Tiësto hat sein Set, das er an den Pyramiden von Gizeh gespielt hat, auf YouTube veröffentlicht. Drei Stunden Musik, neue IDs und Klassiker. Kurzum: Ein Auftritt, der sein aktuelles Trance-Kapitel konsequent fortschreibt.
Ein Set zwischen Geschichte und Gegenwart
Viel größer kann die Kulisse kaum sein. Wenn ein DJ vor einem mehr als 4500 Jahre alten Weltwunder auflegt, ist die Fallhöhe hoch – sowohl künstlerisch als auch symbolisch. Genau deshalb funktioniert Tiëstos Gizeh-Set nicht als bloßer Social-Media-Stunt. Der Niederländer nutzt den Ort nicht, um sich selbst zu beweihräuchern, sondern um einen Bogen zu schlagen: zurück zu seinen Trance-Wurzeln, ohne dabei nostalgisch zu wirken.
Das dreistündige Set, das nun komplett auf YouTube verfügbar ist, vereint neue IDs, klassische Tracks aus Tiëstos früherer Trance-Phase und ausgewählte Songs anderer Künstler wie Benwal, Daxson, Kevin de Vries oder BLR. Der Fokus liegt klar auf Flow und Dramaturgie statt auf permanenten Peak-Momenten. Wer Drops im Minutentakt erwartet, ist hier falsch. Wer zuhören kann, ist hier richtig.
2025 war für Tiësto ohnehin ein Jahr der Rückbesinnung. Ein In Search of Sunrise-Set beim EDC Las Vegas, sein Trance-Release „Bring Me To Life“, ein viel beachteter Closing-Slot bei Dreamstate sowie die Aussicht auf ein neues Album im Jahr 2026 zeichnen ein klares Bild: Das ist kein einmaliger Ausflug, sondern eine bewusste Neupositionierung.
Das Gizeh-Set fügt sich nahtlos ein. Trance wird dabei nicht als nostalgisches, sondern als zeitgemäßes Genre behandelt. Breite Klangflächen, lange Spannungsbögen, wenig Effekthascherei. Gerade vor dieser Kulisse wirkt das fast selbstverständlich – und genau das ist die Stärke.
Monument-Shows als neues Prestige-Format?
Auffällig ist, wie sehr sich zuletzt große elektronische Acts an ikonische Orte bewegen. Wüsten, Salzseen, antike Bauwerke. Das Gizeh-Set reiht sich in diesen Trend ein, hebt sich aber durch seine Zurückhaltung ab. Bühne, Lichtdesign und Kameraführung sind hochwertig, drängen sich aber nie in den Vordergrund. Die Pyramiden bleiben Kulisse und werden nicht zum Content-Gimmick.
Ob solche Monument-Shows die Zukunft sind, bleibt offen. Klar ist: Sie funktionieren nur, wenn Musik und Ort einander ergänzen. Bei Tiësto gelingt das. Nicht weil alles größer ist, sondern weil alles unter Kontrolle bleibt.
Tiëstos Gizeh-Set ist kein Meilenstein, der die elektronische Musik neu definiert. Das will es auch nicht sein. Es ist ein souveräner und durchdachter Auftritt eines Künstlers, der weiß, woher er kommt und wohin er wieder will. Kurz gesagt: Anschauen lohnt sich. Nicht nur wegen der Pyramiden, sondern auch wegen der Ruhe, die sich Tiësto hier leistet.
Fotocredit: Tiësto

Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




