Petit Biscuit hat seine geplanten Auftritte in Australien und Indonesien kurzfristig abgesagt. In einem persönlichen Statement spricht der französische Produzent über seine seit Jahren schlechter werdende psychische Gesundheit und Panikattacken, die inzwischen auch seinen Körper dauerhaft belasten.
Zwei Tage vor dem Tourstart zieht Petit Biscuit die Reißleine
Eigentlich hätte Petit Biscuit am Freitag, 18. September, in Brisbane auf der Bühne stehen sollen. Es wäre der Auftakt zu seiner ersten australischen Headline-Tour seit sieben Jahren gewesen. Weitere Auftritte waren unter anderem in Melbourne, Sydney, Perth und an der Gold Coast sowie anschließend in Indonesien geplant.
Doch nur zwei Tage vor dem ersten Termin sagte der Franzose die Reise ab. In seinem Statement entschuldigt er sich bei allen, die bereits Tickets gekauft oder sich auf die Shows gefreut hatten. Seine Worte richten sich auch an die lokalen Veranstalter und Partner, die monatelang an der Tour gearbeitet haben. Die Entscheidung sei ihm alles andere als leichtgefallen. Trotzdem könne er die lange Reise momentan nicht antreten.
Selbst die guten Momente fühlen sich nicht mehr gleich an
Dann wird Petit Biscuit, der mit bürgerlichem Namen Mehdi Benjelloun heißt, ungewöhnlich persönlich. Lange habe er seine Probleme für sich behalten, weil er seine Privatsphäre schützen wollte. Nun sei er seinen Fans jedoch eine ehrliche Erklärung schuldig. Seine psychische Gesundheit habe sich über die vergangenen Jahre zunehmend verschlechtert. Die Höhen seien schwerer zu genießen, während die Tiefen immer schwieriger zu bewältigen seien.
Besonders deutlich spricht der 26-Jährige über seine Panikattacken. Sie hätten nicht aufgehört, sondern seien im Gegenteil schlimmer geworden. Sein Körper fühle sich mittlerweile dauerhaft angespannt an. Petit Biscuit betont gleichzeitig, dass er genau wisse, wie privilegiert er sei, von seiner Musik leben zu können. Dankbarkeit allein lässt psychische Probleme allerdings nicht verschwinden. Genau diese beiden Wahrheiten können nebeneinander existieren: Er liebt seinen Beruf – und kann die Belastung, die derzeit mit ihm verbunden ist, trotzdem nicht mehr tragen.
Jetzt hört er auf das, was sein Körper ihm sagt
Nach Gesprächen mit den Menschen in seinem engsten Umfeld sei ihm klar geworden, dass er die Signale seines Körpers und seiner Psyche nicht länger ignorieren dürfe. Eine Tour auf die andere Seite der Welt könne er momentan nicht bewältigen.
Auf die zahlreichen unterstützenden Nachrichten reagierte Petit Biscuit anschließend erneut. Er lese jede einzelne davon und versuche, so vielen Menschen wie möglich persönlich zu antworten. Zu wissen, dass Familie, Freunde und eine verständnisvolle Community hinter ihm stehen, gebe ihm Halt. Seinen Fans gibt er dabei denselben Rat mit, den er nun selbst befolgen muss: auf sich aufzupassen.
Petit Biscuit spricht ausdrücklich von den abgesagten Terminen in Australien und Indonesien. Einen vollständigen Rückzug von der Bühne, eine unbefristete Auszeit oder gar ein Ende seiner Karriere hat er nicht verkündet. Ob weitere geplante Auftritte betroffen sind und wann er wieder längere Tourneen spielen kann, bleibt zunächst offen. Einen Zeitplan für seine Rückkehr nennt er nicht – und den muss es in diesem Moment auch nicht geben.
Petit Biscuit wurde bereits als Teenager mit „Sunset Lover“ weltweit bekannt. Seitdem gehört er zu den bekanntesten französischen Produzenten der melodischen elektronischen Musik. Hinter all den Streams, Reisen und Bühnen steht aber weiterhin ein Mensch, dessen Körper ihm gerade eine klare Grenze setzt. Die Bühnen laufen ihm nicht weg. Jetzt zählt, dass er irgendwann wieder auf ihnen stehen kann, ohne dabei gegen sich selbst kämpfen zu müssen.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




