Gabriel Wittner: „Der Ferdinands Feld DJ-Contest hat mir gezeigt, wie wertvoll faire und respektvolle Strukturen für junge Künstler sind“

Gabriel Wittner: „Der Ferdinands Feld DJ-Contest hat mir gezeigt, wie wertvoll faire und respektvolle Strukturen für junge Künstler sind“

Mit seinem Sieg beim Ferdinands Feld DJ Contest – powered by Beat Dealer Records und DJ Mag Germany – setzte Gabriel Wittner den nächsten Meilenstein seiner Karriere. Der 26-Jährige ist in den vergangenen Jahren bereits durch seine Mashups, Remixe und Techno-Produktionen in der EDM-Bubble aufgefallen – nun steht das Release seines neuen Tracks „Enjoy The Silence“ an. Im großen DJ Mag Germany Interview spricht er über seine Entwicklung, den Contest-Erfolg und sein Mindset im Musikbusiness.

Gabriel Wittner im exklusiven DJ Mag Germany Interview

Hey Gabriel! Schön, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Erst einmal: Happy New Year! Wie war dein Start in 2026 und wie fühlt es sich für dich an, wenn du auf das vergangene Jahr zurückblickst?

Gabriel Wittner: Mein Start ins Jahr 2026 war ganz bewusst ruhig gewählt. Für mich ist der Jahresanfang ein wichtiger Moment, um innezuhalten und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Ich hätte an diesem Tag zwar einen Auftritt gehabt, habe mich aber bewusst dagegen entschieden, um diese Zeit mit meiner Familie und engen Freunden zu verbringen.

Wenn ich auf 2025 zurückblicke, fällt es mir selbst jetzt noch schwer, das alles richtig zu greifen. Ich bin nach wie vor überwältigt von Dankbarkeit, weil ich merke, wie nah ich meinem Traum inzwischen gekommen bin. Es war ein Jahr voller intensiver Momente, Wachstum und Bestätigung – und genau dieses Gefühl wollte ich bewusst mit ins neue Jahr nehmen.

2025 hast du den DJ Contest beim Ferdinands Feld gewonnen – ein weiterer großer Step in deiner Karriere. Erzähl uns gerne etwas genauer von deiner Experience beim Festival.

Gabriel Wittner: Beim Ferdinands Feld lief alles absolut fair und transparent ab. Der Gewinn hat sich ehrlich verdient angefühlt und war für mich eine starke Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein.

Die Möglichkeit, Teil eines so großen Festivals zu sein und sogar die Mainstage eröffnen zu dürfen, war absolut surreal. Ein besonderer Moment war später auch die Begegnung mit W&W nach ihrem Set – diese Nacht war geprägt von Adrenalin, Inspiration und großer Dankbarkeit.

Fotocredit: Nicolai Semrau

Was hat dieser Contest-Gewinn konkret für dich verändert – musikalisch, aber auch hinter den Kulissen? Und warum würdest du Newcomern grundsätzlich empfehlen, an DJ-Contests teilzunehmen?

Gabriel Wittner: Der Contest hat mir vor allem gezeigt, wie wertvoll faire und respektvolle Strukturen für junge Künstler sind. Während des gesamten Prozesses – und besonders auf dem Festival – wurde ich als Newcomer auf Augenhöhe behandelt.

Vom Shuttle-Service über den Backstage-Zugang bis hin zu Gesprächen mit etablierten Artists habe ich echte Wertschätzung erfahren. Solche Formate können Türen öffnen, Vertrauen schaffen und extrem motivieren – wenn sie ehrlich umgesetzt sind.

Mittlerweile steht fest, dass du 2026 wieder Teil des Line-ups beim Ferdinands Feld bist. Was bedeutet dir dieses Festival inzwischen persönlich?

Gabriel Wittner: Vor meinem ersten Auftritt auf dem Ferdinands Feld war ich extrem nervös. Die Größe der Mainstage war einschüchternd, aber es war ein gesunder Respekt. Ich habe mich selten so intensiv vorbereitet wie auf diesen Moment.

Erneut Teil des Line-ups zu sein, ist für mich eine absolute Ehre. Das Festival steht für Vertrauen, Wertschätzung und echte Leidenschaft für Musik.

Viele EDM-Fans in Deutschland kennen dich vor allem durch deine Mash-ups und Remixe. Wie würdest du dich all denen vorstellen, die dich bisher noch nicht auf dem Schirm haben? Was macht dich als DJ und Produzent Gabriel Wittner aus?

