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BUNT. im Interview: „Ich renne dauernd diesem Gefühl hinterher, dass ich den Leuten immer noch irgendwas beweisen muss“

BUNT. im Interview: „Ich renne dauernd diesem Gefühl hinterher, dass ich den Leuten immer noch irgendwas beweisen muss“

Coachella, EDC Las Vegas, ausverkaufte Open-Air-Shows und jetzt sein neues Album. Levi Did It – but did he? Während BUNT. einen Meilenstein nach dem anderen feiert, begleiten ihn auch Selbstzweifel und die Frage, ob er all das überhaupt verdient hat. Wir haben den DJ und Produzenten zum Interview getroffen und mit ihm über seinen Aufstieg, die besondere Verbindung zu seinen Fans, die Geschichte hinter seinem Album und darüber gesprochen, warum Erfolg allein eben nicht alles ist.

Zwischen Coachella, 23.000 Fans und Imposter-Syndrom

Hi Levi! Du hast einen ziemlich ereignisreichen Sommer hinter dir und warst vor allem international viel unterwegs. Coachella, EDC Las Vegas, Pacha New York sind nur einige der großen Namen, die auf deinem Schedule standen. Wie ist dein Fazit von den letzten Monaten? Was nimmst du mit?

BUNT.: Immer wieder, wenn ich denke, der Peak ist erreicht, kommt irgendwas Neues. Und ich frage mich: Wann hört das mal auf? Aber momentan ist es schon unfassbar krass. Vor allem, weil auch so viel international passiert. Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich das Ganze verarbeiten soll. Aber es ist eher so ein unbeschreibliches Gefühl der Dankbarkeit, dass man das erleben darf – und auch mit all seinen Freunden erleben darf, die immer mit dabei sind. Und irgendwo ist da auch ein gewisser Stolz auf sich selbst.

War das nicht auch ein bisschen stressig in diesem Jahr? Kannst du das alles schon realisieren, was du erlebt hast?

BUNT.: Es ist halt durch dieses ganze Traveln immer schwer, Zeit zu finden, wirklich irgendwie auf das Ganze klarzukommen. Ich glaube, irgendwie würde es mir mal guttun, nach so wirklich wichtigen, großen Sachen mal einen Monat Pause zu haben. Beispielsweise wie nach dem Coachella. Das war so ein Riesenerfolg für uns persönlich. Dann ist aber zwei Wochen später ein Open Air. Und dann denkst du so: „Oh mein Gott, das war die krasseste Show.“ Und dann ist zwei Wochen später wieder das nächste Open Air.

Man verliert so ein bisschen das Gefühl, den Moment zu genießen. Und ich habe Angst, dass ich das irgendwann später erst alles realisiere – Angst, dass ich es vielleicht nicht richtig genossen habe, obwohl es eigentlich so war.

BUNT. at COACHELLA 2026

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Ein großer Teil deines Sommers waren auch deine „IN THE ROUND“-Open-Air-Shows. Am Fühlinger See in Köln haben 20.000 Menschen mit dir gefeiert, in Hamburg waren es sogar 23.000. Kann man hier von so richtigen „Full-Circle-Momenten“ für dich sprechen?

BUNT.: Ja, ich glaube, einmal ist es für mich komplett absurd, weil wir halt wirklich immer noch in diesem Team von ganz am Anfang sind, sodass es manchmal gar nicht so klar wird, wie dieses Projekt gewachsen ist. Wir bekommen das dann eher so durch Außen mit.

Dann sagt dir die Booking-Agentur: „Das sind Räume, die spielen eigentlich die Popstars.“ Und dann denke ich manchmal: Irgendwie habe ich das nicht so richtig verdient. Da habe ich irgendwie so ein Imposter-Syndrom und denke, dass es irgendwann den Leuten auffällt, dass ich ja eigentlich ja gar nichts kann, dass die Musik eigentlich voll kacke ist und dass die Show kacke ist. Irgendwie renne ich dauernd diesem Gefühl hinterher, dass ich den Leuten immer noch irgendwas beweisen muss. Aber ich glaube, das ist eine gute Sache. Dadurch versuche ich immer, das Bestmöglichste abzurufen und alles in jede Show reinzustecken, damit man dieses BUNT.-Gefühl nicht verliert. […]

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Aber warum denkst du die ganze Zeit, du hast es nicht verdient?

