Ecstasy-Pille „Blue Punisher“: Der neue Festival-Schreck

Ecstasy-Pille „Blue Punisher“: Der neue Festival-Schreck

Nach dem mutmaßlichen Drogentod eines 13-jährigen Mädchens ist die hoch dosierte Ecstasy-Pille im Gespräch: Der Blue Punisher enthält besonders viel des Wirkstoffs MDMA und kann deswegen bereits nach Einnahme nur einer Pille tödlich sein. Doch was genau steckt hinter der Partydroge Ecstasy?

„Blue Punisher“ – der Wirkstoff MDMA

„Blue Punisher“ ist eine besondere Erscheinungsform von Ecstasy-Pillen, demnach keine gesonderte Droge. Ecstasy ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Tabletten, Pulver oder auch Kristalle, denen der Wirkstoff MDMA – Methylendioxy-N-methylamphetamin – zugrunde liegt. Der Besitz, Handel und die Herstellung des Amphetaminderivats sind in Deutschland gemäß der Betäubungsmittelrechts-Änderungsverordnung strafbar. 

Die Wirkung von MDMA tritt nach ca. 30 bis 40 Minuten ein und hält zwischen vier und sechs Stunden an. Neurobiologisch sorgt der Wirkstoff dafür, dass der Botenstoff Serotonin vermehrt ausgeschüttet und die Rückaufnahme, durch Hemmung des Serotonintransporters, welcher vorwiegend die Funktion hat, freigesetztes Serotonin zu entfernen, vermieden wird. Durch die vermehrte Ausschüttung des Glückshormons reagieren viele Menschen euphorisch auf die Droge: Zufriedenheit, gesteigertes Selbstwertgefühl, geringere Hemmschwellen – auch geringeres Hunger- und Durstempfinden gehören zu den Wirkungen. Diese sind besonders gefährlich, wenn die Pillen während stundenlangem Tanzen auf einem Festival oder Rave genommen werden: Wasserverlust, Organschäden, Kreislaufzusammenbrüche. Auch sogenannte Horrortrips kann es geben: Panikattacken und Angstzustände folgen dann. Wie die Wirkung erlebt wird, hängt von vielen Faktoren ab, darunter zum Beispiel die Umgebung, die Stimmung oder auch die Erwartungen der Konsumierenden. Nachgewiesen werden kann der Wirkstoff im Blut mindestens 24 Stunden, im Urin bis zu drei Tage und im Haar sogar noch mehrere Monate nach Konsum.

Pillen
Foto: MART PRODUCTION

Das sind die Risiken von MDMA 

Aufgrund der oben beschriebenen positiv wahrgenommenen Wirkungen hat die Droge ein hohes psychisches Abhängigkeitspotential. Nach Abklingen des Rausches tun sich Entzugserscheinungen auf: Dieser sogenannte „Ecstasy-Kater“ erfolgt besonders auf psychischer Ebene. Neben dem Zustand körperlicher Erschöpfung kann der Kater von Schlaf- und Konzentrationsstörungen begleitet werden. Der Körper hat nach der Einnahme von Ecstasy kein Serotonin mehr zur Verfügung, der Haushalt muss sich erst mal wieder einpendeln, dies kann zu depressiven Verstimmungen und Angststörungen führen.

Während des Konsums täuscht die Tablette dem Körper eine extreme Leistungsfähigkeit vor, ohne jedoch Energie zuzuführen, weshalb Konsumierende sich oft über ihre Grenzen hinaus belasten. Auf einem Festival zum Beispiel kann dies zu einem Kreislaufkollaps oder Überhitzungsschock führen. Oft zu beobachten ist bei Konsumierenden auch das „typische Kauen“, welches durch die Verkrampfung der Kiefermuskulatur hervorgerufen wird. Neben psychischen Risiken wie Gereiztheit, Unruhe, Nervosität hin zu Halluzinationen und paranoiden Wahnvorstellungen kann die vollsynthetische Droge auch zu körperlichen Folgen wie Nierenversagen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen. Besonders der Dauergebrauch von Amphetaminen und Ecstasy führt unweigerlich zu körperlichen, psychischen und sozialen Folgeschäden.

