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Musikbranche fordert harte Regeln gegen Wucher-Resales

Musikbranche fordert harte Regeln gegen Wucher-Resales

„Tickets dürfen keine Spekulationsobjekte sein“: Mehr als 100 Künstler, Veranstalter, Spielstätten, Agenturen und Verbände fordern die Bundesregierung zum Handeln auf. In einem offenen Brief geht es um Bots, überhöhte Resale-Preise und einen Ticketmarkt, der Fans zunehmend gegen sich arbeiten lässt.

Offener Brief gegen Ticketwucher und Betrug

Die deutsche Musikbranche macht Druck auf die Politik. In einem offenen Brief an die Bundesregierung, das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie die Fraktionen von CDU/CSU und SPD fordern zahlreiche Künstler, Veranstalter, Konzertagenturen, Ticketing-Unternehmen, Spielstätten und Verbände eine stärkere Regulierung des Ticketzweitmarkts.

Der zentrale Satz des Schreibens ist bewusst einfach gehalten: „Tickets dürfen keine Spekulationsobjekte sein.“ Unterzeichnet wurde der Brief unter anderem von Die Toten Hosen, Nina Chuba, Die Ärzte, AnnenMayKantereit, K.I.Z, Deichkind, MEUTE, Ätna und Ikkimel. Dazu kommen Veranstalter, Ticketing-Unternehmen, einzelne Spielstätten wie die halle02 Heidelberg und das KNUST Hamburg sowie Verbände wie PRO MUSIK, der BDKV, die LiveMusikKommission, der VUT und die Bundesstiftung Livekultur.

Für das DJ Mag ist das Thema nicht nur ein Randthema aus der Konzertbranche. Faire Ticketvergabe betrifft längst auch Clubshows, elektronische Live-Acts und stark nachgefragte Sonderformate. Gerade dort entscheidet der Zugang zu nachvollziehbaren Preisen darüber, ob Fans wirklich Teil der Szene bleiben – oder ob sie auf einem Zweitmarkt landen, auf dem Knappheit zur Geschäftsgrundlage wird.

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Wenn Fans zahlen, aber andere kassieren

Das Problem ist bekannt: Tickets für gefragte Shows sind oft kurz nach Verkaufsstart weg. Wenig später tauchen sie auf Zweitmarkt-Plattformen wieder auf. Nur deutlich teurer. Im offenen Brief nennen die Unterzeichnenden Beispiele, bei denen ein Ticket für ursprünglich 60 Euro anschließend für 100, 200 Euro oder mehr angeboten wird. Aufschläge von 250 Prozent und mehr seien keine Seltenheit. Das zusätzliche Geld landet dabei nicht bei den Künstlern, nicht bei den Crews, nicht bei Veranstaltern und auch nicht in neuen Produktionen. Es fließt an Zwischenhändler, die Tickets nicht kaufen, um Kultur zu erleben, sondern um aus Knappheit Profit zu machen.

Das macht den Zweitmarkt für die Branche so problematisch. Denn während Veranstalter mit steigenden Kosten für Technik, Personal, Sicherheit, Energie und Produktion kämpfen, entsteht neben dem offiziellen Verkauf ein Geschäft, das von der Nachfrage lebt, aber nichts zur Veranstaltung beiträgt.

Bots, Leerverkäufe und gefälschte Tickets

Besonders kritisch sieht die Branche den massenhaften Ankauf von Tickets durch gewerbliche Wiederverkäufer. Dabei sollen auch automatisierte Programme, sogenannte Bots, eine Rolle spielen. Sie können Tickets in kurzer Zeit in großen Mengen abgreifen, während echte Fans in Warteschlangen hängen oder nach wenigen Minuten vor ausverkauften Kontingenten stehen.

Hinzu kommen sogenannte Leerverkäufe. Dabei werden Tickets angeboten, obwohl die Verkäufer sie zum Zeitpunkt des Angebots noch gar nicht besitzen. Für Fans ist das kaum zu erkennen. Sie zahlen im schlimmsten Fall viel Geld für eine Karte, die noch nicht existiert – oder später nie geliefert wird. Auch gefälschte Tickets sind Teil des Problems. Im offenen Brief heißt es, Fans zahlten teils mehrere hundert Euro und stünden am Ende mit wertlosen Tickets am Einlass. Die Unterzeichnenden verweisen auf jüngste Urteile der Landgerichte Hamburg und Berlin II, die sich mit Plattformen wie Viagogo befassten. Der juristische Weg sei für viele Veranstalter und Künstler aber zu mühsam und teuer. Deshalb brauche es einen klaren gesetzlichen Rahmen.

Gefordert wird eine Preisobergrenze von 25 Prozent

Die Forderungen der Branche sind konkret. Veranstalter sollen gesetzlich das Recht bekommen, selbst festzulegen, auf welchen Plattformen ihre Tickets weiterverkauft werden dürfen. Angebote außerhalb autorisierter Kanäle sollen per „Notice and Takedown“ entfernt werden können. Außerdem fordert der offene Brief eine Preisobergrenze: Der gewerbliche Weiterverkauf von Tickets soll nur noch mit einem Aufschlag von maximal 25 Prozent auf den Originalpreis erlaubt sein. Diese Grenze soll nicht nur für den Weiterverkauf gelten, sondern bereits für den spekulativen Ankauf von Tickets.

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Weitere Punkte sind ein Verbot von Leerverkäufen, ein Verbot von Bots und falschen Identitäten sowie strengere Transparenzpflichten für Plattformen. Auch ein aktives Meldesystem soll verpflichtend werden. Rechtswidrige Angebote müssten nach einer Meldung unverzüglich entfernt werden. Verzögerungen und Falschangaben sollen sanktioniert werden.

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Die Bundesregierung hat das Thema bereits im Koalitionsvertrag

Die Unterzeichnenden verweisen in ihrem Schreiben auch auf den Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD. Darin ist festgehalten, dass der Ticketzweitmarkt für Sport- und Kulturveranstaltungen stärker reguliert werden soll. Ziel sei es, Verbraucher vor überhöhten Preisen, Intransparenz und betrügerischen Verkaufspraktiken zu schützen und Veranstalter besser gegen unlauteres Verhalten von Ticketspekulanten aufzustellen. Aus Sicht der Branche liegt der politische Auftrag damit bereits vor. Nun müsse daraus ein Gesetz werden. Im Brief heißt es entsprechend, es gebe „keinen Grund mehr zu warten“.

Die Botschaft ist deutlich: Konzerte, Clubshows und Live-Events sind keine Anlageprodukte. Sie leben davon, dass Menschen zusammenkommen, Musik erleben und Zugang zu Kultur behalten. Wenn Tickets aber schon beim Verkauf zur Ware für Spekulanten werden, verschiebt sich etwas Grundsätzliches. Dann entscheidet nicht mehr nur Interesse, Leidenschaft oder Glück im Vorverkauf, sondern immer stärker die Frage, wer bereit ist, auf dem Zweitmarkt absurde Preise zu zahlen.

Für eine Szene, die ohnehin mit steigenden Kosten, unsicherem Publikumskonsum und wachsendem wirtschaftlichem Druck zu kämpfen hat, ist das mehr als ein Ärgernis. Es ist eine Frage von Fairness – gegenüber Fans, Künstlern und allen, die Livekultur überhaupt erst möglich machen.

Fotocredit: Symbolbild (KI-generiert)

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