Ein einziger Sänger, rund 16 Harmoniestimmen und jede davon mehrfach aufgenommen: Mehr als 22 Jahre nach der Veröffentlichung zeigt BT, wie der unverwechselbare Refrain von Tiëstos Trance-Klassiker „Love Comes Again“ entstanden ist.
BT war weit mehr als nur der Sänger
„Love Comes Again“ erschien 2004 auf Tiëstos zweitem Studioalbum „Just Be“ und gehört bis heute zu den bekanntesten Vocal-Trance-Tracks dieser Phase. Einen großen Anteil daran hatte der Mann, dessen Name im Titel lediglich hinter dem „feat.“ auftaucht.
BT heißt mit bürgerlichem Namen Brian Transeau und ist ein US-amerikanischer Produzent, Komponist und Sänger. Mit Tracks wie „Flaming June“, „Mercury & Solace“ und „Somnambulist“ prägte er bereits in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren den Sound von Trance und Progressive House. Später komponierte er zudem Musik für Filme wie „The Fast and the Furious“ und entwickelte eigene Software für die Musikproduktion.
Bei „Love Comes Again“ steuerte BT also nicht einfach nur seine Stimme bei. Er schrieb den Track gemeinsam mit Tiësto, war an der Produktion beteiligt und sang sämtliche Vocals selbst.
Aus einer Stimme wurde ein ganzer Chor
BT werde bis heute immer wieder gefragt, was im Refrain von „Love Comes Again“ eigentlich passiert, erklärt er in einem neuen Video. Die kurze Antwort: deutlich mehr, als man beim ersten Hören vermuten würde. Für den Refrain baute der Produzent nach eigenen Angaben eine Harmonie aus rund 16 verschiedenen Stimmen auf. Jede einzelne davon nahm er mehrfach auf. „Triples of everything“, fasst BT den damaligen Ansatz zusammen. Die Technik habe er sich von seinem langjährigen Weggefährten Christian Burns abgeschaut.
Es handelt sich also nicht um 16 verschiedene Sänger. Stattdessen ist BT immer wieder selbst zu hören – in unterschiedlichen Tonlagen und mehrfach übereinandergelegt. Dadurch entsteht der breite, fast chorartige Klang, der den Refrain bis heute so mächtig wirken lässt.
Der Vocoder war nur ein Teil des Tricks
Zusätzlich verwendete BT eine tiefer liegende Vocoder-Spur. Ein Vocoder verbindet vereinfacht gesagt die Eigenschaften einer menschlichen Stimme mit einem künstlich erzeugten Klang. Die Stimme bestimmt dabei unter anderem die Aussprache, während ein Synthesizer oder ein anderes Signal den eigentlichen Ton liefert. Bei „Love Comes Again“ sorgt diese Spur für den leicht synthetischen Unterbau des Refrains. Den größten Anteil am Sound haben jedoch die vielen echten Gesangsaufnahmen. Es war also nicht das eine Preset oder Plugin, das plötzlich alles erledigte.
Das zeigt: Hinter einem der bekanntesten Refrains aus Tiëstos Trance-Ära steckt vor allem ziemlich viel Handarbeit. Zahlreiche Stimmen mussten arrangiert, eingesungen und anschließend zu einem einzigen großen Klang zusammengesetzt werden.
Mehr als zwei Jahrzehnte später lässt sich „Love Comes Again“ damit noch einmal etwas anders hören. Der vermeintliche Chor besteht im Kern aus einem einzigen Mann, der seine eigene Stimme so oft aufgenommen hat, bis sie wie viele klang.
Fotocredit: Rudy Gray of rGRAYphotography, BT of All Hail The Silence 01, CC BY-SA 4.0

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




