Anyma wehrt sich gegen die Vorwürfe rund um seine verbotene Istanbul-Show. Ausschnitte seiner Produktion seien aus dem Zusammenhang gerissen, mit KI verändert und mit anderer Musik unterlegt worden, erklärt der DJ. Nun will er gegen die Entscheidung vorgehen – und bietet den Behörden Gespräche an.
Anyma erhebt Manipulationsvorwürfe
Am 12. September sollte Anyma seine ÆDEN-Show in der Ataköy Marina Arena in Istanbul präsentieren. Das Gouverneursamt von Istanbul hat die Veranstaltung jedoch verboten. Der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Behörde bestätigte gegenüber der Faktencheck-Plattform Teyit, angebliche „satanistische Elemente“ in den Shows seien der Grund für die Entscheidung gewesen.
Jetzt äußert sich Anyma in vier Instagram-Storys ausführlich dazu. Sein zentraler Vorwurf: Was online über seine Show verbreitet worden sei, habe mit deren eigentlicher Aussage wenig zu tun. Nach seiner Darstellung wurden gezielt düstere Szenen herausgegriffen, mithilfe künstlicher Intelligenz verändert und mit anderer Musik kombiniert. Dadurch sei eine bedrohliche Botschaft konstruiert worden, die seine Arbeit weder enthalte noch vermitteln solle. Seine Kunst sei für Propaganda in sozialen Medien und der Politik benutzt worden.
Dabei betont Anyma einen Unterschied: „Keines meiner Visuals ist KI-generiert“, schreibt er in deutscher Übersetzung. Ausgerechnet diejenigen, die seine Arbeit verurteilten, hätten KI eingesetzt, um sie für ihre eigenen Zwecke zu verändern. Konkrete Beispiele für diese behaupteten Eingriffe enthält das vierteilige Statement nicht.
„In meiner Geschichte siegt am Ende das Licht“
Um die Bilder zu verstehen, müsse man die ganze Geschichte kennen, erklärt Anyma. Seine Show sei eine Science-Fiction-Erzählung über Dunkelheit und Licht, Zerstörung und Schöpfung, Angst und Hoffnung. Wie in vielen Filmen führe der Weg dabei auch durch düstere Kapitel. Eine einzelne Szene herauszulösen und daraus die Bedeutung des gesamten Werks abzuleiten, sei deshalb irreführend. „In meiner Geschichte siegt am Ende das Licht.“
Seit fünf Jahren arbeite sein Team gemeinsam mit Künstlern, Designern und Animatoren an dieser Bildwelt. Als Inspirationsquellen nennt Anyma Kunstgeschichte, Mythologie und antike Literatur. Religiöse Figuren würden nicht unmittelbar dargestellt. Ebenso wenig gehe es darum, eine Religion oder Kultur anzugreifen oder respektlos zu behandeln.
Damit widerspricht der Produzent ausdrücklich der religiösen und politischen Bedeutung, die seiner Arbeit im Zuge der Debatte zugeschrieben wurde.
Keine Gelegenheit, die Show zu erklären
Auch den Ablauf vor der Absage kritisiert Anyma. Weder er selbst noch sein Team oder der Veranstalter hätten eine angemessene Vorwarnung oder eine wirkliche Gelegenheit zum Gespräch erhalten. „Niemand hat uns gebeten, das Werk zu erklären, Kontext zu liefern oder mögliche Anpassungen zu besprechen“, schreibt er. Dazu seien sie bereit gewesen – und seien es weiterhin.
Bei Auftritten rund um die Welt habe sein Team immer den respektvollen Austausch mit Blick auf lokale Kulturen und Gepflogenheiten gesucht. Das wäre auch in der Türkei möglich gewesen, wenn konkrete Bedenken in einem Gespräch angesprochen worden wären.
Der Veranstalter Only You Live hatte die Absage bereits zuvor bestätigt und angekündigt, rechtliche Möglichkeiten zu prüfen. Über das Verbot und die Hintergründe haben wir in unserem ersten Artikel berichtet.
Anyma will zurück nach Istanbul
Anyma kündigt nun ebenfalls an, die Entscheidung anfechten zu wollen. Welche konkreten Schritte dafür vorgesehen sind, lässt er offen. Zugleich bietet er an, sich mit den zuständigen Behörden zu treffen und seine Arbeit im vollständigen künstlerischen Zusammenhang zu erklären.
Seinen Fans in der Türkei und allen, die für die Show anreisen wollten, dankt er für ihre Unterstützung. Kunst dürfe hinterfragt, kritisiert und diskutiert werden. Beurteilt werden solle sie aber danach, was sie tatsächlich sei – nicht danach, was andere durch Manipulation daraus machten.
Einen neuen Termin nennt Anyma in dem Statement nicht. Den Wunsch, die Show doch noch nach Istanbul zu bringen, formuliert er zum Schluss trotzdem deutlich: „Ich hoffe, dass wir zurückkommen und die Geschichte in Istanbul gemeinsam zu Ende erzählen können.“
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




