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15.000 Fake-Platten: Betreiber einer illegalen Vinylfabrik muss ins Gefängnis

15.000 Fake-Platten: Betreiber einer illegalen Vinylfabrik muss ins Gefängnis

Vier rund 70 Jahre alte Pressen, 18 Tonnen Beweismaterial und gefälschte Alben von Taylor Swift, Coldplay und Kendrick Lamar: Sieben Jahre lang produzierte eine Fabrik in London Vinylfälschungen im industriellen Maßstab. Ihr Betreiber nahm damit rund 2,7 Millionen Pfund ein. Nun muss er für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Eine Vinylfabrik, die nur nachts arbeitete

Von außen war es lediglich eine Gewerbeeinheit im Westen Londons. Im Inneren lief unter dem Namen Phoenix of Vinyl jedoch eine komplette Produktionskette für gefälschte Schallplatten. Rehan Ahmed betrieb die Fabrik seit 2017 gemeinsam mit drei oder vier Beschäftigten. Gearbeitet wurde ausschließlich nachts. Die fertigen Platten gelangten anschließend in Plattenläden oder wurden über Plattformen wie eBay und Discogs direkt an Käufer verkauft.

Schon im ersten Betriebsjahr erhielt Ahmed eine Unterlassungsaufforderung. Aufgehalten hat sie ihn nicht. Die Produktion lief weitere sieben Jahre, bis Ermittler die dreistöckige Fabrik im Februar 2024 durchsuchten. Was sie dort vorfanden, wirkte eher wie ein chaotisches Plattenlager als wie eine organisierte Millionenproduktion. Maschinen, fertige Platten und Geschäftsunterlagen lagen ungeordnet herum. In Kühlschränken wurden Chemikalien neben Bierdosen gelagert. An einer Wand hing sogar eine gerahmte Silberne Schallplatte, die Ahmed angeblich vom „God of Vinyl“ erhalten hatte. Hinter diesem kuriosen Anblick steckte jedoch ein professionelles und äußerst lukratives Geschäft.

Vier alte Pressen und 18 Tonnen Beweismaterial

Nach Informationen des Guardian fanden die Ermittler in der Fabrik rund 15.000 Platten. In ihrer offiziellen Bilanz nennt die City of London Police 2.791 beschlagnahmte und anschließend als Fälschungen bestätigte Exemplare. Warum sich die beiden Zahlen unterscheiden, wird nicht näher erläutert. Hinzu kamen vier etwa 70 Jahre alte Vinylpressen, 3.000 Metallmatrizen sowie Tausende Cover, Etiketten und weitere Produktionsmaterialien. Insgesamt stellten die Ermittler rund 18 Tonnen Beweismaterial sicher.

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Betroffen waren die Rechte von 108 Künstlern. Unter den nachgemachten Platten befanden sich Veröffentlichungen von Taylor Swift, Coldplay, Kendrick Lamar, Adele, Ariana Grande, Drake, Beyoncé, Rihanna und den Beatles.

Fast der gesamte Herstellungsprozess fand direkt in der Fabrik statt. Lediglich Cover und Etiketten ließ Ahmed extern drucken. Eine Schneidemaschine zur Anfertigung eigener Masterplatten fehlte dagegen. Die Ermittler gehen deshalb davon aus, dass vorhandene Schallplatten als Vorlage für die Fälschungen dienten. Die Platten sollten wie offizielle Veröffentlichungen wirken und wurden teilweise über gewöhnliche Händler verkauft. Käufer konnten deshalb davon ausgehen, ein legales Produkt zu erwerben.

Die Qualität hielt diesem Eindruck offenbar nicht immer lange stand. Nach Angaben des britischen Musikverbands BPI waren einige Platten verzogen oder wiesen Unebenheiten auf. Auch Klang und Druckqualität seien teilweise ausgesprochen schlecht gewesen.

Gerade bei seltenen oder offiziell lange nicht auf Vinyl erhältlichen Alben konnte das Geschäft trotzdem funktionieren. Fans zahlen für vermeintlich limitierte Pressungen inzwischen regelmäßig hohe Preise – und erkennen eine Fälschung unter Umständen erst, wenn die Platte bereits auf dem Plattenteller liegt.

Rund 2,7 Millionen Pfund mit Fälschungen verdient

Zwischen 2017 und 2024 setzte Ahmed mit den gefälschten Platten insgesamt 2.743.000 Pfund um. Umgerechnet entspricht das mehr als drei Millionen Euro. Nach seiner Festnahme versuchte der heute 40-Jährige zunächst, die Verantwortung auf angebliche Geschäftspartner zu verteilen. Die Ermittler konnten seine Darstellung jedoch nicht bestätigen. Später räumte Ahmed ein, selbst hinter dem gesamten Unternehmen zu stehen.

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Er bekannte sich wegen der Verletzung von Urheberrechten sowie des Erwerbs und der Verwendung kriminell erlangten Eigentums schuldig. Das Inner London Crown Court verurteilte ihn in beiden Anklagepunkten zu Haftstrafen von zwei Jahren und acht Monaten beziehungsweise dreieinhalb Jahren. Da beide Strafen gleichzeitig verbüßt werden, muss Ahmed insgesamt drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das Gericht berücksichtigte dabei insbesondere die lange Laufzeit, die gezielte Planung und den Schaden für Künstler und Musikindustrie.

Die Schattenseite des Vinylbooms

Der Fall ist größer als eine einzelne chaotische Fabrik in London. In Großbritannien stiegen die Vinylverkäufe 2025 um 13,3 Prozent auf 7,6 Millionen Exemplare. Es war bereits das 18. Wachstumsjahr in Folge. Mit dem Comeback der Schallplatte wächst allerdings auch der Markt für Fälschungen. Innerhalb von zwei Jahren war die BPI an 43 Durchsuchungen wegen illegaler Vinyl- und CD-Verkäufe beteiligt. Dabei wurden rund 600.000 Artikel mit einem geschätzten Wert von bis zu acht Millionen Pfund sichergestellt. Mindestens zehn weitere Ermittlungen laufen derzeit.

Für Sammler ist das besonders bitter. Vinyl lebt vom Vertrauen in das physische Produkt: in die Pressung, das Artwork und die vermeintliche Seltenheit. Genau diese Eigenschaften machen die Schallplatte inzwischen auch für Fälscher attraktiv. Der Vinylboom hat die Platte wieder wertvoll gemacht. Und damit leider auch ihre Fälschung.

Fotocredit: M Lagan

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Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de