Afrojack hat auf der Ultra-Mainstage ein Stück EDM-Geschichte fortgeschrieben. Mit „Awake Tonight“ präsentierte er beim Ultra Miami den neuen gemeinsamen Track mit David Guetta und Sia – 15 Jahre nach „Titanium“.
15 Jahre nach „Titanium“ steht dieses Trio wieder gemeinsam im Fokus
Es gibt Songs, die einem Künstler nicht nur wegen ihres Erfolgs im Gedächtnis bleiben, sondern auch wegen allem, was damals drumherum passiert ist. Bei Afrojack ist „Titanium” genau so ein Fall. Der 2011 von David Guetta und Sia veröffentlichte Track wurde zu einem weltweiten Dance-Pop-Monster und schaffte es Anfang Februar 2012 sogar auf Platz eins der britischen Singlecharts.
Dass Afrojack beim Ultra Miami ausgerechnet einen neuen gemeinsamen Song mit David Guetta und Sia spielt, ist deshalb mehr als nur ein netter Rückblick auf alte Zeiten. Während seines Mainstage-Sets stellte er „Awake Tonight“ erstmals einem Publikum vor. Damit war einer der auffälligsten Momente des Wochenendes direkt ein Stück Dance-Geschichte mit Fortsetzung.
Warum „Titanium“ für Afrojack lange ein wunder Punkt war
Der eigentlich spannende Teil liegt jedoch in der Vorgeschichte. Afrojack hatte an „Titanium“ mitproduziert, wollte damals aber nicht namentlich auf dem Release aufgeführt werden. Später sprach er offen darüber und bezeichnete diesen Schritt rückblickend als einen der größten Fehler seiner Karriere. Der Grund: Der Song war ihm damals nicht „underground“ genug. Erst als der Song bereits riesig war, habe er gemerkt, wie naiv und arrogant diese Entscheidung gewesen sei.
Genau deshalb bekommt „Awake Tonight“ jetzt ein anderes Gewicht. Für viele ist das die Rückkehr der „Titanium“-Kombination. Für Afrojack steckt da aber offensichtlich mehr drin, auch so etwas wie ein zweiter Anlauf mit einer Konstellation, die ihm musikalisch einen riesigen Hit beschert hat, die er persönlich aber immer auch als verpasste Chance betrachtet hat
Acht Jahre Arbeit
Dazu passt auch, wie Afrojack selbst über den neuen Song spricht. „Awake Tonight“ lag rund acht Jahre bei ihm, ehe die finale Version stand. Insgesamt seien etwa 40 Versionen entstanden, bis alle mit dem Ergebnis zufrieden waren. Er sagte auch direkt dazu, dass ein Nachfolger zu „Titanium“ schwierig sei, weil die Messlatte nun mal extrem hoch liege.
Das klingt genau nach der Art von Geschichte, die man bei so einem Track erwarten würde. Es geht nicht um einen schnell zusammengeschusterten Reunion-Moment für den Festival-Hype, sondern um einen Song, an dem lange gefeilt wurde, weil allen klar war, dass man an einen Titel wie „Titanium“ nicht halbherzig anschließen kann.
Dass die Premiere ausgerechnet beim Ultra stattfand, macht die Sache perfekt. Bereits beim 25-jährigen Jubiläum des Festivals im vergangenen Jahr waren David Guetta und Sia bei Afrojack aufgetreten, um „Titanium” gemeinsam live zu performen. Jetzt folgt an fast derselben Stelle das nächste Kapitel.
Ob „Awake Tonight“ am Ende wirklich die Wucht von „Titanium“ erreicht, weiß heute natürlich noch niemand. Ehrlich gesagt muss der Song das auch erst einmal schaffen. Aber allein die Tatsache, dass dieses Trio 2026 mit neuer Musik wieder auftaucht, ist groß genug. Und mit der ganzen Vorgeschichte dahinter fühlt sich dieser Moment nicht wie ein einfacher Throwback an, sondern eher wie ein Kreis, der sich nach vielen Jahren doch noch schließt.
Fotocredit: Rudgr

Autor
Franz Beschoner
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