Light Jockey
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Interview: So beginnst du deine Karriere als Lightjockey!

Interview: So beginnst du deine Karriere als Lightjockey!

Oft stehen DJs samt ihren Sets im Mittelpunkt des Geschehens – aber was ist eigentlich mit jenen, die sich um die Lichteffekte im Club kümmern? Wir haben haben mit Giuliano, einem LJ, geplaudert und nachgefragt, was man als Lichtoperator eigentlich so macht und wie man zu diesem Beruf kommt...

Zur Person

Giuliano aka Luminice ist 27 Jahre alt und kommt aus Darmstadt. Er konnte bereits bei unzähligen Parties sein Talent als LJ unter Beweis stellen und hat langjährige Erfahrung im Business. Seine Stammdiskotheken waren der "Orange Club" in Darmstadt, der "Musikpark" in Darmstadt und das Moon13 – momentan kann man ihn übrigens im Gibson Club antreffen. Zudem hat er auch bei der "SWR3 HalloweenParty" mit Lostfrequencies in der EP Arena, oder dem Tanz der Bässe Open Air, sowie zahlreichen SunShineLive Parties als LJ gearbeitet.

Marie

Marie

Autorin

 

M:[email protected]


Hey Giuliano! Du bist Lightjockey, wie kommt man zu so einem Beruf? Wolltest du das immer schon machen?                                                                           

Seitdem ich sechs Jahre alt bin, interessiert mich alles was blinkt und leuchtet. Mit 17 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung zum Elektriker, weil man mit 17 Jahren noch zu jung für diese Eventbranche ist.

Ich habe schnell gemerkt, dass mich der Beruf, als Elektriker zu arbeiten, nicht wirklich erfüllt. Um mich bei Laune zu halten, begann ich nebenbei in Clubs im Rhein-Main Gebiet als Light Jockey zu arbeiten. Nach dem Erhalt des Gesellenbriefs begann ich eine zweite Ausbildung zum Veranstaltungstechniker. Nachdem ich diese erfolgreich absolviert hatte, machte ich mich direkt selbständig und bin seitdem als Lichtoperator und Lichtdesigner auf diversen Veranstaltungen im Industrie und Rock’n’Roll Bereich oder auf Festivals tätig.

Mein Herzblut gehörte immer schon der Elektronischen Musik, und somit machen mir Festivals und Co. auch am meisten Spaß. Das Ganze ist für mich mehr eine Berufung und Erfüllung, als ein Job. Ich stehe jeden Tag auf denke mir: 'Wie toll ist es einfach mit seiner Leidenschaft, und dem, was einem Spaß bereitet seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Man sieht die ganze Welt und kein Job, den ich annehme, ist wie der andere. Was gibt es Besseres!?' Ich denke, Ähnliches fühlen auch viele DJs. Mich hat es allerdings nie auf die Bühne oder hinter die Turntables gezogen. Ich habe schon immer das Lichtpult bevorzugt – und fühle mich dort richtig wohl.

Lightjoeckey

Könntest du mir noch mehr zu deiner Ausbildung als LJ verraten – du hattest gerade etwas zum Thema Veranstaltungtechniker gesagt?

Ja, genau, es gibt den Ausbildungsberuf des Veranstaltungstechnikers. Jedoch ist dieser nicht nötig, um als Lichtoperator zu arbeiten. Man bekommt dort die Grundlagen von Licht & Tontechnik sowie Statik und Vorschriften beigebracht. Man erfährt aber nicht, welches Licht bei welcher Art von Musik passt, wie man eine Lichtshow programmiert, wie man auf dem freien Markt an Jobs kommt oder, wie Musik grundsätzlich funktioniert. Das sind alles Skills, die man sich selbst beibringen oder bereits besitzen muss.

Es gibt viele Kollegen, die diese Ausbildung nicht absolviert haben und trotzdem sehr erfolgreich unterwegs sind. Ich würde sagen es ist „nice to have“, aber keineswegs nötig. Später fragt niemand mehr nach dem Fachkraft-Schein. Vielmehr ist die Arbeit, die man abliefert, wichtig und vor allem die Kontakte und Empfehlungen sind entscheidend.

Du sprichst von bestimmten Fähigkeiten. Was für Skills würdest du sagen, braucht man, wenn man als LJ arbeiten möchte?

Ganz oben auf der Liste steht für mich Taktgefühl – ohne wird es schwer. Musik, sei es Elektro, Rock, Pop, ist ja immer nach einem gewissen Prinzip aufgebaut. Wenn man Taktgefühl besitzt, kann man –  auch ohne Lieder speziell zu kennen – zum richtigen Zeitpunkt Lichteffekte einsetzen. Ich selbst zähle gar nicht im Kopf mit, wann der nächste Drop kommt. Man entwickelt dafür mit der Zeit ein Gefühl und drückt dann einfach im richtigen Moment den gewünschten Effekt.

Kreativität ist genauso wichtig. Wenn ich ein Lied höre, habe ich innerhalb von Sekunden ein Lichtbild im Kopf und versuche dies mittels meiner Lichteffekte umzusetzen. Es gibt Grundprinzipien, die man kennen sollte. Man braucht aber in meinen Augen auch etwas Fingerspitzengefühl. Man muss sich schnell Lichtdesigns ausdenken können, auf den DJ reagieren und eingehen. Zudem sollte man wissen, was mit den Lampen alles möglich ist und ein musikalisches Grundverständnis haben. Ein Tipp: Es schadet auch nicht privat Musik zu hören, um Lieder die gerade angesagt sind zu kennen und ein Gefühl für die jeweilige Musik zu entwickeln.

