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Hypaton: „Ich kratze gerade erst an der Oberfläche dessen, was ich erreichen möchte“

Hypaton: „Ich kratze gerade erst an der Oberfläche dessen, was ich erreichen möchte“

Hypaton ist längst mehr als ein viraler Zufallsfund. Im Interview mit DJ Mag Germany spricht der italienische DJ und Produzent über seinen Weg von Zahnmedizin und Instagram-Reworks zur Zusammenarbeit mit David Guetta, den Druck vor seinem ersten Ibiza-Set und darüber, warum Melodie für ihn der Kern seiner eigenen Artist-Identität bleibt.

Hypaton im Interview mit DJ Mag Germany

Hallo Hypaton. Wo stehst du gerade als Künstler?

Hypaton: Ich habe immer noch das Gefühl, ganz am Anfang meiner Reise zu stehen. Es sind sehr schnell viele unglaubliche Dinge passiert, aber ich glaube, ich kratze gerade erst an der Oberfläche dessen, was ich erreichen möchte. Der Unterschied zu vor ein paar Jahren ist, dass ich jetzt viel mehr auf mein Bauchgefühl vertraue. Ich konzentriere mich weniger darauf, was andere von mir erwarten, und mehr darauf, etwas zu schaffen, das sich wirklich nach mir anfühlt.

Wann wurde dir klar, dass das mehr als nur ein Social-Media-Moment sein würde?

Hypaton: Am Anfang dachte ich ehrlich gesagt, es wäre nur ein cooler Moment, der irgendwann wieder vorbeigehen würde. In den sozialen Medien geht alles so schnell, dass man kaum einschätzen kann, was Bestand haben wird und was nicht. Der Moment, in dem es bei mir wirklich „Klick“ machte, war, als etablierte DJs anfingen zu fragen, ob ich noch mehr Musik hätte, die sie spielen könnten. Da wurde mir klar, dass die Leute nicht mehr nur auf einen einzigen Track achteten. Sie interessierten sich für mich als Künstler.

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Wie schwer fiel dir die Entscheidung, die Zahnmedizin aufzugeben und dich voll und ganz der Musik zu widmen?

Hypaton: Musik war für mich immer das Hauptziel. Die Zahnmedizin war eher ein Plan B für den Fall, dass es mit der Musik nicht klappen sollte. In diesen Jahren habe ich, wie ich immer sage, 50 Prozent meiner Zeit der Universität und 50 Prozent der Musik gewidmet. Ich habe nie aufgehört, Musik zu produzieren, zu lernen und mich zu verbessern. Der Wendepunkt kam, als ich David Guetta traf. Wir unterhielten uns über meine Zukunft, und er half mir dabei, die richtigen Weichen zu stellen, um meine Karriere als Künstler richtig in Gang zu bringen. Von da an war die Entscheidung viel klarer.

Was Hypaton von David Guetta gelernt hat

Was hat David Guetta dir beigebracht, was man anderswo nicht lernen kann?

Hypaton: David Guetta hat mir beigebracht, langfristig zu denken. Heutzutage verliert man sich leicht in Zahlen, Trends und dem, was gerade diese Woche passiert, aber er hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, etwas aufzubauen, das Bestand hat. Er hat mir auch beigebracht, dass Beständigkeit unglaublich wichtig ist. Viele Menschen sehen den Erfolg, aber sie sehen nicht die jahrelange Arbeit, Disziplin und Geduld, die dahinterstecken. Das sind Dinge, die man nicht wirklich aus einem Tutorial lernen kann. Man lernt sie, indem man Zeit mit jemandem verbringt, der seit Jahrzehnten an der Spitze steht.

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Was war der Ausgangspunkt für „Walked Away“?

Hypaton: Die ursprüngliche Idee kam eigentlich von David. Er schickte mir das Konzept, und von Anfang an wollten wir etwas schaffen, das ein ähnliches Gefühl wie „Together“ vermittelt. Beide Stücke haben eine nostalgische und emotionale Seite, sind aber gleichzeitig so konzipiert, dass sie auf einer großen Festivalbühne funktionieren. Sobald wir diese Richtung im Blick hatten, entwickelte sich alles ganz natürlich.

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Wo liegt für dich die Grenze zwischen einer starken Neuinterpretation und reiner Nostalgie?

Hypaton: Für mich ist der Schlüssel, etwas Neues in die Produktion einzubringen. Wenn man das Original einfach nur kopiert und sich auf die Erinnerungen der Leute verlässt, ist das reine Nostalgie. Eine gute Neuinterpretation sollte dem Song eine neue Perspektive, eine neue Energie oder ein neues Publikum eröffnen. Das schönste Kompliment ist es, wenn jemand das Original entdeckt, weil er zuerst deine Version gehört hat.

Melodie als roter Faden

Worauf sollten die Hörer bei deinem Solo-Sound achten?

Hypaton: Ich glaube, in meinen Solo-Releases wird noch deutlicher, wie wichtig Melodien für meinen Sound sind. Für mich fängt dort alles an. Eine großartige Melodie weckt Emotionen, und Emotionen sind es, die Menschen mit Musik verbinden. Das ist wahrscheinlich der größte rote Faden, der sich durch alle meine Solo-Veröffentlichungen zieht. Mein Ziel ist es, Musik zu machen, die möglichst viele Menschen erreicht und bei ihnen etwas auslöst, ganz gleich, wo man sie hört.

Wie hast du gelernt, wie die Musikbranche wirklich funktioniert?

Hypaton: Ich habe viel gelernt, einfach indem ich hineingeworfen wurde. Alles ging sehr schnell, also musste ich so viele Informationen wie möglich von den Menschen um mich herum aufnehmen. Ich war schon immer neugierig und liebe es, zu verstehen, wie Dinge funktionieren – sei es auf der kreativen oder auf der geschäftlichen Seite. Was mich motiviert, ist das Gefühl, dass ich mich immer noch am Anfang befinde. Es gibt so viele Künstler, die ich bewundere, und so viele Ziele, die ich noch nicht erreicht habe. Dieses Gefühl treibt mich jeden Tag dazu an, mich zu verbessern.

In 47 Tagen auf die Ibiza-Bühne

Was war schwieriger: die technische Seite oder der mentale Druck?

Hypaton: Auf jeden Fall der mentale Druck. Die technische Seite konnte ich jeden Tag üben, aber es ist unmöglich, sich vollständig darauf vorzubereiten, nach nur 47 Tagen im Hï Ibiza vor diesem Publikum aufzulegen. Gleichzeitig war ich so darauf konzentriert, bereit zu sein, dass ich gar keine Zeit hatte, zu viel darüber nachzudenken. Rückblickend war es eine verrückte Erfahrung, aber sie hat mir viel darüber beigebracht, unter Druck auf mich selbst zu vertrauen.

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Was unterscheidet dich von anderen DJs?

Hypaton: Ich denke, das muss letztendlich das Publikum entscheiden. Was ich sagen kann, ist, dass die Melodie schon immer im Mittelpunkt all meiner Arbeit stand. Egal, in welchem Genre ich arbeite, ich komme immer wieder darauf zurück, etwas zu schaffen, das den Menschen im Gedächtnis bleibt und mit dem sie sich emotional verbunden fühlen. Was den Weg zu meinem eigenen Stil angeht, glaube ich, dass Authentizität der Schlüssel ist. Je wohler ich mich in meiner Haut als Künstler fühle, desto natürlicher kommt meine eigene Identität in der Musik zum Ausdruck.

Vielen Dank für das Gespräch, Hypaton

Fotocredit: Press Pic

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