Philipp Jung, Mitgründer von M.A.N.D.Y. und Get Physical Music, ist im Alter von 55 Jahren verstorben. Mit Tracks wie „Body Language“ und seiner Arbeit als Labelmacher prägte er den internationalen House-Sound der 2000er entscheidend mit.
Der Mann hinter „Body Language“ und Get Physical
Die elektronische Musikszene trauert um Philipp Jung. Der deutsche DJ, Produzent und Labelmacher, bekannt als eine Hälfte von M.A.N.D.Y. und als Mitgründer von Get Physical Music, ist im Alter von 55 Jahren verstorben. Eine Todesursache wurde bislang nicht öffentlich bekannt gegeben.
Jung gehörte zu den prägenden Figuren jener deutschen House-Generation, die Anfang der 2000er internationale Clubgeschichte schrieb. Bevor er selbst als Künstler und Labelmacher sichtbar wurde, arbeitete er unter anderem im A&R-Bereich großer Labels. 2002 gründete er gemeinsam mit Patrick Bodmer das Duo M.A.N.D.Y. – ein Projekt, das House nicht nur funktional, sondern auch warm, tief, melodisch und körperlich interpretierte.
Im selben Jahr entstand Get Physical Music, das Jung gemeinsam mit Bodmer, DJ T. und Booka Shade gründete. Das Label entwickelte sich schnell zu einer der wichtigsten Plattformen für House, Minimal und elektronische Clubmusik aus Deutschland. Während Berlin international oft vor allem mit Techno verbunden wurde, stand Get Physical für eine andere Facette der Szene: grooviger, eleganter, songnäher, aber trotzdem fest im Club verankert. Der wohl bekannteste Moment dieser Ära war „Body Language“, eine gemeinsame Produktion von M.A.N.D.Y. und Booka Shade. Der Track erschien 2005 und wurde zu einer der prägenden Dancefloor-Hymnen seiner Zeit.
Über die Jahre veröffentlichte Get Physical Musik von Künstlern wie Audiofly, Damian Lazarus, John Tejada, Kevin Over, WhoMadeWho und Emanuel Satie. Auch die „Body Language“-Compilation-Reihe wurde zu einem wichtigen Format des Labels und rückte sowohl etablierte Acts als auch neue Stimmen ins Blickfeld. Frühe Beiträge kamen unter anderem von Dixon, Matthew Dear und Modeselektor.
Mehr als M.A.N.D.Y.
Philipp Jungs Rolle ging dabei weit über seine Arbeit als Teil von M.A.N.D.Y. hinaus. Mit Kindisch und Metaphysical gründete er außerdem Schwesterlabels von Get Physical, die Raum für freiere, experimentellere und albumorientierte Veröffentlichungen boten. Gerade darin zeigte sich sein Verständnis von elektronischer Musik: nicht nur als Club-Werkzeug, sondern als offenes Feld für Künstler, Ideen und Entwicklungen.
Noch im März 2026 kuratierte Jung für Get Physical Music die Compilation „Rewind Forward Vol. 1“. Das Projekt blickte auf besondere Tracks und Momente aus dem Labelkatalog zurück – und wirkte zugleich wie ein Blick nach vorne. In einem Instagram-Post schrieb Jung im April, dass er nach 25 Jahren das Gefühl habe, erst an der Oberfläche gekratzt zu haben. Es gebe noch so viel zu entdecken, neu zu veröffentlichen, zu remixen und an die nächste Generation weiterzugeben. Musik sei weiterhin sein Leben und seine größte Leidenschaft.
Diese Worte lesen sich nach seinem Tod besonders schwer. Sie zeigen aber auch, wie eng Jung bis zuletzt mit seiner Arbeit, seinem Team in Berlin und der internationalen Szene verbunden war.
Spendenaufruf für seine Familie
Nach den ersten Berichten über seinen Tod wurde außerdem ein Spendenaufruf für die Familie von Jung eingerichtet. Initiiert wurde dieser von David Shapiro, der über das New Yorker Clubprojekt Black Flamingo mit Jung verbunden war. Im Mittelpunkt steht Jungs Partnerin Valentina, die laut der Beschreibung des Aufrufs im sechsten Monat schwanger ist. Die gesammelten Gelder sollen in einen Fonds für den noch ungeborenen Sohn fließen und die Familie unterstützen.
Philipp Jung hinterlässt Musik, Labelgeschichte und Spuren in einer Szene, die über Jahrzehnte von persönlichen Verbindungen, Vertrauen und gemeinsamer Arbeit geprägt war. Für viele war er nicht nur Teil von M.A.N.D.Y. oder Get Physical, sondern auch einer der Menschen, die den internationalen Blick auf elektronische Musik aus Deutschland mitgeprägt haben.
Ruhe in Frieden, Philipp Jung.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