BUNT.: Weil ich es einfach nicht verstehe. Leute aus meinem Team sagen mir: „In der Geschichte von München hat das schon lange kein Act mehr gebracht. Hier gibt es keinen elektronischen Act, der so viele Tickets verkauft.“ Und dann denkst du: Irgendwas kann ja nicht stimmen.

Es ging jetzt alles so schnell und irgendwie ist jetzt auch der Peak erreicht – ich will gar nicht mehr vom Leben. Also mit den Open Airs hat sich das für mich so abgeschlossen. Mein einziges Ziel ist jetzt nur noch, Sachen zu machen, die neu sind und dass ich mich selber immer neu erfinde. Also beispielsweise eine Show mehr zu einem ganzen Tag mache – davor Tickets verteile oder eine Bar als Fantreffen miete.

Mittendrin statt nur dabei: Wenn aus Fannähe Verantwortung wird

Apropos „Full Circle“: Wenn man genauer hinschaut, begegnet einem der Kreis bei BUNT. immer wieder – vom Punkt hinter deinem Artistnamen über „IN THE ROUND“ bis hin zu den Moshpits bei deinen Shows. Inwiefern spiegelt sich darin genau das wider, was du mit und als BUNT. schaffen möchtest?

BUNT.: Was mir immer wichtig war und was mich immer gestört hat, bevor es bei mir jetzt funktioniert hat, war einfach das Prinzip, dass ich zu einem Konzert gehe und Geld für den Künstler ausgebe und dann steht er aber auf einer Bühne vor mir und ist gar nicht „bei mir“. Da gibt es eine riesige Distanz und wenn ich mit dem nachher ein Foto machen will, dann muss ich auch noch dafür zahlen. Und das hat mich nachdenklich gemacht, weil wenn meine Fans nicht da sind, ist das Konzert leer. Ich schulde den Leuten ja irgendwie auch was […], deswegen können wir doch einfach alle beieinander sein und das Ganze einfach zusammen zelebrieren.

Der einzige Grund, warum wir noch einen Inner-Circle haben, ist aus Sicherheitsgründen. Aber ich finde, es ist das Schönste, Leuten ins Gesicht schauen und mit denen interagieren zu können. Auch wenn man merkt, dass da eine Gruppe ist, die noch nicht ganz da ist, dass man da noch „mitarbeiten“ kann und das ist das Größte für mich, was auch einen Full-Circle-Moment ausmacht.

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Die Moshpits sind ein fester Bestandteil deiner Shows, haben aber auch ein bisschen Kritik ausgelöst, weil sich nicht alle damit wohlgefühlt haben. Daraufhin habt ihr moshpit-freie Bereiche eingerichtet und euer Awareness-Konzept angepasst. Was hast du aus den Rückmeldungen der Fans gelernt?

BUNT.: Es war erst mal ganz ungewohnt. Früher waren es ja 800er-Locations und dann 4000er-Räume oder 6000er-Räume und dann kam dieser Schwung von 6000 auf 23.000 und dann merkst du erstmal, wie viele verschiedene Menschen da sind, die alle einen unterschiedlichen Anspruch an das Konzert haben. Es gibt einfach Leute, die vielleicht auch mal ihr Handy rausholen und filmen oder auch einfach so still genießen wollen.

Als ich das TikTok gesehen hatte, in dem die Kritik geübt wurde, hat es mich schon irgendwie verletzt, dass da gerade jemand schlechte Erfahrungen bei einem Konzert von mir gemacht hat, weil das ist das Schlimmste, was man hören kann. Und da hab ich gemerkt: Okay, dann muss man vielleicht da doch irgendwie die Leute unterscheiden. […] Und dann haben wir die No-Moshpit-Zones eingerichtet.

Ich glaube, es hat sehr gut funktioniert, weil viele gesagt haben, dass es viel, viel besser war, da sie ihre Ruhe hatten. Ein paar haben jedoch auch gesagt, dass sie dann wieder rausgegangen seien aus der Zone, weil die Stimmung wirklich tot war.

Ich glaube, am Ende geht es gar nicht darum, jeden glücklich zu machen – das würde ich sehr, sehr gerne – aber das Bestmöglichste herauszuholen, dass alle sich auch angesprochen fühlen.

Wir haben auch schon mitbekommen, dass du während der Sets ja auch unterbrichst, wenn du merkst, dass irgendjemand hinfällt…

BUNT.: Ja, ich sage immer: „Best day of my life“ und jede Show soll so sein. Und wenn dann irgendwas schiefläuft, will ich davon Bescheid wissen.