Gabriel Wittner: Ich vergleiche das DJ-Dasein gerne immer mit einem Autorennen fahren. Es geht nicht darum, permanent Vollgas zu geben, sondern im richtigen Moment den richtigen Gang einzulegen, Spannung aufzubauen und die Crowd gezielt mitzunehmen.

Dabei macht es einen entscheidenden Unterschied, dass ich nicht nur der Rennfahrer bin, sondern auch derjenige, der das Auto gebaut hat. Meine Sets bestehen fast ausschließlich aus eigenen Songs, Edits, Mash-ups und Remixen. Viele der Tracks kennt man bereits – aber nicht in der Form, wie ich sie auf der Bühne verpacke. Genau dadurch fühlen sich meine Sets vertraut an und überraschen gleichzeitig immer wieder.

Weil ich die Musik hinter meinen Sets selbst produziere, weiß ich genau, wie meine Tracks aufgebaut sind, welche Dynamik sie haben und an welcher Stelle sie ihre maximale Wirkung entfalten. Das gibt mir auf der Bühne die Sicherheit, Tempo und Energie sehr bewusst zu steuern.

Und dadurch, dass ich auf der Bühne auch zum Mikrofon greife und selbst singe, kommt eine weitere Ebene hinzu – fast so, als würde ich meinen eigenen Treibstoff mitbringen. Diese Präsenz macht meinen Sound und meine Sets als DJ und Produzent besonders und hebt mich klar von vielen anderen ab.

Wann und wie bist du zum Produzieren gekommen? Gab es einen bestimmten Moment, in dem du wusstest: „Das ist genau mein Ding“?

Gabriel Wittner: Meine musikalische Reise begann schon sehr früh. Bereits im Kindesalter habe ich Gitarre gelernt und angefangen, eigene Songs zu schreiben.

Mit etwa 14 oder 15 Jahren zeigte mir ein Freund FL Studio. Die Möglichkeit, mit einem Laptop ganze Klangwelten erschaffen zu können, hat mich sofort gepackt. In diesem Moment war mir klar: Musik ist meine Sprache. Meine Art, Gefühle zu zeigen und zu verarbeiten.

Dein Sound ist sehr techno- und festivalorientiert, zudem bringst du auch deine eigene Stimme in deine Produktionen ein – was sie besonders wiedererkennbar macht. Wie wichtig ist dir diese persönliche Note, gerade in einer Zeit, in der KI auf dem Musikmarkt immer präsenter wird?

Gabriel Wittner: Die persönliche Note ist für mich essenziell, weil sie meinen Sound überhaupt erst wiedererkennbar macht. In meinen Texten verarbeite ich echte Geschichten, Emotionen und Gefühle, die ich selbst erlebt habe. Auch wenn jeder Mensch diese Dinge anders empfindet, entstehen genau dadurch Berührungspunkte, in denen sich viele wiederfinden.

Gerade in einer Zeit, in der KI-generierte Musik immer präsenter wird, ist diese Authentizität für mich wichtiger denn je. Meine eigene Stimme, meine Erfahrungen und meine Art zu erzählen sind etwas, das man nicht reproduzieren kann.

Die Kombination aus einer emotionalen, eher ruhigen Stimme und gleichzeitig energiegeladenen, technoiden Beats schafft einen Kontrast, der meinen Sound klar definiert – ein Beat und ein Bass, der dich trägt, verbunden mit einer Geschichte, die man fühlt.

Jüngst ist deine neue Single „EnjoyThe Silence“ über Beat Dealer Records erschienen, die gemeinsam mit dem Ferdinands Feld und uns, dem DJ Mag Germany, den DJ Contest gehostet haben. Der Track orientiert sich am legendären Klassiker von Depeche Mode. Was hat dich dazu bewegt, gerade diesen Song neu zu interpretieren?

Gabriel Wittner: „Enjoy The Silence“ begleitet mich schon sehr lange. Der Song ist zeitlos, emotional und tiefgründig. Schon lange wollte ich diese Stimmung in ein modernes, technoides Gewand übertragen.

Der entscheidende Moment kam, als mir Danny Suko eine Demo mit neu aufgenommenen Vocals schickte. Ab da war klar, dass daraus etwas Besonderes entstehen kann – mit Respekt vor dem Original und einer klaren Vision für die heutige Festivalwelt.

