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ZDF-Doku blickt hinter die Kulissen der Hard-Techno-Affäre: DJ Mag-Chefredakteurin ordnet ein

ZDF-Doku blickt hinter die Kulissen der Hard-Techno-Affäre: DJ Mag-Chefredakteurin ordnet ein

Eine neue ZDF-Dokumentation geht den Missbrauchsvorwürfen gegen mehrere Hard-Techno-DJs und ihren Folgen für die Szene nach. Mit dabei ist auch DJ Mag Germany-Chefredakteurin Katrin Fuhrmann, die die Entwicklungen aus journalistischer Sicht einordnet.

Wie die Vorwürfe die Hard-Techno-Szene erschütterten

Anfang des Jahres hat ein Mann, der sich auf Instagram „bradnolimit“ nennt, zahlreiche Anschuldigungen gegen Hard-Techno-DJs erhoben und sie öffentlich gemacht. Unter anderem ist die Rede von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung. In Folge dessen wurden die beschuldigten DJs aus vielen nationalen und internationalen Line-ups genommen. Das ZDF greift dieses Thema in „Die Spur“ mit dem Titel „Missbrauch: Insider schockt die Techno-Szene“ auf.

Die Dokumentation startet mit den Worten: „Techno. Feiern. Ekstase. Eine Branche, die Millionen verdient. Ein Insider packt aus, wirft großen DJs sexuellen Missbrauch vor. Nach Jahren des Schweigens sprechen Frauen über ihre Erlebnisse. Wir wollen wissen, was in der Szene los ist: Gibt es wirklich sexuellen Missbrauch in unbekanntem Ausmaß?“ Dieser Frage wird in der 30-minütigen Dokumentation nachgegangen.

Für den Film hat das ZDF mit der Chefredakteurin dieses Magazins (DJ Mag Germany), Katrin Fuhrmann, kooperiert. Katrin Fuhrmann arbeitet seit vielen Jahren eng mit Künstlern und Festivals zusammen, hat viele Einblicke in die Branche und kennt auch die Schattenseite.

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„Wir haben im Februar als eines der ersten Magazine überhaupt über die Anschuldigungen berichtet. Das hat in der Szene was losgetreten, was es so in den vergangenen Jahren nicht gegeben hat. Alle haben darüber geredet und sehr schnell wurden besagte DJs aus den Line-ups genommen. Als die Produktionsfirma (fernsehgesellen GmbH) für die Doku auf mich zukam und fragte, ob ich Interesse hätte, für den Film zu kooperieren, habe ich sofort, zugestimmt“, sagt sie.

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Vorwürfe, Reaktionen und offene Fragen

In der Dokumentation wird mit verschiedenen Akteuren der Branche gesprochen, unter anderem auch mit dem Mann, der die Anschuldigungen im Februar öffentlich gemacht hat: bradnolimit (richtiger Name Brad Bedzyk). Ende 2025 hat der 34‑Jährige seine damalige Agentur verlassen. Kurz darauf veröffentlicht er Missbrauchsvorwürfe gegen verschiedene DJs. Im Film wird die Frage aufgeworfen, ob er aus Rache handelt:

„Es ging absolut nicht um Rache. Es ging vielmehr darum, meine Sicht der Dinge darzulegen. Ich hatte nicht erwartet, dass sich das zu einer Hexenjagd entwickeln würde (…), sagt er.

Im Film wird auch mit METOODJS gesprochen, einem Kollektiv, bei dem sich seit Veröffentlichung nach eigenen Angaben mehr als 300 Betroffene gemeldet haben, die von Übergriffen bis hin zu Vergewaltigungen sprechen. Immer wieder werden auf der Instagram-Seite des Kollektivs „Call for testimonies“ gepostet – also Zeuginnen gesucht, die schlechte Erfahrungen mit bekannten Menschen aus der Techno-Szene gemacht haben.

Betroffene und Veranstalter kommen zu Wort

Zu Wort kommen auch Frauen aus der Branche, unter anderem Vansessy. Die 24-Jährige lebt in Niederösterreich, legt seit etwa vier Jahren in Clubs und auf Festivals auf – auch in Deutschland. Sie schildert in der Doku eine Nacht, nach einem Club-Auftritt, in der sich ein Veranstalter nachts in ihr Zimmer schlich und sich neben sie legte.

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„Zuerst kamen ein paar Fragen über meinen Körper, was für eine Körbchengröße ich habe, ob meine Brüste gemacht sind, ob mein Hintern gemacht ist. Ob ich gerade einen BH trage. Und in dem Moment, wo er da wirklich schon an meinem Hintern hinten dran gelegen ist, quasi, habe ich dann auch wirklich gespürt, dass er auch erregt war. Er hat mich dann an der Hüfte berührt und wollte dann auch mit seinen Händen nach oben.“ Sie konnte fliehen. Die Nacht verbrachte sie alleine in ihrem Auto. Anzeige hat sie nicht erstattet – aus Angst, es nicht beweisen zu können.

In der Dokumentation kommt auch der Veranstalter des Open Beatz Festivals, Florian Gebauer, zu Wort. Kurz nachdem bradnolimit die Vorwürfe im Februar veröffentlicht hat, hat Gebauer die beschuldigten DJs ausgeladen, ähnlich wie viele Festivals in Deutschland und Europa. Er sagt unter anderem, dass er die DJs aus dem Line-up genommen hat, weil die Anschuldigungen nicht den Werten des Festivals entsprechen. Man müsse leider so handeln, als wären die Taten schon bewiesen. Er befürchtet, dass es irgendwann zu einer Willkür führen könne.

(…) In Social Media kann jeder alles hochladen und kann jeder alles behaupten. (…) Wenn der Druck nicht so hoch gewesen wäre, hätten wir auch gehandelt. Aber wir hätten uns vielleicht mehr Zeit genommen, es besser zu recherchieren oder mehr Hintergrundinformationen einzuholen“, sagt er.

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Die Dokumentation endet in etwa mit den Worten: „Ein Festivalsommer geht zu Ende – und wirft Schatten auf die Technowelt. Ein Insider aus der Szene wirft mehreren Hard-Techno-DJs sexualisierte Gewalt vor. Auch er selbst wird beschuldigt, übergriffig gegenüber Frauen gewesen zu sein. Er bestreitet die Vorwürfe – hier steht Aussage gegen Aussage, die Doku kann das nicht abschließend klären. Aber fest steht: Brad hat Missstände öffentlich gemacht, über die lange geschwiegen wurde. Mehr als 300 Betroffene haben sich nach eigenen Angaben beim Kollektiv METOODJS gemeldet, berichten von Übergriffen bis hin zu Vergewaltigungen. Frauen aus der Branche sagen offen: Hier wurde über Jahre weggeschaut. Die beschuldigten DJs, haben sich auf Anfragen des Doku-Teams nicht zurückgemeldet, sind nun teilweise abgetaucht. Ob die Vorwürfe stimmen, werden nun die Behörden zu klären haben.“

Die Dokumentation ist in der Mediathek zu finden: Missbrauch in der Techno-Szene: Die Spur recherchiert

Fotocredit: ZDF

DJ Mag Germany Logo
Katrin Fuhrmann

Autor

Katrin Fuhrmann

CEO & Founder