Früher keinen Plan B, heute das nächste Album

Ein ziemlich großer Kreis schließt sich nun auch mit deinem neuen Album: Auf „Levi Don’t Do It“ folgt jetzt „Levi Did It“. Hinter beiden Albumtiteln steckt eine sehr persönliche Geschichte. Wenn du auf die Zeit dazwischen zurückblickst: Was hat sich für dich als Mensch und Künstler verändert – und was ist gleich geblieben?

BUNT.: Ich glaube, dass ich mich tatsächlich gar nicht verändert habe. Ich glaube, ich bin einfach nur verantwortungsbewusster geworden. Gerade durch solche Sachen wie mit den Moshpit-freien Zonen wächst man mit dem Ganzen mit und realisiert erst, dass man irgendwie auch eine gewisse Verantwortung hat. Das ist jetzt alles viel, viel professioneller und nicht mehr so wie vor drei Jahren. Es kommen heute 100 Leute, wir machen dann mal einen Tisch hin und feiern – das war mal, aber das ist jetzt nicht mehr so. 

Was auch sehr wichtig ist, ist, dass man immer mehr schaut, wer in seinem Kreis ist und dass man sich auch mit guten Leuten umgibt – und das ist bei uns im Team einfach unfassbar, weil jeder einfach mega nett ist, jeder das aus purer Leidenschaft macht. Wir sind einfach alles Freunde, jeder macht das mit einer riesigen Passion. Leute, die bei uns im Team arbeiten, kommen nach einer Show zu uns und weinen vor Freude und ich finde, das spiegelt sich auch so in dem Projekt wider, dass das Wichtigste am Ende des Tages ist, das Ganze zu fühlen und nicht irgendwie das als Arbeit zu sehen. […]

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Dazu gehört aber ja auch viel Durchhaltevermögen… Hattest du so ein Mindset schon immer oder musstest du dir das erst erarbeiten?

BUNT.: Ja, ich habe irgendwie so das Gefühl, dass ich für alle da sein möchte. […] Wir sind jetzt an einem Punkt, wo es 160 Shows im Jahr sind. Das ist schon fast jeden zweiten Tag – einfach sehr, sehr viel.

Aber dann merkt man, dass da auch Leute auf dich in Australien, in Mexiko, in Kanada, in den USA und auch woanders in Europa warten. Und da habe ich irgendwie so ein Schuldgefühl, dass ich denke, ich möchte irgendwie auch zu euch kommen und das Gleiche auch bei euch abliefern und ich glaube, deswegen habe ich die Mentalität, dass ich dranbleiben will. Vor allem auch wegen meines Leidenswegs davor, als es so viele Jahre nicht funktionierte. […] Ich will es jetzt auch nutzen, weil ich kenne ja die andere Seite und die war nicht so toll.

Was hast du dir damals in den schwierigsten Phasen selbst gesagt, um nicht aufzugeben?

BUNT.: Dass es keinen Plan B gibt und dass ich eine Message an die Leute bringen will. Die einzige Option war es, Musik zu machen und dadurch vielleicht eine Plattform zu bekommen, um positive Werte zu vermitteln.

Also hätte es auch keine Möglichkeit gegeben, wenn es jetzt nicht geklappt hätte?

BUNT.: Ich habe ja bei Porsche die Ausbildung gemacht und war dann Industriekaufmann und habe in der Buchhaltung gearbeitet. Irgendwann war ich aber schon so lange raus, dass ich gar nicht gewusst hätte, was ich hätte überhaupt machen können. Man baut sich in der Zeit eine neue Identität auf durch die Musik […] und dann hätte ich gar nicht mehr gewusst, wer ich bin, wenn das einfach weggefallen wäre.

Ziehen wir den Kreis nun wieder zurück zu deinem Album. Warum hat es sich gerade jetzt richtig angefühlt, das Album zu releasen?

BUNT.: Da kommt manchmal so ein Missverständnis zustande, weil „Levi Did It“ klingt so, als würde ich mich jetzt selber so anpreisen. Was ich eigentlich nur damit sagen will, ist, dass in der Zeit von „Levi Don’t Do It“, wo ganz viele gesagt haben oder mir geraten haben, aufzuhören, habe ich „Levi Did It“ gemacht und habe einfach nur durchgezogen. Und genau das will ich damit ausdrücken, dass ich das Durchhaltevermögen hatte und mir nichts einreden lassen habe. Die ganze Arbeit und die ganzen Songs wären alle nie entstanden, wenn ich das nicht gemacht hätte.

