Vom 4. bis 7. Juni 2026 kehrt das Zurück zu den Wurzeln Festival, kurz Wurzelfestival, in den Secret Forest nach Niedergörsdorf zurück. Rund 200 Acts, etwa 50 Workshops und eine bewusst neu sortierte Festivalwelt treffen dort auf einen Spirit, der aus der Berliner Free-Open-Air-Kultur gewachsen ist.
Vom Free Open Air zur eigenen Wurzelrepublik
Es gibt Festivals, die vor allem über ihre Headliner funktionieren. Und es gibt Festivals, die erst dann richtig Sinn ergeben, wenn man ihre Geschichte kennt. Das Wurzelfestival gehört klar zur zweiten Kategorie. Vom 4. bis 7. Juni 2026 verwandelt sich der Secret Forest in Niedergörsdorf, rund 80 Kilometer südlich von Berlin, wieder in eine eigene kleine Welt aus elektronischer Musik, Kunst, Natur und Gemeinschaft.
Was heute als mehrtägiges Festival stattfindet, begann Anfang der 2010er-Jahre deutlich roher. Aus dem Drang nach Freiheit, eigenen Open Airs und einer Alternative zu klassischen Clubnächten entstand in Berlin die Wurzelbande. Anlage, Generator, Freundeskreis, Musik – mehr brauchte es am Anfang nicht. Aus den ersten kleinen Zusammenkünften wurden immer größere Open Airs, aus dem losen Kreis eine Community, aus dem Free-Open-Air-Gedanken schließlich das Zurück zu den Wurzeln Festival.
Dieser Ursprung ist bis heute der Kern des Festivals. Das Wurzelfestival versteht sich nicht als Hochglanzprodukt, sondern als Mitmach-Festival. Gäste sollen nicht nur konsumieren, sondern mitgestalten: bei Dekoration, Ideen, Rahmenprogramm, Atmosphäre. Genau daraus entsteht der besondere Charakter des Wochenendes – eine Mischung aus Rave, Waldutopie, Kulturprogramm und bewusst unperfekter Nähe.
Ein Line-up, das nicht nur auf große Namen setzt
Musikalisch bleibt das Festival breit, aber klar in der elektronischen Szene verwurzelt. Für 2026 stehen unter anderem Anja Schneider, D.Dan, Einmusik, Elisa Elisa, FKA.M4A, Floyd Lavine, Gigi FM, Kaufmann, Kristin Velvet, Luke Slater, Luna City Express, Mathias Kaden, Matrixxman, Radio Slave, Reboot, Regent, Rodriguez Jr. (Hybrid Live), Sarah Wild, Super Flu und Tal Fussman im Line-up. Dazu kommen zahlreiche B2B-Sets, Live-Acts, lokale Namen, Kollektive und Artists aus dem weiteren Umfeld der Berliner und deutschen Clubkultur.
Statt alles auf einzelne Mainstage-Momente zuzuspitzen, verteilt sich das Programm über verschiedene Orte im Wald. Märchenwald, Studio 54, Schallschleuse, Oase, Wurzelfloor, Wurzeltrain, Waldphilharmonie und Secret Floor zeigen schon namentlich, dass hier nicht nur Bühnen gebaut, sondern Räume gedacht werden. Zwischen Dancefloor, Rückzugsort, Workshop und Dekoration soll eine Festivalwelt entstehen, in der Musik nur ein Teil des Ganzen ist.
Freiheit, aber nicht ohne Verantwortung
Ein wichtiger Bestandteil bleibt dabei der soziale Anspruch. Das Wurzelfestival setzt seit Jahren auf Inklusion, weitgehend barrierefreie Strukturen und ein Miteinander, das nicht nur als Claim auf Plakaten steht. Auch Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle: Mülltrennung, Sensibilisierung auf dem Gelände, Upcycling in der Dekoration, Landart-Projekte und der bewusste Umgang mit Ressourcen gehören zum Selbstverständnis des Festivals.
2026 kommt außerdem ein persönlicher Moment hinzu. Die kommende Ausgabe steht auch im Zeichen des Gedenkens an den verstorbenen Booker der Wurzel, dessen musikalische Vision das Festival mitgeprägt hat. Gerade deshalb wirkt das Motto „Zurück zu den Wurzeln“ in diesem Jahr nicht nur wie ein Name, sondern wie ein Versprechen: den eigenen Ursprung nicht zu verlieren, auch wenn das Festival längst gewachsen ist.
Auch organisatorisch entwickelt sich das Wurzelfestival weiter. Die Ausgabe 2026 findet cashless statt und setzt zusätzlich auf das SafeNow-System, um Gästen vor Ort schnelle Unterstützung und einen geschützten Rahmen zu ermöglichen. Es passt zu einem Festival, das Freiheit nicht mit Beliebigkeit verwechselt, sondern mit Verantwortung verbindet.
2026 wird bewusster kleiner
Zu dieser Verantwortung gehört 2026 auch eine ehrliche Veränderung. Das Wurzelfestival hat angekündigt, die kommende Ausgabe kleiner, stabiler und nachhaltiger aufzustellen. Grund dafür sind gestiegene Kosten, unsicherere Rahmenbedingungen und weniger Ticketverkäufe. Das Festival sei nicht gefährdet, heißt es von den Veranstaltern, doch die bisherige Größe lasse sich nicht mehr in allen Bereichen halten.
Konkret pausieren 2026 unter anderem der Elfenfloor und das Naturcamping. Die Rumpelkammer wird kleiner und verwandelt sich ins Wasteland, das gemeinsam von Elphame, 47er und Droplegs gestaltet wird. Für das Festival ist das kein Abschied von der eigenen Idee, sondern eher eine Rückbesinnung: weniger Größe um jeden Preis, mehr Nähe, mehr Experiment, mehr gemeinsames Erleben. Oder, wie es die Veranstalter selbst formulieren: nicht weniger Festival, sondern mehr Wurzel.
Tickets
Das Wurzelfestival 2026 findet vom 4. bis 7. Juni im Secret Forest in Niedergörsdorf statt. Die Anreise ist bereits ab dem 3. Juni möglich, die Abreise bis zum 8. Juni vorgesehen. Tickets und weitere Informationen gibt es über die offizielle Website des Festivals.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de