Deine Version verbindet eine sehr emotionale Botschaft mit einem druckvollen, technoiden Festival-Sound. Wie schafft man bei einem Cover wie diesem die Balance zwischen Respekt vor dem Original und der eigenen Handschrift?

Gabriel Wittner: Für mich war entscheidend, die emotionale Essenz des Originals zu bewahren. Gleichzeitig wollte ich meine eigene Identität über Sound, Energie und Dramaturgie einbringen.

Wenn beides zusammenkommt – Respekt und eigene Vision – entsteht genau diese Spannung, die einen Track zeitgemäß macht, ohne seine Seele zu verlieren.

Wie hast du die Zusammenarbeit mit Beat Dealer Records erlebt? Und wie wichtig ist ein enger, kreativer Austausch mit einem Label für Releases wie „Enjoy The Silence“?

Gabriel Wittner: Schon beim ersten Anruf hatte ich das Gefühl, dass hier mehr entsteht als nur ein einzelner Release. Aus einem kurzen Gespräch wurden schnell tiefere Gespräche über Musik, Visionen und die Szene.

Ein enger, respektvoller Austausch ist für mich extrem wichtig. Nur so entsteht der Raum, den gute Musik braucht, um wirklich zu wachsen.

„Enjoy The Silence“ steht für Stille, Emotion und Loslassen – ein spannender Kontrast zur lauten Club- und Festivalszene. Warum ist dir genau diese Message so wichtig?

Gabriel Wittner: Wenn ein ruhiger, tiefgründiger Text auf einen harten Beat trifft, entsteht etwas Besonderes. Der Beat trägt einen – fast wie auf einer Wolke – und macht schwere Themen leichter verarbeitbar.

Genau dieses Spannungsfeld liebe ich auch bei meinen eigenen Songs. Selbst in der lautesten Szene ist Platz für echte Emotionen.

Hast du schon im Kopf, an welcher Stelle deiner Sets du „Enjoy The Silence“ platzieren möchtest, damit die Crowd den Vibe des Tracks besonders intensiv fühlen kann?

Gabriel Wittner: Der Track wird definitiv nicht am Anfang meines Sets stehen, sondern eher gegen Ende. Wann genau möchte ich noch nicht verraten – aber er wird im richtigen Moment kommen.

Was dürfen wir 2026 von dir erwarten? Mehr Releases, mehr Festival-Slots, neue Kollaborationen?

Gabriel Wittner: 2026 wird ein Jahr mit noch mehr und größeren Auftritten, auch international, sowie zahlreichen Kollaborationen.

Parallel zum Release von „Enjoy The Silence“ am 30.01.2026 erscheint auch mein erstes Deutsch-Pop-Album über meinen Pop-Alias Gabriel Winter. Zwei Wochen später, am 13.02.2026, folgt eine Remix-EP, auf der beide Welten zusammengeführt werden – die emotionale, erzählerische Seite des Albums und meine energiegeladene Festival- und Technowelt.

Ich möchte Musik machen, die mehr will als nur den nächsten Hype – Musik, die nachhallt und nicht nur knallt. Die gute Nachricht: Auf der Remix-EP bekommt man beides.

Zum Abschluss: Gibt es bestimmte Ziele, die du dir für deine Karriere manifestierst, zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit einem bestimmten Artist oder eine Performance auf einem bestimmten Event? Oder bist du eher der Typ „go with the flow“?

Gabriel Wittner: Mein größtes Ziel ist es, mir selbst treu zu bleiben und mich nicht von Trends oder kurzfristigen Hypes leiten zu lassen, sondern ehrliche, tiefgehende Musik zu machen.

Gleichzeitig möchte ich der Beweis dafür sein, dass man seine Ziele mit Fairness, Respekt und klaren Werten erreichen kann. Ich habe früh gemerkt, wie hart die Musikbranche sein kann – und leider auch erlebt, dass manche Künstler Klicks über Freundschaften, Loyalität und Menschlichkeit stellen.

Für mich ist das der falsche Weg. Musik verbindet. Wenn ich meinen Weg gehen kann, ohne meine Werte zu verlieren, ist das für mich genauso wichtig wie jede Bühne oder jeder Erfolg.

Danke, lieber Gabriel! Wir sind ganz gespannt auf dein Release und freuen uns, dich weiter verfolgen zu dürfen!

Fotocredit: Gabriel Wittner


Julia Keiser

Julia Keiser