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Kavinsky ist tot: „Nightcall“-Produzent stirbt mit nur 50 Jahren

Kavinsky ist tot: „Nightcall“-Produzent stirbt mit nur 50 Jahren

Die elektronische Musikszene verliert einen ihrer unverwechselbarsten Künstler. Vincent Belorgey, besser bekannt als Kavinsky, wurde tot in seiner Pariser Wohnung gefunden. Mit „Nightcall“, seinem Album „OutRun“ und einer Welt aus Neonlicht, Sportwagen und 80er-Soundtracks wurde er zu einer prägenden Figur des modernen Synthwave.

Kavinsky tot in Paris gefunden

Kavinsky ist im Alter von 50 Jahren gestorben. Wie die Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte, wurde der französische DJ und Produzent am Dienstagabend, 28. Juli, tot in seiner Wohnung gefunden. Eine Untersuchung soll nun die genaue Todesursache klären. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft entdeckten die ersten Einsatzkräfte keine verdächtigen Hinweise am Fundort. Weitere gesicherte Informationen zu den Umständen seines Todes liegen bislang nicht vor. Kavinsky wäre an diesem Freitag 51 Jahre alt geworden.

Wer war Kavinsky?

Vincent Belorgey wurde am 31. Juli 1975 in Paris geboren. Mitte der 2000er-Jahre begann er, selbst Musik zu produzieren. 2006 erschien seine erste EP „Teddy Boy“ beim französischen Label Record Makers. Bereits der darauf enthaltene Track „Testarossa Autodrive“ brachte alles mit, was später untrennbar mit Kavinsky verbunden sein sollte: schwere Synthesizer, eine düstere Nachtfahrt und einen roten Ferrari Testarossa.

Kavinsky war dabei mehr als ein Künstlername. Belorgey erfand eine komplette Figur samt eigener Geschichte: einen jungen Mann, der 1986 bei einem Unfall mit seinem Testarossa ums Leben kommt und 20 Jahre später als untoter Fahrer zurückkehrt. Musik, Cover, Videos und Bühnenfigur gehörten bei ihm immer zusammen. Seine Tracks wirkten wie Szenen aus einem düsteren Roadmovie – nur dass der dazugehörige Film allein im Kopf seiner Hörerinnen und Hörer existierte.

„Nightcall“ machte Kavinsky weltberühmt

Seinen größten Erfolg veröffentlichte Kavinsky 2010. „Nightcall“ entstand gemeinsam mit Guy-Manuel de Homem-Christo von Daft Punk, wurde von SebastiAn gemischt und erhielt durch Lovefoxxx von CSS seine gesungenen Passagen. Ein Jahr später eröffnete der Song den Film „Drive“ mit Ryan Gosling. Die nächtliche Fahrt durch Los Angeles, Kavinskys verzerrte Stimme und die melancholischen Synthesizer passten so gut zusammen, dass sich Film und Musik bis heute kaum voneinander trennen lassen.

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„Nightcall“ brachte einen Sound in den Mainstream, der zuvor vor allem in einer vergleichsweise kleinen elektronischen Szene stattgefunden hatte. Kavinsky hat Synthwave nicht erfunden. Aber kaum ein anderer Song trug so stark dazu bei, die Mischung aus 80er-Soundtracks, Videospielästhetik und retrofuturistischen Synthesizern einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen. Plötzlich klang diese elektronische Nostalgie nicht mehr nach bloßer Rückschau. Sie klang modern, dunkel und erstaunlich emotional.

Was Kavinsky für die elektronische Musik bedeutete

Kavinsky wird häufig dem French Touch zugerechnet. Ganz genau trifft das allerdings nicht. Die erste große Welle um Daft Punk, Cassius und Étienne de Crécy hatte ihren Höhepunkt bereits erlebt, als er seine ersten Tracks veröffentlichte. Belorgey gehörte zur nachfolgenden französischen Electro-Generation. Er spielte im Vorprogramm von Daft Punk und bewegte sich im Umfeld von Justice, SebastiAn, Mr. Oizo und DJ Mehdi. Während der klassische French Touch stark von Disco, Funk und gefilterten Samples geprägt war, führte Kavinsky den französischen Sound in eine langsamere, dunklere und filmischere Richtung.

Sein Einfluss beschränkte sich dabei nicht auf bestimmte Synthesizer oder Drum-Machines. Kavinsky zeigte, wie sich elektronische Musik, Film, Videospiele und eine konsequente visuelle Identität zu einer eigenen Welt verbinden lassen. Das 2013 veröffentlichte Debütalbum „OutRun“ brachte diese Idee auf Albumlänge. Gemeinsam mit SebastiAn erzählte Kavinsky die Geschichte seines untoten Fahrers als elektronisches Roadmovie. Neben „Nightcall“ enthielt es unter anderem „ProtoVision“ und „Odd Look“, das später in einer neuen Version mit The Weeknd erschien.

Danach wurde es lange ruhig um ihn. Erst 2021 meldete sich Kavinsky mit „Renegade“ zurück, 2022 folgte sein zweites Album „Reborn“. Seiner filmischen Handschrift blieb er treu, öffnete seinen Sound jedoch stärker für Pop, Funk und echte Instrumente.

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Ein letzter großer Moment in Paris

Im August 2024 erreichte „Nightcall“ noch einmal ein weltweites Millionenpublikum. Bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Paris spielte Kavinsky den Song gemeinsam mit der Pop-Rock-Band Phoenix und Sängerin Angèle im Stade de France. Die Reaktion war gewaltig: Nach dem Auftritt wurde „Nightcall“ zum meistgesuchten Song innerhalb eines Tages in der Geschichte von Shazam. Gleichzeitig verzeichnete die App während der Performance die bis dahin meistgesuchte Minute überhaupt.

Vielleicht beschreibt dieser Moment seine Bedeutung am besten. Kavinsky veröffentlichte in 20 Jahren nur zwei Studioalben und war nie der produktivste Künstler seiner Generation. Trotzdem genügten wenige Sekunden, um zu erkennen, dass nur er hinter einem Track stecken konnte.

Vincent Belorgey wäre an diesem Freitag 51 Jahre alt geworden. Dass seine Musik bleiben wird, klingt an einem Tag wie diesem schnell wie eine Floskel. Bei „Nightcall“ stimmt sie.

Fotocredit: Aaron.etendardKavinsky (© Marcus Herring)CC BY-SA 4.0

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de