Skrillex hat 032c sein erstes großes Interview seit über zehn Jahren gegeben. Darin spricht er über KI-Musik, billige Laptop-Mikros, Justin Bieber und den 2.000-Dollar-Mythos hinter „Scary Monsters and Nice Sprites“.
Skrillex spricht wieder
Skrillex hat dem Berliner Kulturmagazin 032c sein erstes formales Interview seit über zehn Jahren gegeben. Im Gespräch mit Ecco2K spricht Sonny Moore nicht nur über neue Musik, sondern auch über KI, frühe Produktionsjahre, echte Rave-Momente und seinen Weg raus aus dem Major-System.
Das Interview liest sich nicht wie ein klassischer Promo-Termin. Dafür ist Skrillex zu lange kaum in dieser Form öffentlich aufgetreten. Stattdessen geht es um die Frage, was Musik heute eigentlich noch ausmacht, wenn Songs inzwischen innerhalb von Sekunden generiert werden können. Für Skrillex liegt die Antwort nicht in Technik oder Reichweite. Es geht um ein Gefühl.
KI kann viral gehen, aber nicht „gesehen“ machen
Der stärkste Moment des Interviews kommt, als Skrillex über KI-Musik spricht. Er sagt nicht, dass künstlich erzeugte Songs grundsätzlich schlecht sein müssen. Sein Punkt ist präziser: Ein Song kann viral gehen, aber ohne einen Menschen auf der anderen Seite fehlt für ihn etwas Entscheidendes. Skrillex spricht davon, dass Kunst Menschen das Gefühl geben müsse, „feel seen“ zu werden, also wirklich gesehen zu werden. Als Beispiele nennt er Justice, Daft Punk und Metallica. Musik, die vertraut wirkt, aber trotzdem etwas Neues öffnet. Dieses Gefühl, dass jemand die eigene Wellenlänge trifft, sei für ihn nicht einfach durch einen Algorithmus ersetzbar.

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Gerade in der elektronischen Musik ist das ein spannender Punkt. Kaum ein Genre war immer so eng mit Maschinen, Software und neuen Produktionsweisen verbunden. Aber Skrillex zieht hier keine Grenze zwischen Mensch und Technik. Er zieht sie zwischen Werkzeug und Bedeutung.
Der Skrillex-Sound kam nicht aus dem Luxus-Studio
Auch die Rückblicke auf seine Anfangsjahre sind stark. Skrillex beschreibt, wie viele frühe Ideen nicht in großen Studios entstanden, sondern mit einfachen Mitteln. 2007 begann er mit Ableton, frisch raus aus der Band From First To Last, ohne großes Setup und mit wenig Geld.
Kleine Vocal-Schnipsel, Reverb, Sampler, GarageBand, später Pro Tools und Ableton: Aus diesen Bausteinen entstand Schritt für Schritt der Sound, der Anfang der 2010er die elektronische Musik verschob. Selbst Songs wie „Bangarang“ seien in frühen Versionen mit „Snowball mics or laptop mics“ entstanden.
Das entzaubert den Mythos nicht, es macht ihn eher besser. Der Skrillex-Sound kam nicht aus perfekter Studioplanung, sondern aus rohen Ideen, kaputten Skizzen und dem Instinkt, aus unperfektem Material Charakter herauszuholen.
Der 2.000-Dollar-Durchbruch
Auch „Scary Monsters and Nice Sprites“ wirkt im Rückblick größer geplant, als es offenbar war. Laut Skrillex lag das Marketingbudget der EP damals bei rund 2.000 Dollar. Keine riesige Industrie-Maschine, kein sauber kalkulierter Masterplan. Der Rest war Timing, Internet, kostenlose Musik und eine Energie, die sich organisch weitergeschoben hat. Während viele noch diskutierten, ob dieser Sound überhaupt noch Dubstep sei, wurde Skrillex für eine neue Generation zum Einstiegspunkt in harte, grelle und maximal aufgeladene Clubmusik.
Skrillex selbst beschreibt sein Ziel im Interview erstaunlich simpel. Er wollte Musik machen, die er selbst auflegen würde. Musik, bei der Menschen in einen Raum kommen, springen, schwitzen und für einen Moment gemeinsam da sind. Ein „real, shared space“.
Auch Justin Bieber wurde erst belächelt
Ein weiterer starker Moment betrifft „Where Are Ü Now“. Heute gilt der Track mit Diplo und Justin Bieber als einer der wichtigsten Dance-Pop-Momente der 2010er. Damals war die Idee für viele offenbar alles andere als logisch. Skrillex erzählt, dass die erste Reaktion bei Atlantic Records eher verhalten gewesen sei. Justin Bieber passte für einige nicht in das Bild, das sie von Skrillex hatten. Rückblickend ist genau das typisch für seine Karriere: Viele Schritte wirkten im ersten Moment unbequem, wurden später aber prägend.
Vom Post-Hardcore-Sänger zum Dubstep-Auslöser, vom Festival-Abriss zur Pop-Kollaboration, vom Major-System zurück in eine freiere Phase. Skrillex hat sich selten dort aufgehalten, wo andere ihn gerade einsortiert hatten.
Mehr als nur Nostalgie
Das 032c-Interview erscheint in einer Phase, in der Skrillex wieder schwerer greifbar geworden ist. Nach seinem Abschied aus dem Atlantic-Umfeld veröffentlicht er freier, spielt mit Formaten und sucht offenbar stärker nach Räumen, die sich echt anfühlen. Dazu passt auch sein CONTRA-Event im Berliner Kraftwerk, über das er im Interview spricht. Keine klassische Ego-Show, kein reines Skrillex-Festival, sondern ein Versuch, verschiedene Szenen in einem Raum zusammenzubringen.
Am Ende bleibt von dem Gespräch vor allem ein Eindruck: Skrillex schaut nicht nur zurück. Er sucht nach dem nächsten echten Moment. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Interview nach über zehn Jahren mehr ist als nur eine seltene Wortmeldung.
Die vollständige Unterhaltung zwischen Skrillex und Ecco2K ist in der Summer-2026-Ausgabe von 032c erschienen und inzwischen auch online verfügbar.
Fotocredit: Marilyn Hue

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de



