Fünfzehn Jahre nach seinem ersten Mainstage-Auftritt ehrt Tomorrowland Avicii mit einer eigenen Tribute Experience. In Boom werden 2026 unter anderem persönliche Artefakte, unveröffentlichtes Material, remasterte Live-Sets und eine limitierte Avicii x Tomorrowland Collection gezeigt.
Avicii kehrt als Erinnerung nach Tomorrowland zurück
Tomorrowland 2026 wird auch ein Ort der Erinnerung. Das Festival hat angekündigt, Tim „Avicii“ Bergling im kommenden Sommer mit einer eigenen Tribute Experience zu ehren. Für viele Fans dürfte das mehr sein als eine weitere Installation auf dem Gelände. Avicii war einer jener Artists, die Tomorrowland und die elektronische Musik der 2010er-Jahre entscheidend geprägt haben.
Sein erster Auftritt auf der Mainstage liegt dann 15 Jahre zurück. 2011 spielte Avicii dort „Levels“, noch bevor der Track offiziell veröffentlicht war. Was damals wie ein Festivalmoment wirkte, wurde später zu einem der prägendsten Songs einer ganzen EDM-Generation. Avicii kehrte in den Jahren 2012, 2013, 2014 und 2015 nach Boom zurück. Sein letzter Mainstage-Auftritt gilt bis heute als einer der emotionalsten Momente in der Geschichte des Festivals.
Immersive Installation mit persönlichen Einblicken
Im Zentrum der Tribute Experience steht eine 144 Quadratmeter große Installation, die Aviciis Musik, Kreativität und Vermächtnis beleuchten soll. Tomorrowland spricht von einem immersiven Raum, in dem ein großer LED-Screen eine exklusive audiovisuelle Arbeit zeigt. Dafür wurden ikonische Festivalmomente, Studioaufnahmen und persönliche kreative Szenen zusammengeführt.
Der Fokus liegt dabei nicht nur auf Avicii als DJ auf der Bühne, sondern auch auf Tim Bergling als Songwriter, Produzent und musikalischer Visionär. Aviciis Bedeutung lässt sich nämlich nicht allein über Mainstage-Bilder, Feuerwerk und singende Crowds erzählen. Sie liegt auch in seiner Art, elektronische Musik mit Melodien, Songwriting und Pop-Instinkt zu verbinden, ohne ihren emotionalen Kern zu verlieren.
Laut Tomorrowland werden in der Experience auch bisher unveröffentlichte Bilder, persönliche Geschichten und audiovisuelle Elemente aus Aviciis Tomorrowland-Zeit zu sehen sein. Die Installation soll Besucher näher an den Menschen hinter den großen Momenten heranführen.

Originalstücke aus Aviciis persönlicher Sammlung
Besonders bemerkenswert ist ein weiterer Teil der Ausstellung: Erstmals werden Originalartefakte aus Tim Berglings persönlicher Sammlung außerhalb des Avicii Experience Museums in Stockholm gezeigt. Welche Objekte genau ausgestellt werden, nennt Tomorrowland noch nicht im Detail. Klar ist aber: Es sollen Stücke sein, die mit Aviciis Karriere und seinem kreativen Prozess verbunden sind.
Für Fans ist das ein seltener Zugang zu einer Welt, die sonst meist auf Musikvideos, Festivalmitschnitte und Erinnerungen reduziert bleibt. Die Tribute Experience soll deshalb nicht nur funktionieren wie ein klassischer Festival-Spot für Fotos, sondern wie ein kuratierter Raum zwischen Archiv, Erinnerung und persönlicher Nähe.
Der Zugang zur Experience ist begrenzt und nur mit vorheriger Reservierung möglich.
Exklusive Avicii x Tomorrowland Collection
Begleitet wird die Tribute Experience von einer limitierten Avicii x Tomorrowland Collection. Die Stücke sollen online sowie direkt auf dem Festival erhältlich sein. Inhaltlich greift die Kollektion laut Tomorrowland die visuelle Sprache von Sound auf. Grundlage sind unter anderem Soundwellen und der Doppler-Effekt, die Aviciis musikalisches Erbe in eine zeitgenössische Bildsprache übersetzen sollen.
Merchandise rund um verstorbene Artists ist immer ein sensibles Feld. Bei Avicii gilt das erst recht. Entscheidend wird sein, ob die Kollektion als respektvolle Erweiterung der Tribute Experience funktioniert oder zu sehr nach Festivalprodukt aussieht. Tomorrowland rahmt sie in der offiziellen Ankündigung klar als Teil des Erinnerungsprojekts.

Remasterte Tomorrowland-Sets in Spatial Audio
Auch außerhalb des Festivalgeländes wird Aviciis Tomorrowland-Geschichte neu zugänglich gemacht. Im Rahmen der Tribute-Aktion erscheinen seine Sets aus den Jahren 2012, 2014 und 2015 in neu remasterter Form. Die Aufnahmen werden in Spatial Audio verfügbar sein und über Apple Music sowie die Tomorrowland App abrufbar sein.
Gerade diese Sets haben für viele Fans einen besonderen Stellenwert. Sie zeigen Avicii in einer Phase, in der EDM weltweit explodierte und Tomorrowland endgültig zu einem der wichtigsten Symbole dieser Bewegung wurde. Seine Shows aus dieser Zeit stehen für euphorische Melodien, große Hooks und eine Form von Festival-Energie, die heute sofort nostalgisch wirkt, ohne alt zu sein.
Eine Verbindung, die geblieben ist
Nach Aviciis Tod im Jahr 2018 ist seine Verbindung zu Tomorrowland nie verschwunden. Noch im selben Jahr erinnerten Fans während Nicky Romeros Mainstage-Set an ihn, als eine riesige schwedische Flagge mit seinem Bild über der Crowd ausgebreitet wurde. Es war einer dieser Momente, in denen ein Festival kurz innehält, obwohl um einen herum alles weiterläuft.
Auch Jahre später taucht Aviciis Musik regelmäßig in Sets anderer Artists auf. „Levels“ wurde bereits mehrfach zur Nummer eins der Tomorrowland Top 1000 gewählt und bleibt einer der Tracks, die auf einem Festivalgelände sofort eine gemeinsame Erinnerung auslösen. Kaum ein Song steht so sehr für die Zeit, in der elektronische Musik endgültig im Mainstream ankam und trotzdem ihre Festival-Seele behielt.
Tim Bergling wurde 1989 in Schweden geboren und starb 2018 im Alter von 28 Jahren. Mit Songs wie „Wake Me Up“, „Levels“ und „Hey Brother“ veränderte er die Wahrnehmung elektronischer Musik weit über die Club- und Festivalszene hinaus. Gleichzeitig sprach er offen über die Belastungen des Tourlebens und die Bedeutung mentaler Gesundheit. Nach seinem Tod wurde die Tim Bergling Foundation gegründet, die sich unter anderem für mentale Gesundheit einsetzt.
Tomorrowland 2026 erinnert deshalb nicht nur an einen der erfolgreichsten Artists der elektronischen Musik. Es erinnert an einen Künstler, dessen Musik für viele Menschen bis heute mit bestimmten Jahren, Orten und Gefühlen verbunden ist. Avicii ist längst nicht mehr nur Teil der Festivalgeschichte. Er ist Teil der persönlichen Geschichte vieler Fans, die mit seinen Songs groß geworden sind. Und vielleicht liegt genau darin die Kraft dieser Tribute Experience: Sie macht noch einmal sichtbar, was ohnehin nie ganz weg war.
Fotocredit: Tomorrowland

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de






