Nach der Absage der Defqon.1 steht das Thema Hitzeschutz im Festivalsommer endgültig im Mittelpunkt. Auch das Electrisize-Team erklärt, welche Maßnahmen bereits fest eingeplant sind und welche zusätzlichen Maßnahmen bei extremer Hitze greifen könnten.
Hitze als Teil der Festivalplanung
Die vergangenen Stunden haben gezeigt, wie schnell extreme Temperaturen den Festivalbetrieb verändern können. Mit der vorzeitigen Absage der Defqon.1 in den Niederlanden wurde deutlich: Hitze ist längst kein Randthema mehr, sondern kann über Ablauf oder im schlimmsten Fall über den Fortgang eines ganzen Wochenendes entscheiden.
Auch beim Electrisize Festival wird Hitzeschutz deshalb nicht erst kurz vor dem Event bedacht. Schon bei der Planung des Geländes fließen laut Fabian Ströbel und Michael Frentzen Sonnenstand-Simulationen und 3D-Renderings ein. So soll früh geprüft werden, wo sich zu welchen Zeiten Sonne und Schatten auf dem Gelände befinden. „Wir planen Hitzeschutz nicht erst, wenn es heiß wird“, erklären Ströbel und Frentzen. „Schon bei der Geländeplanung schauen wir uns genau an, wo Schatten entsteht, wo Menschen sich aufhalten und wie wir Besucherströme möglichst sicher führen können.“
Zur festen Grundausstattung gehört beim Electrisize eine kostenlose Trinkwasserstation und kostenlose Sonnencreme für alle Besucher. Dazu kommen Stretch-Zelte, Überdachungen, Schirme und weitere Schattenbereiche am Food Court sowie in den vielfältigen Chill-out-Zonen. Auch die Hängematten-Villages sind überdacht. Für medizinische Fälle steht immer ein klimatisiertes Sanitätsdienstzelt bereit.
Ein weiterer Baustein ist der Boden. Rund 30.000 Quadratmeter Bodenschutz sollen bei Hitze die Staubentwicklung reduzieren und bei Regen gegen Matsch helfen. Gerade bei trockenen Böden ist das nicht nur Komfort, sondern auch ein wichtiger Faktor für Gesundheit und Sicherheit. Neu ist die Area „The Source“. Sie soll als neuer Ruhebereich zum Runterkommen dienen, mit Schattenplätzen und alkoholfreien Getränken, unter anderem von Early.
Weniger Wartezeit, mehr Entlastung
Besonders kritisch sind bei hohen Temperaturen Wartebereiche. Bei Electrisize gehört es deshalb seit Jahren zum Standard, Schlangenbildung am Einlass und an Kontrollstellen möglichst gering zu halten. Auch ein späterer Einlass im Laufe des Tages ist grundsätzlich möglich und nicht erst als neue Hitzemaßnahme gedacht.
Bei Bedarf kann das Personal zusätzlich aufgestockt werden, um Wartezeiten noch weiter zu verkürzen. Als optionale Maßnahme bei extremer Hitze kommt außerdem ein Pre-Check-in-Konzept infrage: Besucher könnten ihr Bändchen bereits vor Festivalstart abholen und am Festivaltag selbst noch schneller auf das Gelände.
Auch die Crew wird fest in die Planung einbezogen. Mitarbeitende an weiter entfernten Bereichen wie Parkplätzen oder Wegen haben eigene Schattenplätze, Sonnenschirme, Zelte und eine stetige Trinkwasserversorgung. Das ist bei Electrisize ebenfalls Teil des seit Jahren bestehenden Konzepts.
Schneekanonen und Wassershooter bei Extremhitze
Sollte es zu extremer Hitze kommen, kann Electrisize zusätzliche Maßnahmen aktivieren. Dazu zählen die Bewässerung von Flächen ohne Holzboden, kostenlose Wasserausgaben an stark belasteten Wartebereichen und eine Aufstockung des Sanitätspersonals.
Auch Wassershooter an der Mainstage könnten dann als zusätzliche Abkühlung eingeplant werden. Gleiches gilt für große Schneekanonen auf dem Gelände und an den Stages. Diese sollen natürlich nicht für Schnee, sondern als aktive Kühlung für die Besucher genutzt werden. Electrisize steht dafür nach eigenen Angaben bereits seit längerem mit den Bergbahnbetrieben eines großen österreichischen Skigebiets im Austausch.
„Unser Ziel ist nicht, bei Hitze nur zu reagieren, sondern vorbereitet zu sein“, so Ströbel und Frentzen. „Dazu gehören Wasser, Schatten und medizinische Kapazitäten genauso wie kreative Lösungen zur aktiven Abkühlung.“
Begrenzte Besucherzahl als Sicherheitsfaktor
Zum Konzept gehört auch seit jeher ein begrenztes Ticketkontingent. Damit soll verhindert werden, dass das Gelände überfüllt wird und Infrastruktur, Schattenflächen und Versorgung pro Person nicht mehr ausreichen. Gerade dieser Punkt wird in heißen Sommern immer wichtiger. Je voller ein Gelände ist, desto schwieriger wird es, Besucherströme zu entzerren, Wartezeiten kurz zu halten und Rückzugsorte nutzbar zu machen.
Damit zeigt sich: Hitzeschutz ist im Festivalsommer 2026 keine Zusatzleistung mehr, sondern Teil eines verantwortungsvollen Sicherheitskonzepts. Für Veranstalter bedeutet das mehr Planung, mehr Flexibilität und mehr Kommunikation. Für Besucher bedeutet es im besten Fall: feiern, ohne dass Hitze zum unkontrollierbaren Risiko wird.
Wie sich dieses Konzept vor Ort bewährt, zeigt sich vom 7. bis 9. August 2026 in der Nähe von Düsseldorf. Tickets für Electrisize 2026 sind weiterhin über den offiziellen Ticketshop erhältlich.
Fotocredit: Marko Besquare / Electrisize

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