Außerdem hat man als Konsumierender nie die Möglichkeit, die Zusammensetzung der Pille und die Dosierung des Wirkstoffes MDMA zu kontrollieren. Und genau deswegen ist „Blue Punisher“ so gefährlich.

Warnung vor „Blue Punisher“

Der „Blue Punisher“ ist meist als blaue Tablette mit Totenkopf-Logo vorzufinden, doch Vorsicht: Die Pille gibt es auch in anderen Farben und wird unter „The Punisher“ gedealt. Bei diesen Tabletten ist die MDMA-Konzentration besonders hoch. Die übliche MDMA-Dosierung in Ecstasy liegt laut dem Drogeninformationszentrum in Zürich zwischen 60 und 130 Milligramm, bei allem darüber hinaus spricht man schon von einer hohen Dosierung. Die durchschnittliche Dosierung in der „Blue Punisher“-Pille liegt schon über diesen Richtwerten. Im Jahr 2021 wurde Medienberichten zufolge in Großbritannien eine „Blue Punisher“-Tablette untersucht, die 477 Milligramm MDMA enthielt – also, selbst wenn man von einer hohen Dosierung mit 130 Milligramm ausgeht, mehr als das 3,5-fache! Ab 200 Milligramm gilt der Wirkstoff bereits als potenziell lebensbedrohlich. Das Tückische: Also Konsument ist es einem nicht möglich, zu erkennen, wie hoch die Dosierung ist. Hinzu kommt die häufige Streckung des Wirkstoffes, z. B. mit anderen Drogen wie Crytsal, Wirkstoffen aus ADHS- oder Schmerzmedikamenten. Viele dieser Wirkstoffe verstärken den Rausch und demnach auch den Ecstasy-Kater. 

In Berlin gibt es mittlerweile das „Drugchecking“ – ein Analyse- und Beratungskonzept der Drogen- und Suchthilfe. Als Konsument hat man hier die Möglichkeit, psychoaktive Substanzen im Rahmen eines Beratungsgespräches anonym und kostenlos zur Analyse abzugeben. Das Ergebnis der Analyse bekommt man im Regelfall innerhalb einer Woche mit Schadens-minimierenden Botschaften zurück, auch weitere Suchthilfe kann hier in Anspruch genommen werden. Ziel der Initiative ist es, Vergiftungen und lebensbedrohliche Situationen durch Überdosierungen oder Streckung der Wirkstoffe zu vermeiden. 

Gefahr auf Festivals

Besonders auf Festivals haben Polizei und Veranstalter den Fokus auf der gefährlichen Pille, kontrollieren vermehrt und das mit Erfolg: Beim Fusion Festival Ende Juli wurde ein mutmaßlicher Dealer mit 60 „Blue Punisher“-Pillen festgenommen, auch bei der Ruhr-in-Love in Oberhausen wurde die gefährliche Droge sichergestellt. Zudem warnen Veranstalter, Polizei und Gesundheitsministerien eindringlich vor der Einnahme der tödlichen Droge.


Foto: Airbeat One (abfotografiert von Julia Keiser)

Glaubt uns: Raven und Feiern funktioniert auch ohne Drogen!

Fotocredit: Matteo Badini

Sucht & Drogen Hotline

Sowohl Menschen mit Suchtproblemen als auch Angehörige, Freunde oder Kollegen können bei der Sucht & Drogen Hotline telefonische Beratung, Hilfe und Informationen in Anspruch nehmen. Unter der Telefonnummer 01806/313031 erreicht ihr rund um die Uhr erfahrene Fachleute aus der Drogen- und Suchthilfe. Das Angebot ist kostenpflichtig und kostet pro Anruf 0,20 € aus dem deutschen Fest- oder Mobilfunknetz. Außerdem verfügt fast jede Stadt über Beratungsstellen für Sucht & Drogen. Weitere Informationen findet ihr unter bundesdrogenbeauftragter.de unter dem Reiter Service/Beratungsangebote.


Lena Meickmann

Lena Meickmann