Warum fühlen wir uns beim Tanzen plötzlich Menschen verbunden, deren Namen wir nicht einmal kennen? Armin van Buuren geht dieser Frage in „The Psychology of the Dancefloor“ nach. Gemeinsam mit der Psychotherapeutin Rachel Giddings widmet er sich dem Gefühl, das von einer Clubnacht bleiben kann, wenn die Musik längst aus ist.
Wenn ein Track für einen Moment alles bedeutet
Die ersten Töne reichen, und der Mensch neben dir reagiert genauso wie du. Ein kurzer Blick, ein Grinsen, vielleicht eine Umarmung. Ihr habt noch kein Wort miteinander gesprochen, aber gerade braucht es das auch nicht. Solche Begegnungen lassen sich zu Hause beim Erzählen oft schwer erklären. Auf der Tanzfläche können sie sich ganz selbstverständlich anfühlen.
Genau diesem gemeinsamen Erleben widmet sich „The Psychology of the Dancefloor: An A State of Trance Documentary @ [UNVRS]“. Der rund zehnminütige Film entstand während Armin van Buurens Residency im [UNVRS] auf Ibiza und ist seit Kurzem auf YouTube verfügbar. Ausgangspunkt ist die Frage, was seine fünfstündigen Sets bei den Menschen vor dem DJ-Pult auslösen.
„Der DJ steht oft im Mittelpunkt, aber die eigentliche Magie passiert auf der Tanzfläche“, erklärt Armin van Buuren zur Veröffentlichung. Ihn interessieren die Emotionen der Menschen, ihre Verbindungen untereinander und die Wirkung eines gemeinsam erlebten musikalischen Moments.
Fünf Stunden zwischen Ankommen und Loslassen
Für den Film, bei dem Izah Muller Regie führte, arbeitete Armin van Buuren mit der Psychotherapeutin Rachel Giddings zusammen. Sie betrachtet den Verlauf des Abends in fünf Phasen: vom Ankommen und dem allmählichen Abstand zum Alltag über das Gefühl von Gemeinschaft bis zur Rückkehr ins eigene Leben am Ende der Nacht.
Dieser Blick auf ein langes Set gibt auch den weniger offensichtlichen Momenten Raum. Bevor ein ganzer Dancefloor miteinander verbunden wirkt, müssen Menschen erst einmal ankommen. Und wenn der letzte Track läuft, kann sich neben Euphorie bereits die Wehmut darüber einstellen, dass diese gemeinsamen Stunden gleich vorbei sind.
Das Phasenmodell ist dabei Giddings’ Interpretation einer Clubnacht. Wie die begleitende Beschreibung erläutert, greift sie dafür auf Arbeiten über Rituale, Gemeinschaft und die verbindende Wirkung von Musik zurück. Daraus lässt sich kein fester emotionaler Ablauf ableiten, den jeder Gast in derselben Reihenfolge durchlebt.
Was nach dem letzten Track bleibt
Entstanden ist die Doku im Rahmen von Armin van Buurens fünf Abenden zum 25-jährigen Bestehen von A State of Trance im [UNVRS]. Die Residency läuft vom 7. September bis zum 5. Oktober und setzt auf jeweils fünfstündige Sets. Damit gehört der Film auch zur Inszenierung dieser Veranstaltungsreihe. Seine zentrale Frage reicht jedoch über einen einzelnen Club und dessen Headliner hinaus.
Denn manchmal erinnert man sich Jahre später noch daran, mit wem man bei einem bestimmten Track auf der Tanzfläche stand. An einen Freund, den man viel zu selten sieht. Oder an jemanden, dem man danach nie wieder begegnet ist. Die Tracklist lässt sich nachschlagen. Warum ausgerechnet diese Nacht geblieben ist, erzählt sie allein nicht.
„The Psychology of the Dancefloor“ könnt ihr hier ansehen:
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de



![The Psychology of the Dancefloor: An A State of Trance Documentary @ [UNVRS]](https://img.youtube.com/vi/V_9T6NVcoq4/maxresdefault.jpg)

