In der Nacht auf Sonntag wurde im Oldenburger Cubes auf der vollbesetzten Tanzfläche Reizgas versprüht. Der Club wurde geräumt und die Gäste mussten bei winterlichen Temperaturen vorübergehend nach draußen. Die Polizei ermittelt, der Club kündigte Konsequenzen an.
Polizei ermittelt nach gezieltem Reizgas-Einsatz im Cubes in Oldenburg
In der Nacht auf Sonntag kam es in der Oldenburger Diskothek Cubes zu einem Zwischenfall. Nach Angaben der Polizei versprühten mehrere bislang unbekannte Personen Reizgas auf der Tanzfläche. Die Security meldete den Vorfall umgehend, woraufhin der Club evakuiert wurde.
Zum Zeitpunkt des Angriffs war die Diskothek gut gefüllt. Alle Gäste mussten die Räumlichkeiten verlassen, teils ohne ihre persönlichen Gegenstände wie Jacken. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kam es draußen zu Unruhe und Diskussionen. Nach aktuellem Stand liegen der Polizei keine Hinweise auf verletzte Personen vor. Nach kurzer Zeit durften die Gäste wieder in den Club zurückkehren.
Der Club äußerte sich noch in der Nacht über Instagram zu dem Vorfall. Dort ist von einem gezielten Angriff auf die laufende Veranstaltung die Rede. Ein mutmaßlicher Täter sei vor Ort gestellt worden, weitere Beteiligte seien durch die Videoüberwachung erfasst worden. Das entsprechende Material wurde an die Polizei übergeben.
Diese hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen, die Angaben zum Vorfall oder zu den mutmaßlichen Tätern machen können, sich zu melden. Parallel dazu kündigte der Club an, die Sicherheitsmaßnahmen künftig weiter zu verstärken, um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten.
Kommentar
Reizgas auf einer vollen Tanzfläche ist kein Ausrutscher und kein „Vorfall“, den man mit ein paar nüchternen Polizeisätzen abhaken sollte. Es ist ein gezielter Angriff auf einen Raum, der für viele Menschen genau das sein soll: ein sicherer, freier und unbeschwerter Ort.
Clubkultur funktioniert nur, solange sich alle auf eine ungeschriebene Regel verlassen können: dass niemand die Sicherheit der anderen bewusst gefährdet. Wer diese Regel bricht, stellt sich nicht gegen einen Club oder eine Veranstaltung, sondern gegen die Szene selbst.
Beunruhigend ist nicht nur die Tat selbst, sondern auch ihre Wiederholung. Reizgas taucht im Nachtleben immer wieder auf, fast schon mit einer fatalen Routine. Jedes Mal folgt die gleiche Beruhigung: Es gab keine Verletzten, nur einen kurzen Schock, dann geht es weiter. Genau darin liegt das Problem. Wer das normalisiert, senkt die Schwelle und nimmt in Kauf, dass es beim nächsten Mal nicht glimpflich ausgeht.
Clubs sind dicht, laut und dunkel. Panik braucht dort keinen Anlass, sondern nur einen Impuls. Sicherheit ist deshalb keine nette Zusatzoption, sondern die Voraussetzung dafür, dass Clubkultur überhaupt existieren kann. Vertrauen ist ihr Fundament – und das ist schneller zerstört als wieder aufgebaut.
Wir berichten über solche Fälle nicht, um Angst zu schüren, sondern um klarzumachen: Der Dancefloor ist kein rechtsfreier Raum. Und er darf auch keiner werden.
Fotocredit: A J.

Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




