Den Lieblingssong hören, die Augen schließen und einfach lostanzen: Für manche mischt sich dabei die Sorge ein, ungefragt im Netz zu landen. In einer US-Umfrage geben 49 Prozent der befragten Gen-Z-Erwachsenen an, deshalb aufs Tanzen zu verzichten. Das berührt etwas, das einen guten Clubbesuch ausmacht: sich unter anderen Menschen wohl und frei zu fühlen.
Wenn beim Tanzen der Blick über die Schulter bleibt
Eigentlich möchte man gerade gar nicht darüber nachdenken, wie man aussieht. Der Track läuft, die Freunde tanzen schon, für ein paar Stunden darf der Alltag draußen bleiben. Dann richtet jemand ein Handy auf die Tanzfläche. Und plötzlich beschäftigt einen doch wieder, was andere sehen könnten.
Um diese Sorge geht es in einer Umfrage im Auftrag des US-Gesundheitsanbieters LifeStance Health. Dynata befragte dafür im Juli 2026 insgesamt 1.000 Erwachsene in den USA. Unter den Befragten der Generation Z erklären 49 Prozent, aus Angst davor, zum Inhalt fremder Social-Media-Posts zu werden, aufs Tanzen zu verzichten. Über alle Altersgruppen hinweg sind es 30 Prozent.
Dabei gehört zum Tanzen auch, sich ein bisschen zu vergessen. Niemand muss eine Choreografie beherrschen oder für die Kamera gut aussehen. Man darf unbeholfen sein, völlig im Song aufgehen und mit den Freunden über sich selbst lachen. Das fühlt sich anders an, wenn aus einem flüchtigen Moment ein Video werden könnte, über dessen Veröffentlichung jemand anderes entscheidet.
Manche bleiben aus Sorge vor Aufnahmen zu Hause
47 Prozent aller Befragten sagen, die Möglichkeit, als Online-Inhalt zu enden, erschwere es ihnen, sich in der Öffentlichkeit zu entspannen und sie selbst zu sein. 19 Prozent haben aus dieser Sorge bereits Bars oder andere Angebote des Nachtlebens gemieden.
Befragt wurden Erwachsene allgemein, keine ausgewählte Gruppe von Clubgängern. Die veröffentlichte Zusammenfassung nennt weder die Größe der Gen-Z-Teilgruppe noch den vollständigen Fragebogen. Wie verbreitet diese Sorge auf deutschen Tanzflächen ist, lässt sich daraus nicht ablesen. Trotzdem verdient das, was die Befragten beschreiben, Aufmerksamkeit. Wer sich beobachtet fühlt, braucht kaum noch den Vorwurf, nicht ausgelassen genug zu feiern. Viel näher liegt die Frage, was helfen würde, sich wieder wohlzufühlen.
Und auch Artists beschäftigt, wie Handykameras das gemeinsame Feiern verändern. Novah sprach darüber im Sommer mit DJ Mag – und darüber, dass sie selbst einen Teil ihres Erfolgs den Videos im Netz verdankt.
Deutsche Clubs ziehen Grenzen für Kameras
Im Open Ground in Wuppertal werden Kameras bereits beim Einlass abgeklebt. Der Club begründet sein striktes Fotoverbot ausdrücklich mit der Privatsphäre seiner Gäste: „Der Club ist ein intimer Raum“. Wer hier tanzt, soll sich nicht darum kümmern müssen, auf wessen Aufnahme er später zu sehen sein könnte.
Auch der Hamburger Südpol verbindet seine Hausregeln mit der Bitte, Rücksicht auf andere zu nehmen. Für Aufnahmen heißt das unmissverständlich: „Keine Fotos, keine Videos!“ Beide Clubs machen damit deutlich, dass die Privatsphäre der Feiernden zum gemeinsamen Clubbesuch gehört.
Einen Moment einfach jemandem lassen
Ob solche Regeln die in der Umfrage beschriebenen Sorgen verringern, wurde damit nicht untersucht. Für den eigenen Umgang mit der Kamera braucht es allerdings keine weitere Prozentzahl. Vor dem nächsten Schwenk durch die Crowd kann man kurz überlegen, wer da eigentlich mit ins Bild gerät.
Dass jemand ausgelassen feiert, ist schließlich kein Einverständnis, öffentlich gezeigt zu werden. Vielleicht ist dieser Mensch gerade zum ersten Mal seit Langem wieder unbeschwert. Vielleicht hat es Überwindung gekostet, überhaupt auf die Tanzfläche zu gehen. Diesen Moment kann man jemandem auch einfach lassen.
Fotocredit: Jue Huang

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




