu sprechen. Umso bemerkenswerter ist, dass er sich nun trotzdem vor die Kamera gesetzt hat.
Der erste Song für ihr Baby
Besonders emotional wird James Hype, als er über die Rolle der Musik spricht. Sie habe ihm in den vergangenen Wochen einen Zugang zu Gefühlen eröffnet, die er sonst kaum ausdrücken könne. Einer der schönsten Gedanken während der Schwangerschaft sei für ihn und Tita Lau die Frage gewesen, welchen Song sie ihrem Baby als Erstes vorspielen würden. Beide leben für Musik – entsprechend viel bedeutete ihnen dieser vermeintlich kleine Moment.
Noch heute müsse er beim Hören bestimmter Songs von Michael Jackson weinen. Sofort denke er daran, dass einer davon eigentlich das erste Lied für ihr Kind werden sollte. Irgendwann, sagt James Hype, werde es diesen Moment trotzdem geben. Dann allerdings mit einem anderen Baby.
Auf der Bühne läuft die Show weiter
James Hype weiß, dass ihn seine Fans weiterhin auf der Bühne sehen werden: energiegeladen, selbstbewusst und ganz in seiner Rolle als Künstler. Doch dieses Bild erzählt momentan eben nur einen Teil der Wahrheit. „Ihr werdet mich auf der Bühne als James Hype sehen“, sagt er am Ende des Videos. „Aber das ist es, was in mir wirklich vorgeht.“
Mit seinem Statement möchte er nicht nur erklären, warum er sich zuletzt zurückgezogen hat. Er will auch eine Unterhaltung über ein Thema anstoßen, das unzählige Menschen betrifft und trotzdem häufig im Stillen verarbeitet wird. Dass Tita Lau bereits so offen darüber gesprochen hatte, mache ihn stolz. Er selbst habe zunächst schlicht nicht gewusst, wie.
Unseren ersten Artikel über die Fehlgeburt und Tita Laus vollständiges Statement findet ihr hier.
Eine persönliche Anmerkung zum Schluss
Ich kann nicht behaupten, zu wissen, wie sich der Verlust eines ungeborenen Kindes anfühlt. Seit ich vor etwas mehr als einem halben Jahr selbst zum ersten Mal Vater geworden bin, treffen mich die Worte von James Hype dennoch auf eine Weise, wie sie es früher vermutlich nicht getan hätten. Denn ein Kind wird nicht erst mit seiner Geburt Teil des eigenen Lebens. Schon vorher entstehen Hoffnungen, Bilder und unzählige kleine Gedanken an eine gemeinsame Zukunft. Man überlegt, wie es wohl sein wird, dieses Kind zum ersten Mal im Arm zu halten. Wem es ähnlich sehen könnte. Und eben auch, welcher Song als allererstes laufen soll.
Von außen mag das wie eine kleine Frage wirken. Für werdende Eltern steckt darin aber bereits ein Stück des Lebens, das sie sich mit ihrem Kind ausmalen. Dass James Hype und Tita Lau diese Zukunft plötzlich verloren haben, lässt sich kaum in Worte fassen. Vielleicht berührt mich sein Video deshalb so sehr. Weil hinter seiner Erinnerung an diesen einen Song nicht nur Musik steckt, sondern all das, was hätte kommen sollen.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