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Abgesehen von „TRIPPIN’“ – welcher Song hat für dich eine große Bedeutung und warum? Vielleicht sogar einer, mit dem man nicht so sehr rechnen würde?

BUNT.: Ich glaube, das Outro mit Bekka, weil Bekka eine unfassbar talentierte Künstlerin ist. Ich hatte sie damals auf Social Media entdeckt und habe sie gefragt, ob sie Lust hätte, für meine Shows zu Songs von mir, die es schon gibt, ein Poem zu machen. […] Dann hat sie mir die Sachen geschickt und es war so krass, so perfekt gesagt.

Und dann hat sie am Ende auch das Outro geschrieben, weil ich wollte, dass neben meiner Message, die ich sowieso nochmal sage, auch was von ihr kommt, was für sie das Leben bedeutet. Das wurde auch schon ganz oft von meinen Shows auf Social Media geteilt. Sie redet einfach über das Leben und dass man einfach dankbar sein kann und dass sich alles um Gefühle und um Freude dreht und dass man so was wertschätzen muss. Ich glaube, das bedeutet mir persönlich am meisten.

„Levi Did It“. But what’s next?

Das Album heißt zwar „Levi Did It“, aber du hast gesagt, dass an dieser Stelle genauso gut jeder andere Name stehen könnte. Mit den personalisierten Shirts hast du genau das zum Beispiel sichtbar gemacht. Was soll ein Mensch fühlen, wenn dort plötzlich nicht dein, sondern der eigene Name steht?

BUNT.: Man soll einfach stolz auf sich selbst sein. Ich merke auch gerade durch das viele Herumreisen, dass das in Deutschland irgendwie so extrem ist, dass wir ganz schwer sagen können: Wir sind stolz auf uns selbst. Wir fühlen uns ganz schnell – und ich eingeschlossen, ich bin auch so – abgehoben. Aber darum geht es gar nicht. Mir schreiben ganz viele, dass sie zum Beispiel Angst hatten, in eine neue Stadt zu ziehen, es aber doch gemacht haben, dann Angst hatten, keine Freunde zu finden und jetzt haben sie welche gefunden. Und ja, da kannst du richtig stolz auf dich sein. […] Man sollte einfach auch die kleinen Dinge im Leben zelebrieren. Wir gehen so oft im Monat oder im Jahr Schritte, vor denen wir Angst haben und ich glaube, da sollten wir uns mehr auf die Schulter klopfen und sagen: Geil, dass ich es gemacht habe! 

Wenn „Levi Don’t Do It“ für all die Zweifel stand und „Levi Did It“ nun festhält, was daraus entstanden ist – wie könnte das nächste Kapitel heißen?

BUNT.: Ich glaube, dass ich irgendwo wunschlos glücklich bin. Ich habe oft die Frage gestellt bekommen, was denn jetzt die nächsten Ziele oder Vorstellungen sind. Ich habe eigentlich keine. Ich habe für mich persönlich zahlenmäßig das, was man sich so wünscht. Das Thema ist für mich erledigt und ich merke auch, dass man daraus gar nicht so viel zieht. Das ist mal eine kurze persönliche Ego-Befriedigung.

Aber ich glaube, was mich am meisten immer glücklich machen würde und was wir auch gemerkt haben, ist Fan-Interaktion, eine Community aufbauen, Gutes tun. Gerade solche Aktionen wie dass man vor den Shows eine Bar mietet, Geld hinterlegt und sagt: Lernt euch kennen. Sachen, die immer mehr auch über die Musik hinausgehen. Ich glaube, das ist der eigene Anspruch an mich selbst und dass man sich auch selbst immer neu erfüllt und nicht dem hinterherrennt, was gerade funktioniert und sich darauf ausruht.

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Zum Schluss aber trotzdem die passende Frage: WHAT WILL LEVI DO NEXT?

BUNT.: Also im Februar gehen wir auf Europa-Tour und im April, falls irgendjemand aus den USA kommen will, gehen wir auch noch sieben Wochen auf US-Tour – alle schön im Bus. Da sind wir dann alle eingepfercht, aber ich glaube, es wird auch eine wundervolle Zeit.

Das ist doch ein super Ausblick. Danke, Levi, und ganz viel Erfolg!

Fotocredit: Simon Baumann / DJ Mag Germany

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Julia Keiser

Autor

Julia Keiser

Head of Social Media, Head of Business Relations