Alligatoah wagt einen kleinen Ausflug Richtung Dancefloor: Gemeinsam mit Larissa Rieß alias LARI LUKE bekommt „Nachbeben“ ein neues Club-Gewand. Der Remix wirkt auf dem Papier überraschend, passt aber ziemlich gut zu Alligatoahs Hang zur kontrollierten Übertreibung.
Alligatoah auf Techno-Abwegen
Alligatoah ist nicht unbedingt der erste Name, der einem bei Techno in den Kopf kommt. Genau deshalb funktioniert dieser kleine Genre-Abstecher so gut. Mit „Nachbeben (ANTISNOOZE)“ bekommt sein Song „Nachbeben“ jetzt ein neues Club-Gewand – produziert von Larissa Rieß alias LARI LUKE.
Rieß ist vielen noch aus Radio und Fernsehen bekannt, bewegt sich als LARI LUKE aber schon länger in der elektronischen Musik. Sie stand bereits auf großen Festivalbühnen und ist als DJ mit Sounds zwischen House, Bass und clubtauglicher Pop-Energie unterwegs. Für Alligatoah ist der Remix weniger ein radikaler Stilbruch als ein weiterer Ausflug in ein musikalisches Spielfeld, das nicht ganz ernst gemeint sein muss, aber trotzdem funktionieren darf.
Die Kombination wirkt auf den ersten Blick ziemlich random: Alligatoahs Wortwitz, sein Hang zur Überzeichnung und LARI LUKEs Dancefloor-Fokus. Genau daraus entsteht aber der Reiz. Statt den Song einfach nur schneller oder härter zu machen, spielt die Version mit dem Kontrast zwischen Alligatoahs eigener Kunstfigur und einem Beat, der deutlich näher am Club als am klassischen Rap- oder Pop-Kontext liegt.
Ob daraus mehr als ein einzelner Remix wird, bleibt offen. Als kleiner Ausflug zeigt „Nachbeben (ANTISNOOZE)” jedoch sehr gut, wie anschlussfähig elektronische Musik aktuell auch außerhalb ihrer klassischen Szenegrenzen ist – selbst bei einem Künstler, der seine Pointen sonst lieber mit Gitarren, Rap-Flows oder bitterböser Satire setzt.
Fotocredit: Sven Mandel, Alligatoah – 2024087200409 2024-03-27 Alligatoah – Sven – 1D X MK II – 0643 – AK8I4310, CC BY-SA 4.0

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




