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Nach dem Anschlag beim Berliner CSD: Unsere Solidarität gilt der LGBTQ+-Community

Nach dem Anschlag beim Berliner CSD: Unsere Solidarität gilt der LGBTQ+-Community

Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt. Nach dem Anschlag am Rande des Berliner CSD wollen wir nicht einfach zur nächsten Festival-News übergehen. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen – und unsere Solidarität gilt einer Community, ohne die es die heutige Clubkultur in dieser Form nicht gäbe.

Ein Tag der Freiheit endet in Trauer

Hunderttausende Menschen waren am Samstag nach Berlin gekommen, um beim Christopher Street Day für Vielfalt, gleiche Rechte und ein freies Leben einzustehen. Kurz vor 22 Uhr fuhr ein Mann im Tiergarten mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge. Anschließend soll er weitere Menschen mit einer Hieb- und Stichwaffe angegriffen haben.

Eine Frau wurde getötet, 29 Menschen wurden teils schwer verletzt. Mittlerweile schwebt laut Polizei niemand mehr in Lebensgefahr. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht von einem islamistischen Terroranschlag, die Bundesanwaltschaft soll die Ermittlungen übernehmen. Der gesuchte Tatverdächtige wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau erschossen. Nach Angaben der Polizei soll er mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen sein. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen starb er noch vor Ort. Die Hintergründe des Anschlags sind weiterhin nicht vollständig aufgeklärt.

Die Veranstalter des Berliner CSD haben davor gewarnt, die Tat politisch zu instrumentalisieren oder ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen. Das ist richtig. Die vollständige Aufklärung ist Aufgabe der Ermittlungsbehörden – nicht der sozialen Netzwerke und nicht eines Musikmagazins. Unsere Aufgabe ist eine andere: Wir können deutlich machen, auf wessen Seite wir stehen.

Queere Kultur ist keine Fußnote unserer Szene

DJ Mag Germany berichtet über elektronische Musik, Clubs und Festivals. Warum also dieser Text? Weil unsere Musik nicht in einem luftleeren Raum entstanden ist. Queere Menschen haben die Clubkultur entscheidend geprägt. Sie schufen Orte, an denen Menschen tanzen, lieben und sie selbst sein konnten, während sie außerhalb dieser Räume ausgegrenzt oder verfolgt wurden. Disco und House wuchsen auch aus diesem Wunsch nach Freiheit, Gemeinschaft und einem Platz, an dem niemand seine Identität verstecken musste.

Die elektronische Musikszene spricht bis heute gerne von Offenheit, Zusammenhalt und Safe Spaces. Diese Begriffe dürfen aber keine leeren Versprechen sein, die nur dann gelten, wenn die Bässe laufen und Regenbogenfarben gut aussehen. Wenn Menschen dort angegriffen werden, wo sie friedlich und sichtbar für ihre Rechte eintreten, betrifft das auch unsere Szene. Nicht, weil wir eine Tragödie zu einer Dance-News machen wollen. Sondern weil die Freiheit, auf die sich unsere Kultur so gerne beruft, ohne die LGBTQ+-Community nicht denkbar wäre.

Solidarität braucht kein abgeschlossenes Ermittlungsverfahren. Sie bedeutet nicht, Motive vorwegzunehmen oder Menschen pauschal zu verurteilen. Sie bedeutet, den Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Und sie bedeutet, Gewalt nicht darüber entscheiden zu lassen, wer sich im öffentlichen Raum zeigen, feiern und frei leben darf.

Dieses Versprechen gilt auch ohne Musik

Heute trauern wir um eine Frau, die beim Berliner CSD ihr Leben verloren hat. Wir denken an die Verletzten, an ihre Familien und Freunde und an alle Menschen, die diesen Angriff miterleben mussten. Ihnen wünschen wir Kraft, Unterstützung und eine vollständige Genesung.

Der LGBTQ+-Community möchten wir sagen: Ihr seid keine Zielgruppe, die man nur im Pride Month entdeckt, und keine bunte Dekoration für Festival-Kampagnen. Ihr habt unsere Kultur von Beginn an geprägt, seid Teil ihrer Gegenwart und gehört untrennbar zu ihrer Zukunft.

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Der Dancefloor war nie nur ein Ort zum Feiern. Er war immer auch ein Versprechen: Hier musst du dich nicht verstecken. Dieses Versprechen gilt erst recht, wenn die Musik verstummt.

Fotocredit: Leonhard Lenz, Christopher Street Day Berlin 2019 144, CC0 1.0

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de