Größer, lauter, massentauglicher: In den vergangenen Jahren haben sich viele Festivals immer weiter vom Kern der elektronischen Kultur entfernt. Das Electrifinity zieht daraus Konsequenzen und richtet sich neu aus. Ohne Mainstage, ohne VIP-Bereiche und ohne Chart-Bookings will das Festival zu den Wurzeln der elektronischen Musik zurückkehren.
Das Electrifinity als Gegenentwurf zur aktuellen Festival-Logik
Die Entwicklung der Festivallandschaft ist offensichtlich: Immer aufwendigere Shows, klare Hierarchien zwischen Mainstage und Nebenfloors sowie Line-ups mit zunehmendem Pop- und Chart-Fokus sind die Folge. Für viele Besucher fühlt sich elektronische Musik dabei längst nicht mehr wie Kultur, sondern wie Kulisse an. Genau hier setzt das Electrifinity Festival an und positioniert sich bewusst als Gegenmodell.
Anstelle größerer Inszenierungen soll die Musik wieder im Mittelpunkt stehen. Nicht als Soundtrack für Effekte, sondern als gemeinschaftliches Erlebnis. Das Festival versteht sich dabei nicht als Wachstumsprojekt, sondern als Ort für Szene, Austausch und Identifikation.
Zwei Floors, keine Hierarchie
Konkret zeigt sich der neue Ansatz in einer klaren Struktur: Electrifinity setzt auf zwei gleichwertige Bühnen – ganz bewusst ohne klassische Mainstage. Auf der Techno Stage werden Trance, Techno und Hardtechno gespielt. Auf der Harder Styles Stage werden Hardcore, Uptempo, Frenchcore, Gabber und Hardstyle gespielt.
VIP-Areas, exklusive Bereiche oder massentaugliche Chart-Acts sind nicht Teil des Konzepts. Stattdessen setzt das Festival auf musikalische Konsequenz, faire Preise und eine von der Community getragene Atmosphäre.
Haltung statt Hochglanz
„Wir wollen zurück zu dem, was elektronische Musik immer ausgezeichnet hat: Echtheit, Zusammenhalt und Freiheit“, so der Veranstalter. Das ist zwar kein neuer Gedanke, aber einer, der in der aktuellen Festivalrealität selten so klar formuliert wird. Während viele Events weiterhin auf maximale Reichweite setzen, nimmt Electrifinity bewusst in Kauf, nicht für jede Zielgruppe anschlussfähig zu sein.
Ob dieses Modell langfristig aufgeht, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Der Wunsch nach weniger Show und mehr Substanz ist in der Szene längst vorhanden. Electrifinity gibt diesem Bedürfnis nun eine konkrete Form und positioniert sich damit deutlich gegen den aktuellen Mainstream.
Das Electrifinity 2026 findet vom 19. bis 21. Juni in Bad Aibling statt. Konkrete Künstler wurden bislang noch nicht angekündigt, Tickets sind jedoch bereits erhältlich. Der Veranstalter verzichtet bewusst auf Namedropping und stellt zunächst das Konzept sowie die inhaltliche Neuausrichtung des Festivals in den Vordergrund.
Fotocredit: Electrifinity Festival

Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




