Mit „Kora“ veröffentlicht Skrillex eine überraschende Ambient-EP, die sich bewusst von der klassischen Build-up- und Drop-Dramaturgie löst. Kaum Beats, viel Raum, klare Reduktion. Ein Release, das weniger auf Wirkung als auf Haltung abzielt.
Weniger Eskalation, bewusstes Weglassen
„Kora“ ist ein bewusstes Gegenmodell zu Skrillex’ früherem Maximalismus. Der Opener „Yo Yan“ verzichtet weitgehend auf Rhythmus und setzt stattdessen auf verzerrte Klänge, akustische Gitarrenfragmente und viel Luft zwischen den Elementen. „Someone Said” arbeitet mit nervösen Synth-Layern und brüchigen Vocals, während der Titeltrack „Kora” die Abwesenheit von Beats demonstrativ zur Schau stellt. Inklusive eines einsamen Metronoms, das eher als Kommentar denn als Stilmittel dient.
Bequem ist das nicht. Aber konsequent. Und genau das fordert Aufmerksamkeit und Geduld. Dinge, die im aktuellen Release-Zyklus kaum noch eine Rolle spielen.
Reduktion als Haltung – mit klaren Grenzen
Skrillex löst sich hörbar vom Erwartungsdruck des Clubkontexts. Gleichzeitig bleibt „Kora“ bewusst sperrig. Die Tracks bauen keine klassischen Spannungsbögen auf und entziehen sich klaren Höhepunkten. Diese künstlerische Entscheidung ist konsequent, schränkt aber die Wiederhörbarkeit ein. Wer hier emotionale Eskalation sucht, wird enttäuscht, wer jedoch Klangräume schätzt, bekommt Substanz geboten.
„Kora“ ist Skrillex‘ erste Veröffentlichung im Jahr 2026 und folgt auf ein extrem produktives Vorjahr mit dem Album „F*CK U SKRILLEX YOU THINK UR ANDY WARHOL BUT UR NOT!!<3“ sowie der EP „hit me where it hurts x“. Während diese Veröffentlichungen noch zwischen Pop, Club und Experiment pendelten, wirkt „Kora“ wie eine bewusste Zäsur: weniger Showcase, mehr Skizzenbuch.
„Kora“ ist kein Karriere-Meilenstein. Aber ein klarer Hinweis darauf, dass Skrillex sich gerade mehr für seine eigenen Grenzen interessiert als für Markterwartungen.
Fotocredit: Marilyn Hue

Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de


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