Der Zug der Liebe wird am 29. August nicht wie geplant durch Berlin ziehen. Den Ausschlag gab nach Angaben der Veranstalter die veränderte Sicherheitslage nach dem tödlichen Anschlag am Rande des CSD. Doch auch fehlende LKW und offene Fragen mit den Behörden machten der Techno-Demo zu schaffen.
Zug der Liebe 2026 findet nicht wie geplant statt
Die elfte Ausgabe des Zugs der Liebe ist in ihrer bisherigen Form abgesagt. Das gab der gemeinnützige Verein hinter der politischen Techno-Demonstration am Mittwochabend bekannt. „Es ist jetzt nicht die richtige Zeit, um auf der Straße zu feiern“, erklärte Mitgründer und Pressesprecher Jens Schwan gegenüber der rbb24 Abendschau. Der für den 29. August geplante Umzug sollte erneut elektronische Musik mit politischen Forderungen nach Toleranz, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit verbinden.
Der tödliche Anschlag am Rande des Berliner CSD war allerdings nicht das einzige Problem. In seinem offiziellen Statement nennt der Verein drei Gründe, die in ihrem Zusammenspiel eine reguläre Durchführung unmöglich gemacht hätten.
70 Prozent der bestellten LKW fehlen
Bereits die technische Grundlage der Demonstration war nicht mehr gesichert. Nach mehreren Ausfällen fehlten den Organisatoren eigenen Angaben zufolge rund 70 Prozent der bestellten LKW. Die Fahrzeuge werden benötigt, um die Soundsysteme und beteiligten Kollektive durch Berlin zu bringen. Auch mit der Versammlungsbehörde waren noch Fragen offen. Trotz monatelanger Vorbereitung habe es bislang keine abschließende Einigung über die geltende Lautstärkebegrenzung von 90 Dezibel gegeben.
Entscheidend sei letztlich jedoch die veränderte Sicherheitslage gewesen. Nach Einschätzung der Veranstalter hätte der Zug der Liebe nur mit umfangreichen zusätzlichen Maßnahmen stattfinden können. Genannt werden unter anderem Wegfahrsperren, durchgehende Personenkontrollen und eine deutlich verstärkte Polizeipräsenz. Solche Bedingungen seien mit der ursprünglichen Idee der Demonstration kaum vereinbar. Der Zug der Liebe habe stets für einen „unbeschwerten, angstfreien Raum des Protestes“ gestanden.
Anschlag überschattet Berliner Veranstaltungssommer
Am Abend des 25. Juli war ein Fahrer am Rande des Christopher Street Day mit einem Kastenwagen durch den Berliner Tiergarten gefahren und hatte zahlreiche Menschen erfasst. Eine Frau wurde getötet, viele weitere Personen erlitten teilweise schwere Verletzungen.
Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Tat als islamistischen Anschlag. Ob der CSD gezielt angegriffen wurde, ist noch nicht abschließend geklärt, die Ermittler gehen jedoch davon aus. Der mutmaßliche Täter wurde einen Tag später bei einem Polizeieinsatz erschossen.
Zug der Liebe unterstützt stattdessen RAW-Demo
Vollständig zurückziehen will sich der Verein am 29. August dennoch nicht. Unter dem Motto „Zug der Liebe goes RAW“ schließen sich die Organisatoren einer Kundgebung zum Erhalt des bedrohten RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain an. Die noch verfügbaren und selbst finanzierten Trucks sollen dort zum Einsatz kommen. Geplant ist nach Angaben des Vereins eher eine stationäre Kundgebung mit Musik als eine rollende Techno-Demonstration durch die Stadt.
Beteiligen wollen sich unter anderem Sachsentrance, Polyamor, Basstronauten/Ostfunk, Techobst, Kinder der Nacht, Der Weiße Hase und House of Venus. Anschließend ist eine gemeinsame Afterparty im Ritter Butzke geplant. Weitere Informationen zur Kundgebung und zum Line-up sollen in den kommenden Tagen folgen.
Rave the Planet soll weiterhin stattfinden
Die zweite große Berliner Techno-Demonstration im August hält dagegen an ihrem Termin fest. Rave the Planet soll am 15. August wie geplant auf der Straße des 17. Juni stattfinden. Die Organisatoren hätten sich nach dem CSD-Anschlag erneut mit den Behörden ausgetauscht und ihr Sicherheitskonzept an die neue Lage angepasst. Aus ihrer Sicht gebe es derzeit keinen Grund für eine Absage. Die Berliner Polizei erklärte gegenüber dem rbb, dass die Planungen noch liefen.
Der Zug der Liebe wurde erstmals 2015 veranstaltet. Zur zehnten Ausgabe kamen im vergangenen Jahr laut Polizei bis zu 10.800 Menschen. Die Veranstalter grenzen die Demonstration ausdrücklich von einer reinen Technoparade ab: Die Musik soll Menschen zusammenbringen, im Mittelpunkt stehen jedoch soziale und politische Anliegen.
Fotocredit: Michael Mayer from Berlin, Germany, Zug der Liebe Berlin, CC BY 2.0

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




