Thomas Bangalter hat einer möglichen Daft-Punk-Reunion vorerst eine klare Absage erteilt. In einem neuen Interview spricht der französische Produzent über das Ende des Projekts, die Last der Roboter-Identitäten und sein neues Soloalbum „Mirage – Ballet for 16 Dancers“.
Thomas Bangalter blickt auf Daft Punk zurück
Thomas Bangalter hat derzeit keine Pläne, gemeinsam mit Guy-Manuel de Homem-Christo wieder als Daft Punk auf die Bühne zurückzukehren. In einem Interview mit „The Times“ wurde der französische Produzent gefragt, ob ihn eine Reunion-Show reizen würde. Seine Antwort fiel knapp aus: „Nein.“ Ganz abgeschlossen klingt der Blick zurück trotzdem nicht verbittert. Bangalter sagte, er sei froh, dass Daft Punk über die lange gemeinsame Laufbahn hinweg „nicht vermasselt“ worden sei. „Es gibt andere Dinge zu erkunden“, erklärte er weiter. Für ihn steht aktuell also nicht das Comeback der Roboter im Mittelpunkt, sondern ein Leben nach einer der prägendsten Partnerschaften der elektronischen Musik.
Daft Punk hatten sich 2021 nach 28 Jahren offiziell getrennt. Seitdem lebt die Sehnsucht nach einer Rückkehr weiter – bei Fans, Medien und Festival-Fantasien gleichermaßen. Bangalters neue Aussagen machen diese Hoffnungen aber nicht wahrscheinlicher.
„Jetzt bin ich nur ein Mensch ohne Superkräfte“
Im Gespräch blickte Bangalter auch auf die besondere Konstruktion von Daft Punk zurück. Das Projekt sei fast wie Performancekunst gewesen: Figuren erschaffen, die Grenze zwischen Fiktion und Realität verwischen, die eigene Person hinter den Helmen verschwinden lassen. Genau das wurde irgendwann offenbar zur Belastung.
„Ich war einer der Roboter, aber jetzt bin ich nur ein Mensch ohne Superkräfte“, sagte Bangalter. Auch die Dimension des Erfolgs könne er bis heute nur schwer greifen. Musik, die in seinem Studio entstanden sei, habe inzwischen Milliarden von Streams erreicht. Für ihn selbst bleibe diese Zahl aber kaum fassbar. Auffällig ist vor allem, wie bewusst Bangalter den Mythos Daft Punk bewahren will. Er spricht nicht gegen die Vergangenheit, sondern gegen das Ausreizen einer Idee, die längst größer geworden ist als die Menschen dahinter. „Es war großartig, aber in der Rolle zu bleiben und sie nicht zu beschädigen, wurde sehr schwierig“, sagte er.
Neues Soloalbum statt Nostalgie
Der Zeitpunkt des Interviews fällt mit Bangalters neuem Soloalbum „Mirage – Ballet for 16 Dancers“ zusammen. Das Werk erschien vor wenigen Tagen und ist kein klassisches Clubalbum, sondern die Musik zu einem 60-minütigen Ballettstück. Inspiriert wurde Bangalter dabei unter anderem von dem griechisch-französischen Komponisten Iannis Xenakis.
Das gleichnamige Ballett feierte im vergangenen Mai am Grand Théâtre de Genève Premiere. Entwickelt wurde es vom Choreografen Damien Jalet und dem zeitgenössischen Künstler Kōhei Nawa. Für Bangalter ist es ein weiterer Schritt in eine Richtung, die bewusst Abstand vom Pop-Mythos Daft Punk nimmt.
Seit dem Ende des Duos hat er mehrere Projekte außerhalb des klassischen Dance-Kontexts umgesetzt. 2023 schrieb er Musik für die Performance „Chiroptera Matiere Premiere“ an der Pariser Oper, 2024 erschien daraus das Album „Chiroptera“. Zuletzt stand Bangalter außerdem wieder vereinzelt als DJ im Fokus, unter anderem bei einem Back-to-back-Set mit Fred again.. im Londoner Alexandra Palace (wir berichteten).
Auch Guy-Manuel de Homem-Christo soll an neuem Material arbeiten. Ende 2025 sagte Because-Music-Gründer Emmanuel de Buretel in einem Radiointerview auf France Inter, Guy-Manuel mache ein eigenes Album. Offiziell bestätigt oder näher erklärt wurde das bislang nicht.
Eine Rückkehr von Daft Punk bleibt damit weiter der große Traum vieler Fans. Bangalter selbst klingt aber nicht nach jemandem, der diesen Traum gerade bedienen will. Eher nach jemandem, der den Helm bewusst abgelegt hat. Und genau darin seine neue Freiheit findet.
Fotocredit: David Black

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