Im Grunde ist Lichtmachen ein wenig wie malen: Mit meinen Lampen unterstreiche ich die Musik, die der DJ gerade spielt und unterstütze gewisse Momente, um die Menge noch mehr mitzureißen und emotional zu packen.

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Ich habe gehört, man muss programmieren können, wenn man als LJ arbeitet. Warum braucht man das?

Man muss es nicht können, es ist aber von Vorteil, es zu beherrschen. In Discotheken ist das Lichtpult meist schon vorprogrammiert und man muss sich nur noch mit der Oberfläche vertraut machen. Bei Festivals oder bei Partys muss man das Lichtpult selbst programmieren. Es gibt auch Lichtoperatoren, die sich ihr Pult nach ihren Wünschen programmieren lassen, und dann nur noch die Show machen – das kommt dies in der elektronischen Musikszene sehr selten vor.

Der Vorteil, wenn ich mein Pult selbst programmiere und mit meiner gewohnten Oberfläche arbeite, ist, das ich viel schneller auf Situationen reagieren kann. Ich weiß genau, wo zum Beispiel der Strobo-Knopf liegt und, was für Effekte ich zur Verfügung habe. Zudem kann ich meine Ideen viel besser einbringen und bin nicht auf andere Leute angewiesen.

Passt du die Lichteffekte an jeden Gig an? 

Es gibt schon unterschiedliche Arten von Effekten und Herangehensweisen, die man beispielsweise bei Minimal, Tech House, House, Techno, Trance und Hardstyle nutzt.

Sei es von den Farben, die man verwendet, ob es eher hektische oder ruhige Bewegungen sind, ob die Lampen sanft oder hart die Helligkeit wechseln oder ob das Licht eher düster oder hell ist. Meistens begutachte ich vorher, was für DJs auflegen und für welche Musikrichtung sie bekannt sind. Ab und zu höre ich mir auch Livesets von ihnen an oder spezielle Remixe, um zu wissen, was mich erwartet – und auf was ich auf keinen Fall bei meiner Programmierung vergessen sollte.

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Glaubst du, dass Lichteffekte beim Tanzen in der Disko eine große Rolle spielen?

 Ja. Allerdings ist das für viele Partygäste wahrscheinlich nicht der Fall – einige wissen gar nicht, wie viel Arbeit ein Lichtoperator in einen Eventabend investieren muss. Das Programmieren eines Pults für eine Veranstaltung kann gut und gerne sechs bis zehn Stunden in Anspruch nehmen, je nach Können und Geschwindigkeit am Pult.

Allgemein kann man mit Helligkeit, Farben und Effekten Menschen unbewusst beeinflussen. Die Menschen nehmen es zwar erst einmal nicht wahr, aber es klappt. Eine Party kann durch einen Lichtoperator stehen und fallen. Ich sage immer: Wenn Partygäste gar nicht merken, dass jemand anwesend war und sich jede Sekunde des DJ-Sets Gedanken darum gemacht hat, welche Farben, welche Art von Lampen und welche Effekte gerade am besten zum Lied passen, dann habe ich meinen Job gut gemacht. Sollte ich hingegen komplett aus dem Takt Effekte einsetzen, viel zu hell oder zu dunkel mit dem Licht sein, oder ein reines „Rumgeblinke“ verursachen, dann wird das Ganze zu einem Störfaktor und ich habe meinen Job natürlich nicht korrekt erfüllt.

Was war dein coolstes Erlebnis als Lightjockey?

Puhhh: Diese Frage ist für mich wirklich am schwersten zu beantworten. Ich kann mich nicht festlegen. Jeder Gig ist für mich besonders und hat seine ganz eigenen, tollen Momente – beispielsweise, wenn der DJ eines meiner Lieblingslieder gespielt hat und ich, in meinen Augen, ein wirklich „geiles“ Licht dazu gemacht habe. Gigs von LostFrequencis, Lexy&K-Paul, Felix Kröcher, Marusha, Kai Tracid, CharlyLownoise sind mir allerdings besonders in Erinnerung geblieben sind.

Abschließend: Was steht noch alles bei dir karrieremäßig auf dem Plan?

Momentan habe ich noch viele Ziele, die ich erreichen möchte. Ich hoffe aber, wenn wir in ein paar Jahren nochmal ein Interview führen, dass ich dir noch viele weitere große DJ Namen und Festivals aufzählen kann, bei denen ich als Lichtoperator tätig war...

Da bin ich mir ganz sicher – vielen Dank für das Gespräch!

Fotocredits: Luminice, Unsplash

Zur Person

Giuliano aka Luminice ist 27 Jahre alt und kommt aus Darmstadt. Er konnte bereits bei unzähligen Parties sein Talent als LJ unter Beweis stellen und hat langjährige Erfahrung im Business. Seine Stammdiskotheken waren der "Orange Club" in Darmstadt, der "Musikpark" in Darmstadt und das Moon13 – momentan kann man ihn übrigens im Gibson Club antreffen. Zudem hat er auch bei der "SWR3 HalloweenParty" mit Lostfrequencies in der EP Arena, oder dem Tanz der Bässe Open Air, sowie zahlreichen SunShineLive Parties als LJ gearbeitet.

Marie

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22.01.19 07:52