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„Sónar is dead“: Barcelonas Kultfestival inszeniert seine eigene Beerdigung

„Sónar is dead“: Barcelonas Kultfestival inszeniert seine eigene Beerdigung

Ein Sarg, die Jahreszahlen 1994–2026 und ein öffentliches Kondolenzbuch: Das Sónar erklärt sich selbst für tot. Die Aktion trifft auf ein Festival, das nach Boykotten und dem Abschied seiner Gründer ohnehin um seine Identität ringt. Ein endgültiges Aus ist bislang allerdings nicht bestätigt – für Juni 2027 war bereits die nächste Ausgabe angekündigt.

Ein Kondolenzbuch statt Line-up und Tickets

Wer gerade die Website des Sónar Festivals öffnet, kann dort Abschiedsworte hinterlassen. „Die Sónar-Familie dankt euch für eure Unterstützung. Danke, dass ihr Teil unserer Geschichte wart“, heißt es unter den Jahreszahlen 1994–2026. Darüber steht ein Kondolenzbuch, in das Besucher ihren Namen und eine Nachricht eintragen können.

Auch auf Instagram verabschiedet sich das Festival aus Barcelona mit einer ungewöhnlich deutlichen Inszenierung: Ein Video zeigt einen Sarg mit dem Namen Sónar und den beiden Jahreszahlen. Die Botschaft erscheint auf Katalanisch, Spanisch und Englisch: „Sónar is dead.“ Die bisherigen Beiträge sind auf dem Profil nicht mehr zu sehen.

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Am Dienstag, 27. Oktober, erschien außerdem eine ganzseitige Todesanzeige in der Tageszeitung La Vanguardia. Entsprechende Motive waren auch im Straßenbild Barcelonas zu sehen. Die vermeintliche Beerdigung findet damit auf mehreren Kanälen gleichzeitig statt.

Für 2027 waren längst Termine angekündigt

Was genau damit beerdigt wird, erklärt Sónar bisher nicht. Gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE kündigte die Organisation weitere Informationen für die kommenden Tage an. Ob das Festival tatsächlich endet, ließ sie offen. Dabei hatte Sónar noch im Juni seine nächste Ausgabe für den 17. bis 19. Juni 2027 angekündigt und einen ersten Vorverkauf gestartet. Eine Absage dieser Ausgabe ist bislang nicht veröffentlicht worden.

Ein Neustart unter verändertem Namen oder mit einem anderen Konzept wäre deshalb denkbar. Bestätigt ist davon bisher nichts.

Boykotte und der Abschied der Gründer

Die Aktion kommt nach tiefgreifenden Veränderungen. Superstruct Entertainment übernahm 2018 die Mehrheit am Sónar. 2024 wurde Superstruct seinerseits von einem Investorenkonsortium um die US-Investmentfirma KKR übernommen. 2025 sagten zahlreiche Künstler ihre Auftritte ab. Ihre Kritik richtete sich gegen KKR und dessen Beteiligungen, darunter Unternehmen mit Verbindungen zur israelischen Rüstungsindustrie und zu Siedlungen in besetzten palästinensischen Gebieten. Das Sónar-Team distanzierte sich öffentlich von den Investmententscheidungen und betonte seine künstlerische Unabhängigkeit.

Im Oktober 2025 verabschiedeten sich schließlich die drei Gründer Enric Palau, Ricard Robles und Sergio Caballero. Die Leitung übernahm François Jozic, Mitgründer von Brunch Electronik. Einen direkten Zusammenhang zwischen den Boykotten und ihrem Abschied nannten die Gründer nicht. Superstruct erklärte, der Rückzug sei bereits bei der Übernahme 2018 vereinbart worden.

Auch für das Publikum änderte sich das Festival: 2026 wurden die bisher getrennten Tages- und Nachtprogramme an der Fira Gran Via zusammengeführt. Das Programm für Musik, Technologie und digitale Kultur Sónar+D zog überwiegend in die Llotja de Mar.

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Zuletzt wurden weitere personelle Veränderungen bekannt. La Vanguardia berichtete vor Kurzem über den Abschied der langjährigen Kuratorin Antònia Folguera und den bevorstehenden Weggang von Sónar+D-Direktorin Andrea Faroppa. Folguera kritisierte gegenüber der Zeitung eine zunehmend unternehmerisch geprägte Ausrichtung und fehlenden Raum für Experimente.

Welche Zukunft hat Sónar?

Vor diesem Hintergrund bekommt die inszenierte Beerdigung ein anderes Gewicht. Hinter dem Namen stehen mehr als drei Jahrzehnte elektronische Musik und digitale Kultur – und inzwischen eine offene Debatte darüber, was davon unter der neuen Führung erhalten bleibt.

Für Menschen, die mit Sónar besondere Konzerte, Entdeckungen und Sommer in Barcelona verbinden, dürfte deshalb vor allem die nächste Nachricht zählen. Sie muss erklären, wovon sich das Festival verabschiedet. Und was die Menschen erwartet, die im kommenden Juni wiederkommen wollten.

Fotocredit: Nachetere, Sónar by Day 2016, CC BY-SA 4.0

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de